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Asset Management Branche gerät in den Sog der Finanzkrise

München, 26.11.2008 18:27 Uhr (redaktion)

Nach einem starken Jahr 2007 ist auch die Anlagebranche in den Abwärtssog der Finanzkrise geraten. Laut BCG-Studie zu weltweiter Anlagebranche flüchten Anleger in risikoarme Finanzprodukte.

Nach einem ergebnisstarken Jahr 2007 hat die Finanzkrise in den zurückliegenden Monaten die Asset-Management-Branche erfasst - und auch für das Jahr 2009 ist keine Wende zum Besseren in Sicht. Anleger haben ihre Gelder in risikoarme, margenschwächere Fonds­produkte umgeschichtet oder sind - insbesondere in Deutschland - in Bar­einlagen geflüchtet.

Erreichten die weltweit verwalteten Vermögenswerte 2007 noch einen Rekordwert von 59 Billionen US-Dollar, so rechnet The Boston Consulting Group (BCG) im laufenden Jahr mit einem Rückgang auf nur noch 53 Billionen US-Dollar. Dennoch bleiben die langfristigen Aussichten im Asset Management positiv, so die aktuelle BCG-Studie.

Deutschland fünftgrößter Markt für Asset Manager
2007 war für die Branche noch ein starkes Jahr – dank eines erfolgreichen ersten Halbjahrs: So stieg der Wert aller Kapitalanlagen (Assets under Management, AuM), die weltweit von Vermögensverwaltern in Banken, Ver­sicherungen, Immobilienfirmen oder Fondsgesellschaften verwaltet werden, um 13,9 Prozent auf 58,9 Billionen US-Dollar. Währungsbereinigt entspricht dies einer Steigerung von 10,3 Prozent. In Deutschland verwalteten Fonds­gesellschaften im Jahr 2007 Anlagen in Höhe von ca. 2,2 Billionen US-Dollar – und damit ca. 12 Prozent mehr als 2006. Damit liegt Deutschland im welt­weiten Ranking unverändert auf dem fünften Platz. Mit rund 47 Prozent der globalen AuM (27,5 Billionen US-Dollar) behaupten die USA auch 2007 ihre führende Position.

2007 Rekordjahr in Asien – Indiz für künftige Wachstumschancen
Die Region Asien-Pazifik zählte 2007 mit einem Zuwachs von 27,3 Prozent zu den attraktivsten Wachstumsmärkten für Vermögensverwalter – und wuchs deutlich stärker als Europa mit 5,2 Prozent oder der amerikanische Kontinent mit 11,1 Prozent. Mit Anlagen im Wert von rund 900 Milliarden US-Dollar erklomm China 2007 zum ersten Mal einen Platz unter den zehn größten Märkten weltweit. „Auch wenn die Vermögenswerte in Asien nun dramatisch eingebrochen sind, sind die langfristigen Wachstumschancen für Asset Manager in dieser Region nach wie vor gut“, so Kramer.

Die Reaktion der Investoren auf die Finanzkrise fiel regional bisher sehr unter­schiedlich aus. In Europa entwickelte sich der Absatz von Wertpapier­fonds seit Ausbreitung der Krise im Jahr 2007 stark rückläufig – Auszahlungen dieser Papiere wurden insbesondere in Spareinlagen angelegt. In den USA und Japan hingegen verzeichneten Geldmarktfonds eine hohe Nachfrage. „Die Anleger zeigen sich auch in der Krise unterschiedlich risikofreudig. Außerdem haben die Banken in Europa ihre Kundengelder vermehrt in Einlagen gelenkt“, erklärt Kramer die Ursachen.

Mehr Transparenz im Vertrieb, stärkeres Risikomanagement
Doch die Krise bietet auch Chancen: „Zunächst geht es um eine Stabilisierung des Geschäfts, doch mittelfristig sollte die Vorbereitung für den nächsten Auf­schwung in den Vordergrund rücken. Führende Asset Manager haben eine gute Chance, ihren Marktanteil und ihre Wettbewerbsposition auszubauen“, so Kramer. Die BCG-Studie nennt eine Reihe von Maßnahmen: Um das Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen, müssen Asset Manager im Vertrieb ihrer Produkte transparenter und glaubwürdiger beraten. Ferner müssen sie das Risikomanagement stärken, indem Risikoanalysten und Investmentteams organisatorisch getrennt operieren. Außerdem bieten sich Möglichkeiten für Sparmaßnahmen – wie die nach BCG-Analysen stark variierenden Kostensätze zwischen einzel­nen Vermögensverwaltern zeigen.

Wachstumschancen bieten sich durch Akquisitionen – niedrige Bewertungen für börsennotierte Anbieter und Desinvestitionsabsichten größerer Banken schaffen ein günstiges Umfeld. Zudem sollten Asset Manager ihre Expansions­pläne in Emerging Markets weiter verfolgen; zudem könnten sich im Anlagemanagement für ausländische Staatsfonds Neugeschäfte bieten. Die Vermögenswerte in sogenannten Sovereign Wealth Fonds sollen bis 2015 von 3 auf 12 Billionen US-Dollar ansteigen.

(Quelle: The Boston Consulting Group)
(Foto: PIXELIO)

 

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