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Goldman Sachs Emerging Markets Aktienmarkt-Serie China und Südkorea

Düsseldorf, 04.04.2016 11:49 Uhr (Gastautor)

Prashant Khemka, Manager des GS Growth & Emerging Markets Broad Equity Portfolios bei Goldman Sachs Asset Management stellt in seiner Aktienserie vor: Unsicherheit in China bleibt und überträgt sich auf Südkorea.

Die Entwicklung der meisten Schwellenländer hängt aktuell von den folgenden drei Faktoren ab: Erstens der langsame und wenig beständige Transformationsprozess Chinas, zweitens die Frage, wer tatsächlich von den niedrigen Öl- und Rohstoffpreisen profitiert, und drittens die Verbraucherausgaben in den Schwellenländern – jetzt und in den nächsten zehn Jahren. Trotz etlicher makroökonomischer Schwierigkeiten bieten Aktien aus Schwellenländern weiter großartige Gelegenheiten zur Alpha-Generierung und Portfoliodiversifikation. Dabei liegt unser Fokus auf Unternehmen, die wir als langfristige Marktanteilsgewinner sehen, sowie auf kleineren Titeln, die sehr stark von positiven Trends profitieren. In der vorliegenden Serie über Emerging Markets Aktien werden wir verschiedene Schwellenländer vorstellen und auf die jeweils besonderen regionalen Treiber eingehen. Den Auftakt bilden China und Südkorea, bevor wir uns nächste Woche eingehender mit Indien, Indonesien, Brasilien, Mexiko, der Türkei und Südafrika befassen werden.

China – weitere Volatilität bei Aktien im Anmarsch

Dass Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) langsamer wächst, hat die Regierung des Landes inzwischen bestätigt und ihre offizielle Wachstumsprognose für 2016 auf 6,4 Prozent gesenkt. Wir verfolgen viele chinesische Wirtschaftsindikatoren, die allesamt nahelegen zu scheinen, dass das Wachstum vor allem im Industriesektor so gut wie auf der Stelle tritt. Die steigende Arbeitslosigkeit ist eine direkte Folge des schwächeren Industriewachstums und es gibt Anzeichen dafür, dass dies den Konsum belastet. Dabei soll Letzterer eigentlich zunehmend als Wachstumsmotor fungieren. Für den Dienstleistungssektor bleiben wir optimistisch, obwohl hier die Indikatoren zuletzt ebenfalls eine kurzfristige Wachstumsverlangsamung signalisiert haben.

Der Übergang von einer investitionsgetriebenen zu einer konsumorientierten Wirtschaft ist bisher jedoch noch nie reibungslos vonstattengegangen. Auch China dürfte diesbezüglich keine Ausnahme bilden. Die chinesische Regierung wird sich verstärkt auf die Generierung von Wachstum konzentrieren, zumal die traditionellen Wirtschaftsstimuli scheinbar nur begrenzt wirken. Dabei hat China in etwas mehr als einem Jahr neben verschiedenen anderen Lockerungsmaßnahmen bereits fünfmal die Zinsen gesenkt. Die Regierung könnte bei ihren Bemühungen, Wachstum zu generieren, wieder mehr den Industriesektor ins Visier nehmen. Dies ginge allerdings wohl zulasten weiterer Reformen. Außerdem wäre noch der hohe Preis eines wachsenden Schuldenbergs zu zahlen. Erfahrungsgemäß verheißt eine schnelle Anhäufung von Schulden für die betroffenen Länder nichts Gutes. Für gewöhnlich dämpft dies für eine längere Zeit das BIP-Wachstum oder es entsteht gar eine Finanzkrise – ein Schicksal, das wir für China aber nach wie vor nicht erwarten.

Hang Seng Börsen Aktienkurs 04042016
Quelle OnVista: Hang Seng Börse am 04.04.2016

Aus Aktiensicht dürfte mit einer anhaltenden Volatilität zu rechnen sein. Diese Kursschwankungen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Bestreben der Regierung, bei der Wirtschafts- und Markttransformation des Landes nichts dem Zufall zu überlassen. Die Aussicht auf unkalkulierbare staatliche Interventionen und die systematischen Kapitalfehlallokationen in der Vergangenheit bestärken uns darin, es bei einem sehr begrenzten Engagement in chinesischen Staatsbetrieben zu belassen. In den Verbrauchersektoren finden wir trotz des kurzfristigen Gegenwinds für den Konsum weiterhin einige interessante Opportunitäten. Hierzu zählen etwa lokale Einzelhändler, die Marktanteile gegen internationale Marken gewinnen sowie vom Internethandel und Tourismus profitieren.

Südkorea – Unternehmensreformen und Konsolidierung

Südkorea steht in konjunktureller Hinsicht deutlich besser da als viele andere Schwellenmärkte. Das Land kann als Nettoimporteur von Öl und Rohstoffen von der derzeitigen Schwäche dieser Märkte profitieren und weist ein stabiles politisches Umfeld auf – auch trotz seines unmittelbaren Nachbars Nordkorea. Zu den größten Herausforderungen für die südkoreanische Wirtschaft zählt die starke Abhängigkeit von Chinas schwächelnder Industrie. Letztlich wird dies Südkorea dazu zwingen, sein Wirtschaftsmodell dem chinesischen Transformationsprozess anzupassen. Ein anderes Problem im Jahr 2016 stellt die relative Währungsstärke innerhalb Asiens – und hier vor allem gegenüber dem Yen – dar, was die Exporte weiter belasten wird.

Trotz gewisser Schwierigkeiten auf makroökonomischer Ebene erscheinen südkoreanische Aktien interessant, da die Unternehmen in Hinblick auf ihre Gewinne sowie Corporate Governance Verbesserungspotenzial besitzen und obendrein die Bewertungen vergleichsweise attraktiv sind. Wir entdecken derzeit viele Unternehmen, die wir als robust genug einschätzen, um dem schwierigeren Makroumfeld in den Schwellenländern standzuhalten. So halten wir beispielsweise Aktien eines Unternehmens, das unserer Meinung nach von der Industriekonsolidierung profitieren kann – auch wenn als Treiber hinter dieser Konsolidierung das langsamere Wachstum in China steht. Ferner stellen wir fest, dass trotz der Währungsbelastung und des Drucks, unter dem die chinesischen Verbraucher stehen, die Nachfrage nach einigen Produkten wie etwa Kosmetik, weiter ungebrochen wächst.

Einen weiterer Artikel "Indien und Indonesien" aus der Serie finden Sie hier.

Hintergrund:

Goldman Sachs Asset Management ist der Asset-Management-Bereich der Goldman Sachs Group, Inc. (NYSE-Symbol: GS). Per 31. Dezember 2015 belief sich das von diesem Geschäftsbereich verwaltete Vermögen auf 1,083 Billionen US-Dollar. Goldman Sachs Asset Management bietet seit 1989 diskretionäre Anlageberatungsleistungen an und beschäftigt Investment-Spezialisten an allen großen Finanzplätzen der Welt.

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