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Baader Anleihenmarkt: Schwere Zeiten für Privatanleger bei Unternehmensanleihen

FrankfurtMain/München, 02.06.2016 11:53 Uhr (Klaus Stopp)

Am 10. März hatte die Europäische Zentralbank beschlossen, ab Juni 2016 Euro-Unternehmensanleihen in ihr Anleiheankaufprogramm einzubinden. Dies gilt auch für solche, die nur bei einer der vier international bedeutenden Ratingagenturen ein Investment-Grade-Rating erhalten haben.

Darunter fallen auch Hochzinsanleihen. Die EZB erweitert damit ihren Spielraum für Marktinterventionen erheblich und begeht einen weiteren Tabubruch.

Die Notenbank leiht dadurch den Firmen nicht nur Geld, was ordnungspolitisch problematisch erscheint, sondern wird auch auf einem Feld tätig, wohin Anleger bisher vor den niedrigen Zinsen flüchteten, um unter Umständen noch eine einigermaßen ordentliche Rendite zu erzielen.

Je nachdem, wie stark sich die EZB in diesem Segment engagieren wird, droht nach dem Markt für Staatsanleihen und Covered Bonds auch der für Corporate Bonds - zum Nachteil der privaten Investoren - auszutrocknen. Natürlich sind die Renditen für Corporate Bonds längst gesunken, dennoch galten sie bisher bei Privatanlegern als Alternative. Die effektive Verzinsung dieser Gattungen wird aber durch die höhere Nachfrage der Zentralbank weiter sinken.

Baader Bank Handelsraum

In Erwartung der EZB-Aktivitäten hat diese Entwicklung schon eingesetzt, so dass die Kurse tendenziell anziehen und die Renditen schrumpfen. So rentiert im Moment etwa eine Anleihe von Thyssen-Krupp (A1R08U), die bis 8/2018 läuft, mit rund 1,19%. Der Kurs steht bei ca. 106,15% nach 102,90% noch im Januar. Auch ein Corporate von Bilfinger SE (A1R0TU) hat die Tendenz nach oben und notiert bei 102,65% nach seinem Jahrestief von 93,90% im Juli 2015. Die Rendite des bis 12/2019 laufenden Titels ist im Zuge des jüngsten Kursanstiegs auf ca. 1,59% gesunken. Noch deutlicher wird die Entwicklung bei einer Strabag-Anleihe (A1ZVMF), die 2/2022 fällig wird, und mit 103,40% auf Allzeithoch notiert und eine Rendite von ca. 1% aufweist.

Anleihen - Die Qual der Wahl

Manche Investoren haben die Mai-Feiertage für eine Auszeit genutzt. Die Märkte hatten allerdings keinen Urlaub, ganz im Gegenteil. Diverse Neuemissionen von Corporate Bonds und Financials waren zu beobachten. So kam es, dass der ein oder andere Investor wegen des Überangebots Schwierigkeiten hatte, für sich das richtige Asset zu finden. Daher eine kleine Auswahl der von Privatanlegern rege gehandelten Neuemissionen.

Anleihen Neuemissonen Baader Bank

Sehr zur Freude der Anleger brachte der Baustoff- und Zementhersteller HeidelbergCement AG eine 8-jährige Anleihe (A2AAQY) im Volumen von 750 Mio. €. Der Investor erhält eine jährliche Verzinsung in Höhe von 2,25% bis zum Laufzeitende am 03.06.2024. Der Bond wurde zu 98,963% bzw. +205 bps über Mid Swap begeben und beinhaltet ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option). HeidelbergCement entschied sich im Sinne der Privatanleger für eine Mindeststückelung von 1.000 €.

Ebenso war die US-Technologiebörse Nasdaq aktiv, welche sich mittels einer 600 Mio. € schweren Anleihe (A181ZY), mit Laufzeitende am 19.05.2023, refinanzierte. Der Anleger erhält einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,75%. Gepreist wurde der Bond mit +162 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 99,408% entsprach. Auch die Nasdaq entschied sich für die Festschreibung einer Make-Whole-Option, allerdings bei einer Mindestanlagesumme von 100.000 €.

Gleich im Doppelpack sicherte sich Kraft Heinz Foods frisches Kapital für neue Vorhaben. So wurden insgesamt 1,8 Mrd. € aufgenommen. Die erste Tranche (A181S5) umfasst ein Volumen von 550 Mio. € und ist am 24.05.2024 endfällig. Es werden jährlich Zinsen in Höhe von 1,5% gezahlt. Die Anleihe wurde mit 99,552% begeben (+125 bps über Mid Swap). Bei der zweiten Tranche (A181S6) handelt es sich um eine 12-jährige Anleihe im Volumen von 1,25 Mrd. € und einer jährlichen Verzinsung von 2,25% bis zur Fälligkeit am 25.05.2028. Der Bond wurde +158 bps über Mid Swap bzw. bei 99,688% gepreist. Auch Kraft Heinz Foods ließ sich eine optionale Make-Whole-Option sowie eine Mindeststückelung von 100.000 € in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Die großen Vier

In dieser Woche haben sich Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien am Primärmarkt präsent gezeigt und bestehende Altemissionen aufgestockt. Dadurch konnten fast 25 Mrd. € aufgenommen werden, obwohl keine Rückzahlungen anstanden. Ob diese vier großen Nationen auch bei der Fußball-Europameisterschaft die beherrschenden Teams stellen werden, bleibt abzuwarten. Die von Italien zum Wochenstart aufgestockten Bonds (5 und 10 Jahre) sind weiterhin aus steuertechnischen Gründen nicht an den deutschen Regionalbörsen gelistet. Doch heute werden Frankreich (A1HS3U / 2024 ; A18YPD / 2026 ; A1HH3K / 2045) und Spanien (A18YPG / 2021 ; A18W1C / 2026 ; A18YZ6 / 2046) den interessierten Investoren Material zur Verfügung stellen. Auch Deutschland erhöhte bereits am gestrigen Mittwoch das Emissionsvolumen der aktuellen 5-jährigen Bundesobligation Serie 173 (114173) um 4 Mrd. € auf insgesamt 21 Mrd. €. Die dabei zu erzielende Durchschnittsrendite belief sich auf -0,38% und wird Privatanleger nicht reizen können.

In den USA wurden in der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche „lediglich“ 97 Mrd. USD als Geldmarkttitel mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten refinanziert. In der kommenden Woche hingegen stehen zusätzlich auch Bonds mit Fälligkeiten in 3, 10 und 30 Jahren auf der Agenda.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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