Düsseldorf, 21.08.2015 18:06 Uhr (Frank Schulz)
Die Bedeutung des Onlinehandels nimmt zu, er verzeichnet ein überproportionales Wachstum. Bereits rund 40 Prozent aller Waren im Bekleidungssektor werden in Deutschland heute schon online gekauft, Tendenz steigend, insbesondere auch in Nischensegmenten.
Der textile Einzelhandel kämpft zum einen mit einem hohen Preisdruck, vor allem getrieben durch Bekleidungs-Discounter, und zum anderen mit wetterbedingten Volatilitäten und vor allem der Notwendigkeit einer umfassenden Multi-Channel-Strategie, die mit hohen Investitionen verbunden ist.
Gut vergleichbar, wenig beratungsintensiv - das haben Pullis, Bücher, Wasserkocher gemeinsam
"Pullis, Bücher, Handys oder Wasserkocher haben eines gemeinsam: Es sind Produkte, die sehr gut vergleichbar sind und wenig beratungsintensiv“, sagte Margrit Leidenroth, Fachbereichsleiterin Kreditprüfung mit Schwerpunkt Textil bei Euler Hermes. „Deshalb ist bei Elektronikartikeln, Büchern und Textilien der Online-Anteil am Umsatz heute schon sehr hoch, während Möbel, Heimwerkerbedarf und Lebensmittel noch überwiegend im stationären Handel gekauft werden. Interessant ist auch, dass mit 42 Prozent mehr Männer als Frauen mit 39 Prozent lieber online einkaufen. Das Einkaufserlebnis im stationären Handel scheint für Frauen demnach noch etwas wichtiger zu sein.
Aber auch stationäre Händler brauchen definitiv eine gute Internetpräsenz - ohne diese können sie nicht am Wachstum dieses Bereichs partizipieren.
Viele Konsumenten informieren sich vor dem Ladenbesuch schon einmal online - auf einen übersichtlichen und umfänglichen Internet-Auftritt kann heute kein Handelsunternehmen mehr verzichten.“
Für 2015 erwartet Euler Hermes stagnierende Umsätze für die Textilbranche insgesamt sowie einen weiterhin hohen Wettbewerbsdruck. Durch die geringen Margen ist die Ertragsprognose und Liquiditätsdecke ebenfalls relativ gering und das Ausfallrisiko oft hoch.
Allerdings sind die Trends in der Branche uneinheitlich: Während sich Hersteller technischer Textilien stark spezialisiert haben und in einem relativ hochpreisigen Nischensegment agieren, sind Hersteller von Bekleidung in Deutschland durch die hohen Lohnkosten kaum noch konkurrenzfähig. Sie sind seit Jahren gezwungen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern, in asiatische Länder wie China oder Bangladesch oder zuletzt zunehmend auch nach Osteuropa. Das schnelllebige Konsumentenverhalten, sogenanntes „fast fashion“, zwingt Hersteller dazu, immer mehr Kollektionen pro Jahr auf den Markt zu bringen. Dies erfordert schnellere Lieferzeiten, die aus osteuropäischen Fabriken besser realisierbar sind als aus Asien.
TIPP: Warenkreditversicherung Textil.
(Quelle: Euler Hermes Deutschland)
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