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Chinesische HNA übernimmt wahrscheinlich Gategroup

Düsseldorf, 03.06.2016 11:08 Uhr (Finanzredaktion)

HNA will die angeschlagene Gategroup übernehmen. Aus diesem Grund hat der chinesische Mischkonzern dem Schweizer Airline-Caterer ein Übernahmeangebot in Höhe von 1,4 Milliarden Franken unterbreitet. Der Vorstand ist einverstanden, doch Investoren wehren sich gegen den Verkauf.

Obwohl die Gategroup einen guten Start ins Jahr hatte, indem sie ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern konnte, ist der Bordverpfleger angeschlagen. Die Umsatzzuwächse sind vor allem Übernahmen zu verdanken. So ist die Gategroup mit der Übernahme der Cambodia Air Catering Services (CACS) in den kambodschanischen Markt eingetreten. Noch nicht vollständig abgeschlossen ist die Integration der schwedischen Inflight Service Group (IFS).

Der Umsatzsprung dürfte das Übernahmeangebot der HNA besser ausfallen lassen. Die Chinesen wollen die Gategroup für 53 Schweizer Franken pro Aktie, insgesamt also 1,4 Milliarden Franken übernehmen. Dabei soll sich für die Mitarbeiter wenig ändern. Der Unternehmenssitz verbleibt in der Schweiz, das bisherige Management führt weiterhin die Geschäfte und auch an der Strategie soll vorerst nicht gerüttelt werden. Nichtsdestotrotz wird HNA bei Übernahme in Zukunft die Strategie vorgeben und auch über Stellenabbau entscheiden.

Vorstand der Gategroup gibt grünes Licht

Der Vorstand der Gategroup zeigt sich mit dem Angebot einverstanden und gab grünes Licht. Verwaltungsratspräsident Andreas Schmid sagte: "Wir bleiben ein internationales Unternehmen mit Wurzeln in der Schweiz." Er sieht die Übernahme als Chance auch im asiatischen Markt Fuß zu fassen und bezeichnet sie ganz grundsätzlich als einen wichtigen Tag in der Geschichte der Aktiengesellschaft.

Die HNA bezeichnet die Gategroup als perfekte Ergänzung ihres Portfolios. Der Mischkonzern hat einen klaren Fokus aufs Flugbusiness. Ein Airline-Caterer fehlt aber bisher im Portfolio. Nach geglückter Übernahme will HNA die Gategroup von der Börse nehmen.

Zwei Hedgefonds fordern höheren Preis

Noch nicht einverstanden mit dem Deal zeigen sich einige Aktionäre des Caterers. Die Hedgefonds Cologny und RBR Capital fordern einen höheren Preis von den Chinesen. RBR Capital hat beim deutschen Finanzberater Freitag & Co. eine Fairness Opinion in Auftrag gegeben. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass die Getegroup mit dem aktuellen Angebot von HNA deutlich unterbewertet wird. Ein Verkauf unter Wert wäre unverantwortlich, weil die Getegroup als globaler Marktführer alle nötigen Mittel besitzt, das Geschäft auch allein weiterzuführen, so die Großaktionäre.

Die beiden Hedgefonds, die zusammen 11,3 Prozent an der Getegroup halten, kritisieren die Führung scharf. Indem der Verwaltungsrat der opportunistischen Transaktion zu einem ungenügenden Preis zugestimmt hat, handle er nicht im Sinne der Aktionäre. Auf Grundlage der Fairness Opinion halten sie 100 Schweizer Franken pro Aktien und damit fast das doppelte, als gegenwärtig geboten, für angemessen. Das Argument, ein Verkauf an HNA sei nötig, um im asiatischen Markt tätig zu werden, wiesen die Hedgefonds als unsinnig zurück.

