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Baader Markets Robert Halver: Aktuelle Marktlage und Anlegerstimmung

Frankfurt am Main, 25.04.2016 11:00 Uhr (Robert Halver)

Die Risikofaktoren für deutsche Aktien aus dem I. Quartal haben deutlich an Brisanz verloren. Höhere Rohstoffpreise stärken die Kaufkraft der Schwellenländer zugunsten der deutschen Exportindustrie. Aktuelle Analyse vom Chef-Strategen Robert Halver.

Für eine Beruhigung der deutschen Anlegerpsychologie sorgt vor allem die Entspannung der Krisenängste um die chinesische Volkswirtschaft, die ebenso mit dem geldpolitischen Zuschlaghammer in die richtige Form gebracht wird. Im besonderen Fokus steht dabei die Stabilisierung des Shanghai Composite Aktienindex, der von ausländischen Investoren in Ermangelung aussagekräftiger, weil staatlich geschönter chinesischer Konjunkturdaten als Näherungslösung eines Konjunkturbarometers herangezogen wird.

Selbst den erstarkten Euro können deutsche Aktien gut parieren, der abseits des mentalen Kopfkinos der Anleger in der Realität ohnehin ein weniger starker Belastungsfaktor ist. Kaum eine Volkswirtschaft ist währungselastischer als die deutsche. Insgesamt werden sich damit auch die zuletzt verhaltenen Gewinnperspektiven der deutschen Industrie aufhellen.

Selbst die neuerlichen Verhandlungen von Griechenland und der Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission über die Auszahlung der nächsten Tranche des Hilfspakets lassen die Aktienmärkte ziemlich kalt. Um einem - grundsätzlich unausweichlichen - Schuldenschnitt zunächst zu entgehen, wird man sich auf eine für alle Seiten gesichtswahrende Lösung einigen, die die Probleme nach altbekannter europäischer Methode zurechtbiegt: Da Athen bei seinen Spar- und Reformmaßnahmen massiv in Verzug ist, werden zusätzliche Reformschritte durch die griechische Politik sozusagen „auf Vorrat“ produziert, die dann in Kraft treten, wenn - wie zu erwarten - die ursprünglich geplanten Anstrengungen bis 2018 nicht umgesetzt wurden. Und genau dieser Vorratsbeschluss soll die Gegenleistung für neue Finanzmittel der Troika sein.

Was nicht passt, muss eben passend gemacht werden. Denn in der augenblicklich angeschlagenen Situation in Europa könnte eine Wiederauflage der Grexit-Diskussion wie im Vorjahr zu einem Steilpass für einen Brexit geraten, der politisch unkalkulierbar weiter in Europa streuen könnte. Nicht zuletzt ist Griechenland als Frontstaat bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise viel zu bedeutend. Oder anders ausgedrückt: Alexis Tsipras hat aktuell mehr Macht als Angela Merkel und Wolfgang Schäuble zusammen.

Saudi Arabien hat gedroht, bei weiterer amerikanischer Anschuldigung, das Land könnte an der Finanzierung der Terroranschläge vom 11. September 2001 beteiligt gewesen sein, seine Anlagen in US-Staatspapieren in Höhe von 750 Mrd. Dollar zu veräußern. Doch Ängste vor einem Schock am US-Anleihemarkt sind grundsätzlich nicht angebracht. Denn erstens müssten die Saudis den Gegenwert in vermutlich geringer verzinslichen Anleihen anlegen. Und zweitens würde die US-Notenbank umgehend ein dann viertes Anleiheaufkaufprogramm beschließen, dass die saudischen Verkäufe vollständig und schmerzfrei kompensiert.

Vor diesem insgesamt positiv geläuterten politischen und konjunkturellen Hintergrund wächst der Risikoappetit der Anleger am deutschen Aktienmarkt. Hierbei unterstützen gleichfalls die positiven ZEW-Konjunkturdaten. Im Vergleich zu den ifo Umfragen, bei denen Unternehmen ihre Konjunkturmeinung widergegen, sind die vom ZEW befragten Analysten zwar regelmäßig weniger optimistisch. Da ihre Konjunkturerwartungen aber deutlich angestiegen sind, gewinnt die Einschätzung einer konjunkturellen Erholung deutlich an Breite. Nicht zuletzt gewinnen deutsche konjunktur- und exportsensitive Aktien gegenüber Defensivtiteln bereits im Trend wieder an relativer Stärke.

Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50 - Die Stärke kehrt zurück

Aus charttechnischer Sicht wartet im DAX auf dem Weg nach oben der nächste Widerstand bei 10.485 Punkten. Die kurzfristig überkaufte Lage deutet jedoch auf eine mögliche Konsolidierung hin, die bei 10.321 auf eine erste Unterstützung trifft. Wird die Marke unterschritten, bieten die nächsten Haltelinien bei 10.294, 10.123 und 9.895 Punkten Unterstützung. Darunter treten die nächsten Haltelinien bei 9.753 Punkten und an der unteren Begrenzung des Aufwärtstrendkanals bei derzeit 9.725 in das Blickfeld der Anleger.

Im Euro Stoxx 50 ist weiteres Aufwärtspotenzial gegeben, wenn die Widerstände bei 3.137 und 3.200 Punkten überwunden werden. Ungemach droht dagegen, wenn der Index die Unterstützungszone zwischen 3.090 und 3.063 unterschreitet. Wird die darunter liegende Haltelinien bei 2.990 signifikant unterschritten, muss mit weiteren Abgaben bis zur Auffangzone zwischen 2.950 und 2.930 gerechnet werden. Darunter verlaufen Unterstützungen bei 2.800 und 2.756 Punkten.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten. Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich. Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber: Baader Bank AG Weihenstephaner Str. 4 85716 Unterschleißheim Deutschland www.baaderbank.de

Redaktion: Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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