Leipzig, 25.11.2008 15:41 Uhr (redaktion)
Bittere Erfahrungen machen Anleger derzeit mit der Anleihe DZ Bank COBOLD 62. Sie können weder mit einer Ertragszahlung - und was viel schlimmer ist - noch mit der Rückzahlung ihres Anlagebetrages rechnen.
"Die Finanzmarktkrise hat systematische Fehlentwicklungen im Privatkundengeschäft ans Licht gebracht", schätzt Andrea Hoffmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen ein. Dazu gehört die bewusst intransparente Gestaltung von riskanten Produkten, beispielsweise bei Zertifikaten und Anleihen. Wer nun annimmt, dass die darauf bezogene öffentliche Kritik an den Kreditinstituten bereits zu einem ersten Umdenken geführt hat, der irrt gewaltig. So wirbt die DZ Bank, eine Zentralbank der Volk- und Raiffeisenbanken, weiterhin für ihre "COBOLD"-Anleihen. "In diesen stecken hohe Verlustrisiken, die für den Anleger nur schwer zu erkennen sind", sagt die Finanzexpertin.
Die Anleihebedingungen sind nämlich so gestaltet, dass bei der Insolvenz eines der benannten Referenzunternehmen, wozu neben Lehman Brothers weiterhin Morgan Stanley und Merrill Lynch gehören, entweder eine Anleihe der ausgefallenen Gesellschaft oder ein so genannter Andienungsersatzbetrag angeboten wird. "Beides", so schätzt Hoffmann ein, "wird die Betroffenen nicht zufrieden stellen, entweder erhalten sie eine wertlose Anleihe von Lehman Brothers oder einen Ersatzbetrag, der vermutlich deutlich unter dem Anlagebetrag liegt."
Welches konkrete Angebot den Anlegern in den nächsten Wochen gemacht wird, ist noch nicht bekannt. Betroffenen wird deshalb geraten, zu überprüfen, ob sie bei Vertragsabschluss anleger- und anlagegerecht beraten worden sind. Wem das Produkt in der Beratung nachweisbar als sichere Zinsanlage verkauft wurde, hat nach Ansicht der Verbraucherzentrale Sachsen gute Aussichten auf Schadenersatz.
"Welche Lehren die Bank aus diesen Erfahrungen gezogen hat, bleibt offen. Im Interesse der Kunden scheinen sie jedoch nicht zu liegen", kritisiert Hoffmann. "Schaut man auf die Internetseite der DZ Bank sind noch jede Menge andere COBOLDE zu finden, die in ihrer Struktur einander sehr ähneln." Bei den aktuellen Angeboten fällt auf, dass die Referenzunternehmen häufig in der Automobilbranche zu finden sind. Eine Branche, über deren finanzielle Schwierigkeiten derzeit täglich berichtet wird. Sollte eines der Referenzunternehmen, wozu weiterhin solche aus der Telekommunikations- oder Pharmabranche gehören, insolvent werden, könnte sich die Situation wiederholen.
(Quelle: Verbraucherzentrale Sachsen)
» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen