Finanzen Markt & Meinungen Startseite

 

Marktkommentar von Martin Hüfner zur Geldanlage im Devisenmarkt

Wien, 23.01.2009 10:21 Uhr (redaktion)

Dr. Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater des Discount Brokers direktanlage.at, warnt vor Anlagen im britischen Pfund.

Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater des österreichischen Discount-Brokers direktanlage.at, warnt vor Anlagen im britischen Pfund. Es spreche derzeit wenig für eine Erholung der Währung auf den Devisenmärkten. Der Experte hält einen Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Währungsunion zwar volkswirtschaftlich für sinnvoll, politisch jedoch für unwahrscheinlich.

"Am 30. Dezember letzten Jahres war der Pfundkurs mit 0,97 bis nahe an die Parität zum Euro gefallen. Das war sicher das überraschendste und herausragendste Ereignis auf den Devisenmärkten des Jahres 2008", sagt Hüfner. In der britischen Presse, die bekanntlich gerne zur Übertreibungen neigt, war schon vom "Zero-Pound" die Rede. In den ersten Tagen des neuen Jahres hat sich der Kurs nun etwas gefangen und ist wieder unter 0,90 gefallen. Aber: Ist das die Trendwende? Können wir uns in Zukunft wieder auf ein stärkeres Pfund einstellen?

Laut Hüfner sieht es dafür kurzfristig nicht gut aus: "Die Konjunktur in Großbritannien ist schwach. Im dritten Quartal verringerte sich das reale Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent, mehr als doppelt so stark wie in der Eurozone. Die Inflation ist mit 4,1 Prozent nach wie vor sehr hoch." Die Bank von England hat kürzlich die Zinsen noch einmal um einen halben Prozentpunkt auf 1,5 Prozent gesenkt. "Auch das ist nicht geeignet, die Währung zu stützen", sagt Hüfner. Die Abwertung in den letzten Monaten sei so schnell verlaufen, dass eine Pause fällig war.

Der aktuelle Wechselkurs liegt inzwischen deutlich unter der Kaufkraftparität (0,77). "Bei einem solchen Kurs müssten Touristen eigentlich nach London zum Einkaufen fahren, nicht mehr nach New York", meint der Experte von direktanlage.at.

Mit der Pfundschwäche sei auch das Thema eines Beitritts zum Euro wieder aktuell geworden. "Objektiv gesehen wäre das gerade jetzt vernünftig. Großbritannien könnte einen Wechselkurs festschreiben, der seiner Industrie einen Wettbewerbsvorteil bietet. Es bekäme Rückenwind bei den notwendigen Strukturreformen zur Senkung der öffentlichen Defizite und zur Reduzierung der Inflation. Zusammen mit dem Kontinent könnte ein europäischer Kapitalmarkt erstmals wirklich mit dem amerikanischen mithalten", erklärt Hüfner.

Als Mitglied von Euroland wäre England auch als Platz zur Anlage von Währungsreserven attraktiver. Derzeit werden rund 28 Prozent der Weltwährungsreserven in Euro angelegt, knapp 5 Prozent in Pfund. Last but not least hätte England in Brüssel – und natürlich auch bei der EZB in Frankfurt – mehr zu sagen. Die Argumente, die auf der Insel dagegen vorgebracht werden, sind seit Jahren dieselben: Die Angst vor dem Verlust der geldpolitischen Souveränität.

Welche Folgen ergeben sich daraus für den Anleger? "Seien Sie vorsichtig mit Spekulationen auf eine Pfundaufwertung", rät der direktanlage.at-Berater. "Auch wenn britische Staatspapiere derzeit ein wenig mehr Zinsen bringen, sind sie für kontinentaleuropäische Anleger keineswegs attraktiver. Zinsvorteile können durch Wechselkursbewegungen schnell aufgefressen werden."

Über Dr. Martin Hüfner
Martin Hüfner war viele Jahre Chefvolkswirt bei der HVB und Senior Economist bei der Deutschen Bank. Heute berät er Finanzdienstleister und schreibt für verschiedene Publikationen. Hüfner ist seit 2006 volkswirtschaftlicher Berater des führenden österreichischen Discount-Brokers direktanlage.at.

Disclaimer
Diese Information und Ansichten begründen weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten oder zur Tätigkeit sonstiger Transaktionen.

(Foto: Copyright M.Schlüter;PIXELIO)

 

» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen