Köln, 19.11.2008 17:04 Uhr (redaktion)
Die Lehrer in Deutschland verdienen gut - aber die Besoldung ist leistungsfeindlich und ungerecht. Würden die Gehälter nicht mehr hauptsächlich an das Dienstalter gekoppelt, sondern an das persönliche Engagement, käme das auch den Schülern zugute: Ihre Leistungen verbessern sich dort, wo Lehrkräfte für den Lernerfolg ihrer Schützlinge monetär belohnt werden.
Eigentlich haben Lehrer in Deutschland keinen Grund zur Klage – im internationalen Vergleich zählen sie zu den Spitzenverdienern. Hierzulande erzielt eine Lehrkraft nach 15 Dienstjahren ein Durchschnittseinkommen von annähernd 46.000 Euro per annum, nur in der Schweiz ist das Honorar vergleichsweise noch üppiger. Doch die Höhe der Vergütung wirkt sich nicht zwangsläufig auf die Qualität der Lehre aus: In den Niederlanden oder in Finnland schneiden die Jugendlichen bei Schulleistungsuntersuchungen deutlich besser ab, obwohl die Pädagogen dort schlechter bezahlt werden als in der Bundesrepublik.
Internationale Studien belegen, dass die Schülerleistungen vielmehr von der Struktur der Lehrervergütungen beeinflusst werden. Sinnvoll sind demnach Modelle, bei denen das überdurchschnittliche Engagement oder zusätzliche Unterrichtsbelastungen der Erzieher in die Einkommensberechnung mit einfließen. Dies ist in Deutschland allerdings nicht der Fall. Nach dem derzeitigen Besoldungs- und Tarifrecht ist das Dienstalter das maßgebliche Kriterium für die Gehaltsentwicklung.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) schlägt daher vor, Lehrer verstärkt nach Leistung zu bezahlen. Neben einem einheitlichen Grundgehalt für alle Lehrer, das bei verbeamteten Kräften die Besoldungsgruppe A12 vorsieht, setzt dieses Modell auf Leistungszulagen und Prämien:
Zulagen auf Landesebene: Diese Sondervergütungen legen die Kultusministerien fest. Sie honorieren damit in erster Linie formale Kriterien. Dazu zählen Führungsfunktionen – z.B. Fachgruppenleitung –, die Arbeit an Problemschulen oder höhere Arbeitsbelastungen, die sich aus Korrekturfächern wie Deutsch oder Englisch ergeben, sowie der Unterricht in Abschlussklassen.
Zulagen auf Schulebene: Diese Leistungszulagen gewährt die Schulleitung aus einem ihr zugeteilten Budget nach eigenem Ermessen. So könnten die Klassenleitung, das Unterrichten einer schwierigen Schülerschaft, die Gründung einer Theatergruppe oder ein Ferienangebot extra vergütet werden.
Leistungsprämien. Hierbei handelt es sich um individuelle Zielvereinbarungen, die zwischen der Schulleitung und den einzelnen Lehrern geschlossen werden. Bonuszahlungen könnten zum Beispiel erfahrene Lehrer dafür bekommen, dass sie eine Mentorenfunktion für Berufseinsteiger übernehmen.
Teurer als das bestehende System würde die neue Besoldungsstruktur nicht:
Die Abschaffung des Prinzips, die Lehrerbesoldung nach dem Dienstalter zu staffeln, setzt automatisch die finanziellen Mittel frei, die für das Zulagen- und Prämienmodell erforderlich sind.
Würden beispielsweise bis zum Jahr 2016 die bestehenden Lehrergehälter eingefroren und alle ausscheidenden Lehrkräfte durch Berufseinsteiger ersetzt, die nur noch das Grundgehalt zuzüglich Zulagen und Leistungsprämien beziehen, stünden für die variablen Entgeltkomponenten mehr als 2,7 Milliarden Euro bereit (Tabelle). Langfristig würde dieser Topf auf 7,7 Milliarden Euro anwachsen. Somit könnten je beamteten Lehrer jährlich 12.600 Euro ausgeschüttet werden, je angestellter Kraft sogar 13.800 Euro.
(Quelle: IW Köln)
(Foto: hofschlaeger;PIXELIO)
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