Berlin, 20.11.2008 10:40 Uhr (redaktion)
Für das Jahresende 2008 wird mit einer Rücklage von 15,7 Milliarden Euro in der gesetzlichen Rentenversicherung gerechnet. Dies entspricht knapp einer Monatsausgabe (97 Prozent) für die Gesamtrentenzahlungen. Ende 2007 betrug sie noch 11,5 Milliarden Euro.
Der Zuwachs kommt überwiegend durch die positive wirtschaftliche Entwicklung zustande, mit der entsprechend höhere Beitragseinnahmen verbunden sind.
Dennoch bleibt der Beitragssatz zur Rentenversicherung bis zum Jahr 2011 stabil bei 19,9 Prozent. Erst im Jahr 2012 kann er nach den jetzigen Berechnungen wieder sinken - auf 19,2 Prozent. Dann nämlich wird der gesetzlich festgelegte obere Zielwert der so geannten Nachhaltigkeitsrücklage von 1,5 Monatsausgaben (entspricht rund 27 Milliarden Euro) erreicht.
Forderungen, den Rentenbeitragssatz schon vor 2012 um 0,3 Punkte zu senken, erteilte Bundesarbeitsminisiter Olaf Scholz eine Absage. Es wäre aus seiner Sicht "der falscheste Zeitpunkt", jetzt an die Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung zu gehen.
Renten in Ost und West
Männer aus den neuen Bundesländern hatten 2007 durchschnittlich 45 Beitragsjahre zur Rentenversicherung. Das sind knapp fünf Jahre mehr als die Beitragszeiten westdeutscher Männer. Die durchschnittlichen rentenrechtlichen Zeiten bei den Frauen lagen im Osten sogar um über elf Jahre höher als in den alten Ländern. Frauen im Westen kamen auf durchschnittlich 26,3 Jahre Beitragsjahre gegenüber 37,7 Jahren für Frauen aus den neuen Bundesländern.
Die längeren und im Wesentlichen geschlossenen Erwerbsbiografien in den neuen Ländern führen zu höheren Gesamtrentenzahlbeträgen. Bei den Männern beträgt der durchschnittliche Gesamtrentenbetrag 960 Euro im Westen und 1009 Euro im Osten; bei den Frauen ist der Unterschied mit 655 zu 852 Euro deutlich größer.
Im Unterschied dazu liegt das Netto-Haushaltseinkommen der Rentner im Osten im Durchschnitt unter dem verfügbaren Einkommen der westdeutschen Rentner. So verfügten 2007 in den alten Ländern Ehepaare über 65 Jahren über ein monatliches Nettoeinkommen von 2.350 Euro (im Osten 1.937 Euro), alleinstehende Männer von 1.568 Euro (1.188 Euro) und alleinstehende Frauen von 1.201 Euro (1.152 Euro) je Monat. Das Haushaltseinkommen der Rentner in den alten Bundesländern ist deshalb höher, weil sie häufiger über Einkommen aus Betriebsrenten, Versicherungen, Spareinlagen oder Immobilien verfügen.
Guter Lebensstandard auch im Alter
Der Bundesarbeitsminister geht davon aus, dass es für die Rentner im nächsten Jahr "eine bessere Rentenerhöhung" als 2008 geben wird. Grund dafür sei die gute Lohnentwicklung in diesem Jahr.
Der Schätzerkreis der Rentenversicherung hatte ermittelt, dass die Altersbezüge zum 1. Juli 2009 um 2,75 Prozent steigen könnten. In diesem Jahr war die Rente um 1,1 Prozent gestiegen.
Von den 238,3 Milliarden Euro Gesamteinnahmen der Gesetzlichen Rentenversicherung in 2007 kamen 73,3 Prozent aus Beitragsmitteln, 26,1 Prozent waren Bundeszuschüsse. Die 237,1 Milliarden Euro Gesamtausgaben wurden zu 90,1 Prozent für die Auszahlung von Renten aufgewendet.
Zusätzlich fürs Alter vorsorgen
Bislang weisen 57 Prozent aller Ehepaare und 44 Prozent der Alleinstehenden zusätzliche Einkommen neben Leistungen aus einem Alterssicherungssystem auf.
Die Bundesregierung fördert deshalb private Vorsorge mit Steuerbefreiungen und staatlichen Zulagen.
Dabei ist die private Vorsorge über die Riester-Rente am beliebtesten. Mit Recht: Bis Ende September 2008 wurden 12 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen. Die zielgerichtete Förderung kommt hierbei zum größten Teil Personen mit unterdurchschnittlichem Einkommen zugute.
Zugleich wächst der Anteil der betrieblichen Altersversorgung. Ende 2007 hatten zirka 17,5 Millionen Beschäftigte ein Anrecht auf Betriebsrente. Insgesamt bauten Ende 2007 rund 64 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anwartschaften auf eine spätere betriebliche Zusatzversorgung auf.
(Quelle: Bundesregierung)
(Foto: balzer_matthia;PIXELIO)
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