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Baader Markets: Anleihen in Fremdwährung sagen die Wahrheit

FrankfurtMain/München, 09.06.2016 18:22 Uhr (Klaus Stopp)

Seit Mario Draghi mit seiner legendären Ankündigung "What ever it takes" im Jahre 2014 den Eurostaaten verbal unter die Arme gegriffen hat, ist viel passiert. Die Renditen in der Eurozone sind inzwischen auf ein Rekordtief gesunken und spiegeln sicherlich nicht mehr die damit verbundenen Risiken wider.

So hat sich das Renditeniveau der 10-jährigen Anleihen innerhalb von 2 Jahren drastisch reduziert - in Frankreich von 2,217% auf 0,399%, in Italien von 3,432% auf 1,384%, in Spanien von 3,369% auf 1,422% und in Portugal von 4,577% auf 3,026%.

Wenn man sich diese Veränderungen anschaut, könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Märkten mit ihrer „Unbedenklichkeitserklärung“ die Richtung vorgegeben hat und alle Investoren, ohne ein schlechtes Gefühl zu haben, dies nicht mehr hinterfragen. Doch weit gefehlt, denn die Ankündigung hat in dieser Dimension nur die Renditen der Staatsanleihen, die auf Euro lauten, bewegt. Anleihen europäischer Wackelkandidaten, welche in anderen Währungen begeben wurden, werden unabhängig vom Renditeniveau nicht angekauft und geben somit ein realistisches Bild der Risikobewertung durch die Investoren ab.

So rentiert zum Beispiel eine portugiesische Staatsanleihe auf Euro und mit Fälligkeit 2024 (A1HKUP) aktuell mit ca. 2,80%. Die auf USD lautende Anleihe Portugals mit vergleichbarer Laufzeit (A1ZLWS) rentiert allerdings bei ca. 4,95%, was wiederum einen Aufschlag gegenüber US-Notes von +3,4 Prozentpunkten bedeutet. Eine belgische Anleihe (A1ZP0B) in USD mit vergleichbarer Endfälligkeit wirft aber nur 1,90% an Rendite ab. Das bedeutet gegenüber der amerikanischen Zinskurve lediglich einen Aufschlag von 0,3 Prozentpunkten.

Baader Bank Klaus Stopp

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man eine Staatsanleihe Polens in USD, die ebenfalls im Jahre 2024 endfällig wird (A1VEF0), mit der portugiesischen Staatsanleihe vergleicht. Ohne die erhöhte Nachfrage seitens der EZB kann hierbei Polen mit einer Rendite von 2,84% und einem Aufschlag gegenüber amerikanischen T-Notes von +1,25 Prozentpunkten auf deutlich bessere Werte seitens der Investoren verweisen als Portugal mit seinen 4,95% Rendite. Sprich, Polen wird als vertrauenswürdiger eingeschätzt als Portugal.

Fazit: Wenn auch die EZB mit ihrem Ankaufprogramm die Finanzmärkte der Eurozone massiv beeinflusst, so ist der Einfluss auf Anleihen der gleichen Emittenten in anderen Währungen begrenzt. Oder anders ausgedrückt, Anleihen von Ländern der Eurozone, die nicht in Euro begeben wurden, sagen die Wahrheit, weil keine direkte Beeinflussung erfolgt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
Baader Bank AG
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www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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