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Anleihenexperte Klaus Stopp: EZB-Politik lockt Emittenten an

FrankfurtMain/München, 29.04.2016 10:55 Uhr (Klaus Stopp)

Mancher Emittent sieht sich in Kombination mit seiner eigenen Bonitätsbeurteilung und der Ankündigung des EZB-Präsidenten, zukünftig auch Corporate Bonds guter Unternehmen anzukaufen, mit einem „Luxus-Problem“ konfrontiert und wagt den Schritt an den Primärmarkt, um sich die günstigen Refinanzierungskosten zu sichern.

So nutzte das niederländische Unternehmen Unilever die Gunst der Stunde und nahm 1,5 Mrd. € mittels dreier Anleihen mit einer Mindeststücklung von 100.000,-- € auf. Die erste Tranche (A180VF) ist am 29.04.2020 endfällig und wurde als Null-Prozenter bei 99,67% begeben. Auf diesem Weg konnten 300 Mio. € eingesammelt werden. Für eine um 4 Jahre längere Laufzeit wurde ein jährlicher Kupon von 0,5% vereinbart, was wiederum 500 Mio. € in die Unternehmenskasse spülte. Gepreist wurde die Anleihe (A180VG) bei 98,419%, was einem Emissionsspread von +71,9 bps über der vergleichbaren deutschen Staatsanleihe entspricht. Wer sein Geld noch länger investieren möchte, der hat die Möglichkeit jährlich 1,125% Zinsen bis zur Endfälligkeit am 29.04.2028 zu erhalten. Diese Anleihe (A180VH) ist 700 Mio. € schwer und wurde bei 99,034% begeben (+93,8 bps über Bund).

Etwas mehr Zinsen muss McDonald‘s zahlen, das ebenfalls 3 Emissionen an den Markt brachte und dadurch 2,5 Mrd. € einsammeln konnte. Eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A180VT) ist mit einem Kupon von 0,5% ausgestattet und am 15.01.2021 fällig. Der Emissionspreis von 99,736% bedeutete einen Spread von +50 bps über Mid Swap. Die zweite Tranche (A180VU) mit Rückzahlung am 15.11.2023 ist mit einem Kupon von 1% ausgestattet. Das Emissionsvolumen der mit 99,282% begebenen Anleihe (+70 bps über Mid Swap) beläuft sich auf 1 Mrd. €. Wem die bisherigen Laufzeiten allerdings zu kurz waren, der kann McDonald’s bis zum 03.05.2028 sein Geld zur Verfügung stellen und kassiert dafür jährlich 1,75%. Die Anleihe (A180VV) im Volumen von 750 Mio. € wurde bei 99,262% bzw. +95 bps über Mid Swap gepreist. Kumuliert lagen insgesamt Orders für über 14 Mrd. € vor!

Aber auch Emittenten wie Bertelsmann (A2AASY / 2026) und Carrefour (A180M6 / 2024) buhlen mit Neuemissionen um die Gunst der Investoren. Das deutsche Medienunternehmen zahlt einen jährlichen Zins von 1,125% und die französische Supermarktkette muss nur 0,75% veranschlagen.

Belgien wagt eine 100-jährige Anleihe

In dieser Handelswoche wurden in der Eurozone Anleihen im Gegenwert von über 50 Mrd. € endfällig. Neuaufnahmen gab es aber lediglich in Höhe von 9 Mrd. €. Die beiden Emittenten, die sich hierzu am Kapitalmarkt tummelten, waren Italien, das diverse Altemissionen aufstockte und Deutschland. Die Platzierung der deutschen 30-jährigen Staatsanleihe (110234) erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,03% und das angestrebte Volumen von 1 Mrd. € stellte sich im aktuellen Marktumfeld nicht als Problem dar. Das Gesamtvolumen beläuft sich nun auf 16 Mrd. €.

Das Highlight der Woche war allerdings die Ankündigung Belgiens, das sich als zweiter Staat - nach Irland - an die Begebung einer 100-jährigen Anleihe wagt. Das Volumen ist mit 100 Mio. € sicherlich übersichtlich, aber die Laufzeit erstreckt sich - auch ohne Verlängerung der Lebensarbeitszeit - auf mindestens 3 Generationen. Dies ermöglicht den Investoren, die Duration ihrer Portfolios mit einer Transaktion deutlich zu verlängern. Ob sinnvoll oder weniger sinnvoll, das müssen die Nachfolger entscheiden. Die Rendite für diese Investitionsdauer beläuft sich auf ca. 2,3% p.a.

In den USA denkt man zwar immer gerne in XXL-Kategorien, aber auch in diesen Tagen wurden konservativ Geldmarktpapiere für insgesamt 107 Mrd. USD sowie 5-jährige T-Notes für 34 Mrd. USD, 7-jährige für 28 Mrd. USD und ein 2-jähriger Floater für 15 Mrd. USD aufgelegt. Nicht jeder Trend ist nachahmenswert!

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten. Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich. Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber: Baader Bank AG Weihenstephaner Str. 4 85716 Unterschleißheim Deutschland www.baaderbank.de

Redaktion: Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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