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Bankberatung: Kundenbeschwerden decken strukturelle Missstände auf

Düsseldorf, 30.10.2008 09:36 Uhr (redaktion)

Bei ihrer Aktion der Fallsammlung zur Falschberatung bei Privatanlegern, hat die Verbraucherzentrale NRW Feedback von ca. 300 Anlegern ausgewertet und erhebt schwere Vorwürfe gegen einzelne Banken.

"Die Opfer der Lehman-Pleite, die sich bei uns gemeldet haben, sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs struktureller Fehlentwicklungen im Privatkundengeschäft der deutschen Banken und Sparkassen", erklärt NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller: "’Misstraue deiner Bank’ ist leider erste Kundenpflicht."

Hintergrund:
Die Verbraucherzentrale NRW setzt eine Fallsammlung an. Betroffene sollen ihr Erfahrungen mit Anlageprodukten und Banken schildern. Die so gesammelten Versäumnisse sollen dann in neue Schutzmechanismen einfließen.
Die Forderung: Die Beweislast bei der Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen muss umgekehrt werden und präventive Maßnahmen müssen Anleger vor der Falschberatung schützen.

Schwere Vorwürfe
Die Branche im Nadelstreifenanzug hat viel Geld und Vertrauen verzockt: Falsche Risikobewertungen durch Banken und Rating-Agenturen, interne Verkaufsvorgaben und Anreizsysteme, die Bankmitarbeiter zum Verkauf von vielfach völlig unsinnigen Produkten drängen sowie eine Geschäftspolitik, die in Kunden allein Freiwild für die Jagd nach hohen Provisionen sieht – dies sieht die Verbraucherzentrale NRW als Ursachen für die Krise an den Finanzmärkten wie am Bankschalter.

"Angesichts harter Verkaufsvorgaben machen zahlreiche Berater nach den vorliegenden Fällen vor allem die Produkte schmackhaft, mit denen die Bank viel Geld verdienen kann – wie etwa Aktienfonds, Zertifikate oder auch teure Produktpakete zur Immobilienfinanzierung", berichtet NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller aus dem Bankenalltag: "Ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Bedarf der Kunden wurde viel zu oft mit aggressiven Verkaufsmethoden das an Mann und Frau gebracht, was der Bank oder Sparkasse die höchsten Erträge sichert.

Mehr Transparenz
Um Fehlentwicklungen künftig zu unterbinden und das Verhältnis zwischen Kreditinstituten und Privatkunden wieder auf eine faire Basis zu stellen, sieht die Verbraucherzentrale NRW konkreten rechtlichen und politischen Handlungsbedarf. Damit Bankkunden wieder Vertrauen fassen könnten, müsse etwa die Beweislast bei einer Falschberatung umgekehrt und die Verjährungsfrist für Kundenansprüche deutlich verlängert werden. "Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, dass Berater und Vermittler künftig die Richtigkeit ihrer Finanzberatung zu beweisen haben, anstatt wie bisher dem Kunden den schwarzen Peter in Form der Beweislast zuzuschieben, wenn er Schadenersatzansprüche wegen Falschberatung durchsetzen will", fordert Klaus Müller verbraucherfreundliche Rahmenbedingungen. Außerdem wollen die Düsseldorfer Verbraucherschützer die derzeitige Verjährungsfrist von drei Jahren für die Durchsetzung von solchen Schadenersatzansprüchen auf zehn Jahre verlängert wissen.

(Quelle Verbraucherzentrale NRW)
(Foto: pixelio)

 

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