Der Verwaltungsrat von Gategroup wies seinerseits die Kritik der Investoren zurück. Er unterstreicht, dass es ihm gelungen sei, einen fairen Preis auszuhandeln. Nimmt man die Kursgewinne als Referenz, dann scheinen auch viele Aktionäre so zu denken. Die Aktie legte nach Bekanntwerden der konkreten Übernahmepläne deutlich zu.

Chinesische HNA will Schweizer Gategroup übernehmen
HNA will sein Portfolio um Bordverpflegung erweitern und greift deshalb nach Gategroup.

Angebotsfrist beginnt am Montag

Die Angebotsfrist beginnt am Montag, den 6. Juni 2016 und endet am 1. Juli 2016 um 16:00 Uhr. Damit die Übernahme zustande kommt, müssen innerhalb dieser Frist bzw. einer ggf. möglichen Verlängerung, mindestens zwei Drittel der Aktionäre zustimmen. Danach müssen außerdem die Wettbewerbshüter beider Länder über die Transaktion entscheiden.

Gategroup beschäftigt 28.000 Mitarbeiter weltweit. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit Sitz in Kloten einen Verlust in Höhe von 63,4 Millionen Schweizer Franken. Der Umsatz lag bei drei Milliarde Euro. Als Grund für das Minus gelten Restrukturierungskosten, Rückstellungen und Wechselkurseffekte.

2015 hat der Bordverpfleger sich die Gateway-2020-Strategie auferlegt. Demnach sollen bis 2020, 300 teure Führungspositionen abgebaut werden. Cologny und RBR Capital zeigen sich dennoch unzufrieden, bereits seit längerer Zeit. Immer wieder kritisieren sie die schlechten Zahlen, bemängeln eine kraftlose Unternehmensführung und die unzureichende Kontrolle der Geschäftsleitung.

Um eine Änderung der Unternehmenssituation herbeizuführen, haben die beiden Investoren zuletzt den Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Andreas Schmid gefordert. Schmid schlug vor auf der Generalversammlung 2017 aus dem Gremium auszutreten, was den Kritikern aber nicht weit genug geht.

HNA verhandelt über weiteren Airline-Caterer

Gategroup scheint HNA nicht genug zu sein. Wie am Montagabend bekanntgegeben wurde, führt die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM derzeit exklusive Verhandlungen mit dem Mischkonzern. Die Fluggesellschaft will einen Teil ihrer Catering-Sparte Servair verkaufen. Genau genommen 49,99 Prozent und die operative Kontrolle. Air France-KLM beziffert den Gesamtwert der Sparte auf 475 Millionen Euro.

Die erst 1993 auf der südchinesischen Insel Hainan gegründete HNA Group ist hungrig nach europäischen Firmen. 2015 hat das Unternehmen mit mehr als 25 Milliarden Dollar Jahresumsatz und 180.000 Mitarbeitern für mehr als 100 Milliarden Dollar im Ausland zugekauft. Der Kauf der Basler Syngenta durch ChemChina war dabei die größte Übernahme.

HNA-Gründer Chen Feng hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 zu den Top 100 Unternehmen der Welt zu gehören. Bisher hat er es schon in die Top 100 von China geschafft.

HNA konzentriert sich auf die Flugbranche und bietet neben Flügen selbst fast alles an, was die Branche sonst noch benötigt. Bald wahrscheinlich eben auch Catering. Zur Flotte von Grand China Airlines gehören derzeit 820 Flugzeuge. Damit gehört die Airline zu den größten in China, die nicht vom Staat kontrolliert werden.

Übernahmen schweizerischer Unternehmen durch chinesische Investoren

Aber nicht nur HNA giert nach ausländischen Firmen. Zuletzt haben mehrere chinesische Unternehmen auf sich Aufmerksam gemacht, weil sie bekannten und zum Teil traditionsreichen Unternehmen ein Übernahmeangebot gemacht haben. Darunter Größen wie Lexmark, Scholz Holding und der Wettanbieter Tipico.

(Bildquelle: sarah1810 - 428648626 / Shutterstock.com)

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