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Bayerische Wirtschaft berfürchtet Talfahrt - Weniger Investitionspläne

München, 09.10.2008 11:27 Uhr (redaktion)

Der Optimismus der bayerischen Wirtschaft ist verflogen. Die Unternehmen haben ihre Erwartungen auf breiter Front zurückgeschraubt. Selbst das Exportgeschäft zeigt deutliche Bremsspuren.

Die Kapazitätsauslastung sowie die Ertragsaussichten sind stark abgesackt. Die Investitionslaune hat deshalb einen kräftigen Dämpfer erhalten und die Unternehmen haben ihre Budgets zurückgefahren. Damit geht spätestens im kommenden Jahr auch der Boom auf dem Arbeitsmarkt zu Ende. Dies ergab die Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, BIHK, unter rund 3.000 Unternehmen. „Der Stimmungseinbruch deutet für 2009 auf eine konjunkturelle Talfahrt hin“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen.

Der BIHK-Index, der Lage und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, ist deutlich eingebrochen: Seit seinem Höchststand im Sommer 2007 ist er sukzessive von damals 129 Punkten auf aktuell nur noch 106 Punkte gefallen. Allein seit der Umfrage im Sommer 2008 ist er um 13 Punkte abgesackt. Einen ähnlich drastischen Rückgang des BIHK-Index gab es letztmalig im Herbst 2001.

Bereits zum fünften Mal in Folge haben die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage schlechter beurteilt als zuvor. Allerdings sind die Unternehmer mit einer guten Geschäftssituation noch in der Überzahl. Doch sie werden weniger, der Abwärtstrend beschleunigt sich. Vor allem die spürbar schlechteren Geschäftsaussichten haben den Index nach unten gedrückt. Der Anteil der Optimisten ging von 23 % im Sommer 2008 auf aktuell nur noch 16 % zurück. Der Anteil der Skeptiker hat sich sogar von 10 auf 20 % verdoppelt. Am deutlichsten sind die Erwartungen in der Ge- und Verbrauchsgüterindustrie zurückgegangen: Der Saldo bricht um insgesamt 25 Punkte ein.

Die wachsende Unsicherheit wirkt sich negativ auf die Investitionsbereitschaft aus. Erstmals seit drei Jahren wollen in den kommenden zwölf Monaten wieder mehr Unternehmen ihre Budgets kürzen als ausbauen. Die ersten Auswirkungen der sinkenden Investitionsneigung treffen vor allem die bayerische Bauwirtschaft. Nachdem der Wohnungsbau und der öffentliche Bau schon in der Vergangenheit zu kämpfen hatten, war alleine der Wirtschaftsbau konjunkturelle Stütze der Branche. Nun aber erwarten die Bauunternehmen auch in diesem Segment deutliche Einbußen: Nur noch 9 %, nach 30 % im Sommer, erwarten mehr Aufträge aus der Wirtschaft, der Anteil der Pessimisten steigt kräftig von 14 auf aktuell 30 %. Die Differenz aus positiven und negativen Erwartungen geht damit um volle 37 Saldopunkte auf aktuell -21 Punkte zurück.

Die Skepsis über die zukünftige Wirtschaftsentwicklung, so der BIHK-Chef, sei zwar auch auf die Krise an den internationalen Finanzmärkten zurückzuführen. Aber die insgesamt gesunkene Investitionsbereitschaft sei vor allem eine direkte Folge der steigenden Rohstoff-, Energie- und Personalkosten sowie einer rückläufigen Nachfrage aus dem In- und Ausland. Vor allem die konjunkturelle Abkühlung in den USA und bei den wichtigsten europäischen Handelspartnern, wie Großbritannien, Frankreich, Italien oder Spanien, zieht auch die exportorientierte bayerische Wirtschaft in den Abwärtssog.

Erstmals seit Jahresbeginn 2006 wollen wieder mehr Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten Personal abbauen: Der Beschäftigungssaldo der bayerischen Wirtschaft geht von +5 Punkten im Sommer auf aktuell -6 Punkte zurück. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings noch nicht genau abzuschätzen, in welchem Ausmaß Arbeitsplätze verloren gehen“, so Driessen. Doch schon jetzt spürt der Einzelhandel und der konsumnahe Großhandel die fehlende Kauflaune der Verbraucher. Aufkeimende Angst vor Arbeitslosigkeit dürfte die Umsätze weiter drücken.

Allein die unternehmensnahen Dienstleister stellen sich momentan dem allgemeinen Abwärtstrend der bayerischen Wirtschaft noch entgegen. Sie bewerten die aktuelle Geschäftslage deutlich positiver als die übrigen Branchen. Zudem sind die Umsätze im Inland seit Sommer 2008 weitgehend stabil geblieben. Doch da die Branche in hohem Maße von der Industrie abhängig ist, hat sie die düsteren Aussichten der Industrie bereits einkalkuliert und ihre Erwartungen an das Inlandsgeschäft nach unten revidiert.

„Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass die bayerische Wirtschaft vor einem konjunkturellen Abschwung steht“, befürchtet Driessen. Bislang seien die Auswirkungen der Finanzkrise auf die bayerische Realwirtschaft noch überschaubar. Aber die Finanzkrise sei noch nicht ausgestanden. Damit würden die außenwirtschaftlichen Risiken weiter zunehmen. Auch müssten die Unternehmen davon ausgehen, dass die Kreditkosten spürbar ansteigen.

 

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