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Konjunkturbericht vom Bankenverband - Weltwirtschaft verliert an Schwung

Frankfurt/Main, 08.10.2008 13:00 Uhr (redaktion)

Perspektiven fuer die Weltwirtschaft haben sich in den letzten Monaten eingetruebt. Die Finanzmarktkrise koennte vor allem in den Laendern, in denen sie mit einer scharfen Korrektur der Immobilienpreise einhergeht, die Kreditvergabe der Banken beeintraechtigen.

Darueber hinaus droht eine aus den Finanzmarktproblemen abgeleitete Eintruebung des Investoren- und Verbrauchervertrauens in die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die hohe Prioritaet, die einer Stabilisierung des Finanzsystems inzwischen eingeraeumt wird, ist deshalb unverzichtbar, um weiterreichende realwirtschaftliche Folgen zu verhindern.

Weltweites Wirtschaftswachstum
Weltweites Wirtschaftswachstum

In erster Linie aber bremsen die als Folge der hohen Energie- und Rohstoffpreise weltweit kraeftig gestiegenen Inflationsraten die wirtschaftliche Entwicklung. Inzwischen allerdings sind angesichts der unguenstigeren Aussichten fuer die Weltwirtschaft viele Rohstoffpreise, insbesondere die Oelpreise, wieder merklich gesunken. Dadurch sollte der weltweite Inflationsdruck in den kommenden Monaten spuerbar zurueckgehen. Dies duerfte zu einer Bodenbildung der Weltwirtschaft Anfang 2009 fuehren.

Angesichts der hohen Verschuldung der privaten Haushalte ist in den USA auf mittlere Sicht ein Anstieg der Sparquote und damit ein langsameres Konsumwachstum unvermeidbar. Dies wird die wirtschaftliche Entwicklung auch 2009 erheblich daempfen.

In Japan hat die Exportdynamik merklich nachgelassen. Die bereits wieder sinkende Inflationsrate sollte die Nachfrage der privaten Haushalte in den kommenden Monaten etwas stabilisieren. Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit ist aber auch 2009 nur ein sehr moderates Wirtschaftswachstum zu erwarten.

Auch in den bis zuletzt noch stark expandierenden asiatischen Schwellenlaendern wird sich das Wachstumstempo durch eine geringere Exportnachfrage verringern. In vielen Emerging Markets hat zuletzt aber die Binnennachfrage an Bedeutung gewonnen. Insbesondere bei einer Fortsetzung des geplanten Infrastrukturausbaus duerften diese Laender zwar auf einem flacheren, aber relativ robusten Wachstumskurs bleiben.

Viele lateinamerikanische Staaten konnten den Nachfragerueckgang aus den USA bislang durch steigende Rohstoff- und Nahrungsmittelexporte in die restliche Welt kompensieren. Da zudem die Binnennachfrage in einigen suedamerikanischen Laendern durch einen Rueckgang der Arbeitslosigkeit an Staerke gewonnen hat, duerfte sich die Konjunktur in der gesamten Region 2008 und 2009 nur moderat verlangsamen.

Waehrend das Wirtschaftswachstum in den meisten mittel- und osteuropaeischen Staaten vor allem wegen der wirtschaftlichen Abschwaechung in Westeuropa nachlaesst, bleiben die wirtschaftlichen Perspektiven fuer Russland nicht zuletzt wegen der weltweit strukturell gestiegenen Rohstoffnachfrage vergleichsweise guenstig.

Die Wirtschaft im Euro-Raum duerfte im zweiten Halbjahr stagnieren und ohne grosse Dynamik in das kommende Jahr starten. Mit einer Belebung ist aus heutiger Sicht erst im zweiten Halbjahr 2009 zu rechnen.

Wirtschaftswachstum Deutschland
Wirtschaftswachstum Deutschland

Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland hat nach rund dreijaehriger Dauer ein Ende gefunden. Fuer das zweite Halbjahr 2008 ist kaum mehr als eine wirtschaftliche Stagnation zu erwarten. Ein noch tieferer Einbruch sollte durch die inzwischen wieder zurueckgehende Inflationsrate verhindert werden. Die Ausgangsbedingungen fuer 2009 sind ebenfalls sehr bescheiden. Wegen der in den letzten Jahren verbesserten Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt und in den Unternehmen koennte die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr allerdings relativ zuegig von einer allmaehlichen Wiederbelebung der Weltwirtschaft profitieren. Fuer das gesamte Jahr 2009 ist aus heutiger Sicht aber nur noch ein Wirtschaftswachstum von rund 1/2 Prozent zu erwarten.

(Quelle: Bundesverband deutscher Banken)

 

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