Frankfurt/Main, 22.11.2008 09:54 Uhr (redaktion)
„Die jüngsten Wachstumsdaten belegen, dass sich die deutsche Wirtschaft im Herbst 2008 früher in einer Rezession befindet als erwartet“, stellte Prof. Dr. Manfred Weber, Geschäftsführender Vorstand des Bankenverbandes, anlässlich der Vorstellung des Konjunkturberichts November fest.
Unsichere Zukunftsaussichten ließen Unternehmen und Verbraucher weltweit bei Kauf- und Investitionsentscheidungen zögern. Die Weltwirtschaft, die sich ohnehin in einer Phase der zyklischen Abschwächung befunden habe, werde durch die Finanzkrise zusätzlich belastet.
Der Abschwung der Weltwirtschaft hat sich im Herbst beschleunigt. In den Industrieländern hat sich die Lage so deutlich verschlechtert, dass eine Rezession kaum noch zu vermeiden sein wird. Dies gilt für vor allem für die USA aber auch für einige europäische Länder, Deutschland mit eingeschlossen. Die Finanzkrise, deren Auswirkungen bislang weitgehend auf den Finanzsektor begrenzt waren, beeinflusst seit ihrer Verschärfung im September zunehmend das weltwirtschaftliche Konjunkturgeschehen. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird somit 2009 mit 3 % deutlich niedriger ausfallen als in den Jahren zuvor.
Auch über der Euro-Zone sind in den letzten Monaten dunklere Konjunkturwolken aufgezogen. Mit der Absenkung des Refinanzierungssatzes auf 3,25 % hat die Europäische Zentralbank ein deutliches Signal zur Konjunkturstützung gegeben. Stabilisierend wirken zudem der Rückgang der Rohölpreise und die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Der Euro-Raum insgesamt dürfte dennoch im Winterhalbjahr eine Schwächephase durchlaufen und sich erst im Jahresverlauf 2009 allmählich wieder erholen. Im Jahresdurchschnitt 2009 dürfte das Bruttoinlandsprodukt jedoch lediglich stagnieren.
Deutschland ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, durch nachhaltige Senkung der Steuer- und Abgabenlast bei gleichzeitiger Konsolidierung der öffentlichen Haushalte die Binnennachfrage ausreichend zu stärken. Daher fehlt nun ein Gegengewicht zum schwächer werdenden Export. Der Rückgang der Auslandsnachfrage trifft die deutsche Wirtschaft stärker als andere. Auch bei günstiger Entwicklung dürfte im Jahresdurchschnitt 2008 nur noch ein Wachstum von 1,6 % erreichbar sein. Nur wenn es gelingt, Konsum und Investitionen zu steigern, kann 2009 eine „schwarze Null“ erreicht werden. Das Maßnahmenpaket „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ ist nicht entschieden genug auf direkte Effekte für Wachstum und Beschäftigung ausgelegt und insgesamt zu klein – damit birgt es nicht den jetzt erforderlichen Impuls. Ein rasches Vorziehen zusätzlicher öffentlicher Investitionen und deutliche Abgabenentlastungen sind jetzt notwendig.
Die kräftige Erholung am Arbeitsmarkt ist ein klarer Beleg dafür, dass sich die beschäftigungsorientierte Politik der letzten Jahre auszahlt. Diese Erfolge dürfen nun durch eine Lohnpolitik, die der konjunkturellen Entwicklung nicht Rechnung trägt, nicht gefährdet werden, zumal die zu erwartende Unterauslastung der Produktionskapazitäten schon für sich alleine zu einem scharfen Anstieg der Lohnstückkosten führen wird.
Die Inflation ist in Deutschland und im Euro-Raum auf dem Rückzug. Die ungünstigen Perspektiven für das Wachstum der Weltwirtschaft werden weiterhin Druck auf die Rohstoffpreise und auch die Frachtkosten im internationalen Handel ausüben. Das wird die Verbraucherpreise in Deutschland und im Euro-Raum weiter stabilisieren.
Die Zinsschritte der EZB waren sowohl vom Zeitpunkt her als auch der Höhe nach angemessen. Sie korrespondieren mit der allgemein expansiven Geldpolitik auf globaler Ebene, die dazu beitragen soll, die Verspannungen an den Geldmärkten zu lösen, realwirtschaftliche Konsequenzen der Finanzmarktkrise abzumildern und den Abwärtstrend rasch zu stoppen. Angesichts der konjunkturellen, aber auch der Aussichten hinsichtlich der Preisentwicklung wird allgemein mit einem weiteren Zinsschritt im Dezember gerechnet. Ob die hierfür notwendigen Spielräume bestehen, bleibt einer Analyse der dann tatsächlich gegebenen monetären Situation vorbehalten.
(Quelle: Bankenverband)
(Foto: kellermeister;PIXELIO)
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