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Warum immer mehr Arbeitnehmer zusätzlich Zuschüsse nach HartzIV bekommen

Köln, 04.12.2008 17:53 Uhr (FS)

Nach der von der Bundesagentur veröffentlichten Datenreihe stieg die Zahl der sogenannten Aufstocker, deren Arbeit mindestens 800 Euro brutto im Monat einbringt, von Januar bis Juli um 15.000 auf knapp 385.000 Menschen.

BA-Sprecherin Ilona Mirtschin kann die Zahlen nicht so genau interpretieren - sprich: Keine Ahnung wie der sprunghafte Anstieg von Arbeitnehmern, die einem geregelten Job nachgehen und trotzdem Sozialleistungen beziehen, zustande gekommen ist.

Adamy sagte der "SZ", obwohl die Zahl arbeitsloser Hartz-IV-Empfänger um etwa ein Fünftel gesunken sei, habe sich die Zahl der Aufstocker auch langfristig auffallend vergrößert. Da die Wirtschaft zuletzt floriert habe, hätte es seiner Auffassung nach eigentlich weniger Aufstocker geben müssen, sagte Adamy. Das Gegenteil sei aber der Fall - die nicht existenzsichernde Arbeit habe zugenommen.

Diese Entwicklung hat viele Ursachen die ineinander greifen und nun an das Tageslicht kommen. Der Dominostein-Effekt.

Punkt 1
In konjunkturschwachen Zeiten verzichten Arbeitgeber auf langfristige Arbeitsverträge. Die Zeitarbeitsbranche hat vor Jahren einen Boom hingelegt. Die Zeit der Väter, die bis zur Pension und bis zur "goldenen Uhr" im gleichen Betrieb gerarbeitet haben ist definitiv vorbei.

Punkt 2
Arbeit findet immer mehr projektbezogen statt. Wenn eine Überkapazität an Aufträgen in der Wirtschaft vorliegt holen sich die Betriebe zeitlich-begrenzt Mitarbeiter ins Haus. Nach Beendigung der Aufträge lösen sich diese Teams auf.

Punkt 3
Große Unternehmen gründen externe Personalgesellschaften. Das Wort Outsourcing findet hier wieder eine große Bedeutung. Sinn und Zweck dieser Gesellschaften ist es, Personal unabhängig von Tarifvereinbarungen einzustellen - zu erheblich weniger Lohn und Gehalt.

Punkt 4
Unternehmen haben jahrelang sukzessiv Kapazitäten abgebaut. Alleine die großen Konzerne haben tausende Stellen abgebaut oder "ausgelagert". Durch Kostendruck und Renditedruck entscheiden sich Unternehmenslenker für schlanke Betriebe.

Punkt 5
Globalisierung. Große Märkte, hoher Absatz aber auch große Konkurrenz. Wer heute mit Billiglohnländer konkurriert spart auch an Arbeitskosten.

Punkt 6
Schlechte Berater. Eine ganze Branche der Unternehmensberatungen lebt von der "Prozessoptimierung".
Anfang der 90er war beispielsweise das "Business Process Reengineering" der Knaller. Nachteil: zu geringe Berücksichtigung der erworbenen Erfahrungswerte, die in den bestehenden Geschäftsprozessen abgebildet ist und die geringschätzige Betrachtung des mittleren Managements.
So wurden zig Mitarbeiter aus dem mittleren Management entlassen. Ähnliche Prozesse haben sich immer wieder ergeben.

Zudem wird die Schere zwischen den Gut-Verdienenden und der Einkommensschwachen-Arbeiterschicht immer größer.

(Foto: PIXELIO)

 

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