München, 25.10.2008 10:47 Uhr (redaktion)
Eine Studie der Siemens Financial Services (SFS) belegt, dass inzwischen ein beträchtlicher Anteil der europäischen Unternehmen die Folgen der Finanzmarktkrise zu spüren bekommt und dass der Druck in den kommenden zwölf Monaten weiter ansteigen dürfte.
SFS hat im Rahmen der Analyse rund 2.700 Unternehmen ab 50 Beschäftigten in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Großbritannien befragt. Der Studie zufolge sind in Deutschland die Kosten der Kreditbeschaffung für knapp 30 Prozent der Unternehmen seit dem Beginn der Finanzmarktkrise im vergangenen Jahr gestiegen und ein noch größerer Teil der Unternehmen wurde von ihren Hausbanken davon unterrichtet, dass auch 2009 Kostensteigerungen zu erwarten sind. Darüber hinaus wurden die Kreditlinien für rund 15 Prozent der Unternehmen gedeckelt oder reduziert.
Den Ergebnissen der Studie zufolge werden insbesondere in Deutschland bislang vor allem die Großunternehmen mit 2.500 und mehr Mitarbeitern in Mitleidenschaft gezogen. 37 Prozent der deutschen Großunternehmen mussten eine Steigerung ihrer Kreditkosten hinnehmen, der Durchschnittswert für Deutschland beträgt knapp 30 Prozent. Bei 20 Prozent der deutschen Großunternehmen wurden die Kreditlinien beschränkt (Durchschnittswert für Deutschland: 15 Prozent). Die Studie zeigt aber auch, dass sich die Krise nun verstärkt auf kleine und mittlere Unternehmen auszuweiten beginnt.
Neben dem primär betroffenen Finanzsektor werden sich die steigenden Kreditkosten und die Senkung der Kreditlinien auch auf andere Branchen auswirken – von Freizeit und Transport bis hin zur chemischen und pharmazeutischen Industrie. Insbesondere IT und Telekommunikation sind vom Anstieg der Kreditkosten betroffen. Dies wird den bereits auf dem Sektor lastenden Druck verstärken, da Investitionen in Technologie häufig verschoben werden, wenn die Umsätze und Margen der Unternehmen sinken. In der chemischen und pharmazeutischen Industrie sowie im verarbeitenden Gewerbe und im High-Tech-Sektor erwartet ein überdurchschnittlicher Teil der Unternehmen eine stärkere Nutzung alternativer Finanzierungstechniken für Anlagen und Ausrüstung (24 Prozent bzw. 18 Prozent verglichen mit einem Durchschnittswert von 15 Prozent für Deutschland). Dies dürfte wesentlich auf den besonders hohen Bedarf an Investitionsgütern im Vergleich zu anderen Sektoren zurückzuführen sein.
(Quelle: SFS)
(Foto: pixelio)
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