Finanzen Markt & Meinungen Startseite

 

Studie: Wirtschaftsmagazine floppen bei Internetforen und Chats

Köln/Berlin, 01.10.2008 10:25 Uhr (redaktion)

Wirtschaftssendern und Wirtschaftsblättern gelingt es kaum, auf ihren Internetseiten mit Zuschauern und Lesern in einen Dialog zu treten. Dies zeigt eine vom Ernst-Schneider-Preis e.V. beauftragte Untersuchung.

Wie Studierende der Hochschule Fresenius – University of Applied Sciences für den von den Industrie- und Handelskammern getragenen Journalistenpreis der deutschen Wirtschaft (www.ernst-schneider-preis.de) herausfanden, ziehen die Medien nur einen sehr geringen Teil ihrer Nutzer in die dafür vorgesehenen Foren und Chats. Unter den analysierten Angeboten erzeugen lediglich die thematisch breit gefächerten Seiten des "Spiegel" auch bei Wirtschaftsthemen viel Resonanz.

Die Autoren der Studie untersuchten im Frühjahr 2008 die Web-Angebote von "Wiso" (ZDF), "n-tv", "Financial Times Deutschland" ("FTD"), "Handelsblatt", "Spiegel" und "Focus". Sie fanden zahlreiche Zugangshürden, vergleichsweise geringe Nutzerzahlen und mehr "Cyber-Smalltalk" als Informationsaustausch. Die meisten Chats, die Kommunikation in Echtzeit erlauben, und Foren – virtuelle Plätze zum Gedankenaustausch – sind der Analyse zufolge bei Wirtschaftthemen eher Spickwände als ergänzendes Medium.

Auch erwiesen sich die Foren und Chats der untersuchten Medien als zum Teil schwer auffindbar. Die Angebote verbergen sich hinter Begriffen wie "Community", "Debatte", "Blogs" oder "Weblogs". Diskutanten müssen sich teilweise registrieren lassen. Viele Wirtschaftsressorts stellen im Internet "bunte" Themen zur Diskussion. Um die Zugriffszahlen zu erhöhen, initiieren die Redaktionen Umfragen.

Im Einzelnen
Im großen Internetangebot von "n-tv" hatte im Untersuchungszeitraum nur ein Prozent aller Beiträge direkt mit Wirtschaft zu tun. Durchschnittlich wurde ein Diskussionsverlauf im Wirtschaftsforum 173-mal gelesen. In moderierten Chatrooms von "n-tv" waren maximal 32 Nutzer gleichzeitig eingeloggt.

Den in der Sendung "Wiso" des ZDF beworbenen "Wiso-Chat" verfolgten durchschnittlich 300 Menschen; Fragen an den Experten stellten jeweils 50 bis 60 Interessierte – von rund drei Millionen Zuschauern der Sendung.

Das "Finanzforum" des "Handelsblatt" hatte im Schnitt rund 1.000 Nutzer, die sich allerdings sehr ungleichmäßig verteilten: Populäre Themen trafen auf sehr große Resonanz, andere blieben komplett unbeantwortet.

Auf der "Debatten"-Seite der "FTD" schrieben 123 Nutzer zu einem angebotenen Thema. Die "FTD" bemüht sich, die Akzeptanz der Seite durch ein Bewertungssystem zu steigern: So genannte VIP-User mit mehr als hundert Beiträgen dürfen die Meinung Anderer bewerten.

Bei "focus-online" machen die Wirtschaftsthemen, die im Ressort "Finanzen" zu finden sind, zwei Prozent des Beitragsvolumens aus. Durchschnittlich gaben Leser hier 19 Antworten auf Themen. Jeweils rund 1.200 Nutzer lasen die einzelnen Beiträge.

Deutlich mehr Resonanz erhält das Wirtschaftsforum von "spiegel online", dessen Beiträge allerdings länger online sind. Die Autoren der Studie zählten 886 Antworten pro Beitrag. Die jeweiligen Diskussionsverläufe lasen durchschnittlich fast 45.000 Menschen.

(Quelle: DIHK)
(Foto: pixelio;tommyS)

 

» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen