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Kauf von Immobilien | Gefahr einer Immobilienblase?

Frankfurt/Düsseldorf, 01.04.2016 15:42 Uhr (Gastautor)

Ist es nun eine Blase oder nicht, was sich da am Immobilienmarkt abspielt? Fest steht, dass die Abschaffung des Zinses zu einer Flucht in Sachwerte wie Immobilien geführt hat.

So dürften nach Schätzungen der amtlichen Gutachterausschüsse im vergangenen Jahr Wohnungen, Häuser und Grundstücke im Wert von 200 bis 210 Mrd. Euro den Besitzer gewechselt haben. Die 200-Mrd. Euro-Marke ist damit erstmals geknackt worden. Peter Ache, Geschäftsstellenleiter des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse, rechnet angesichts weiter gesunkener Zinsen damit, dass die Summe 2016 weiter steigen wird.

Seit 2010 gehen die Werte, zu denen Immobilen den Besitzer wechseln, linear nach oben. 2015 war der Anstieg sogar noch ein bisschen stärker. Nicht für jeden rechne sich da jetzt noch der Kauf, sagte Ache. Im Hochpreissegment würde er jetzt nichts kaufen, sondern abwarten.

Statista Immobilienmarkt Eigentumswohnungen Preise 2010 bis 2015

Die Gefahr einer Immobilienblase sehen die Gutachterausschüsse, wo seit 2007 bundesweit Zahlen erhoben werden, aber noch nicht. Einen weiteren Anstieg der Preise beurteilen sie jedoch skeptisch. Entscheidend wird aber auch sein, inwieweit Immobilien kreditfinanziert wurden. Der Hauskauf auf Pump hat zuletzt so stark zugenommen wie seit 13 Jahren nicht mehr. Folglich nimmt der Immobilienboom in deutschen Großstädten nach Ansicht der Bundesbank allmählich bedenkliche Züge an, wie Vorstand Andreas Dombret gegenüber Spiegel Online erklärte. Deshalb habe er, Dombret, heute mehr Bedenken als in den vergangenen Jahren. Vor diesem Hintergrund müssten die Finanzinstitute „angesichts des jetzigen Marktes sehr vorsichtig sein und ihre Immobilienkreditentscheidungen besonders gut abwägen". Die künftige Entwicklung wird sich auch an der Antwort auf die Frage messen lassen, ob die Immobilien ihren Wert behalten, wenn die Zinsen wieder ansteigen.

Nachdem die Interessenten in den Trendstädten inzwischen kaum mehr geeignete Objekte finden, ziehen nun die Preise auch in Städten wie Hildesheim und Holzminden an. Dies hat der Arbeitskreis der Gutachterausschüsse registriert, der seine Erkenntnisse aus den Kaufverträgen gewinnt. Weiter gestiegen sind im vergangenen Jahr auch die Preise für Ackerland, das an manchen Orten kaum günstiger als Gewerbeland ist. Da könne man, nach Meinung von Peter Ache, die Kühe besser auf einer Gewerbefläche inklusive voller Erschließung melken. Denn klar ist, dass diese Entwicklung viele Bauern unter Druck setzt, weil auch die Pachten entsprechend steigen.

Postbank Immobilienstudie - Es wird eng im Markt

In Mainz, Münster, Hannover, Rostock, Bremen, Braunschweig, Essen, Frankfurt am Main und Erfurt sind die Preise für Eigentumswohnungen im Verhältnis zum örtlichen Mietniveau besonders niedrig. Das ist ein Ergebnis der Postbank Studie "Wohnatlas 2016 - Leben in der Stadt", die die Wohnungsmärkte in den 36 bundes- und landesweit größten Städten unter die Lupe nimmt.

Postbank Immobilienstudie Miete vs. Kaufen

"Eine Kaufentscheidung sollte aber nicht nur vom Verhältnis zwischen Miet- und Kaufpreisen abhängig gemacht werden. Eine Immobilie kann auch aus anderen Gründen ein sinnvolles Investment sein - zum Beispiel zur Alterssicherung", sagt Dieter Pfeiffenberger, Bereichsvorstand Immobilienfinanzierung bei der Postbank. "Ebenso gilt es, die Lage und die eigenen Lebensumstände zu berücksichtigen sowie die zu erwartende Preisentwicklung. Sprechen viele dieser Faktoren für einen Kauf, ist die Investition in Wohneigentum auch in Großstädten sinnvoll, in denen die Immobilienpreise im Vergleich zu den Mietpreisen eher hoch sind."

(Quellen: Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG / Postbank AG)
(Grafiken: statista / obs/Postbank)

 

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