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Baader Anleihencheck: Unbekannte Emittenten nehmen Geld auf

FrankfurtamMain, 16.06.2016 12:04 Uhr (Klaus Stopp)

Das aktuell historisch tiefe Zinsumfeld und die Ankündigungen der EZB, nun auch in großem Stil Unternehmensanleihen anzukaufen, ermutigt auch den ein oder anderen bisher unbekannteren Emittenten, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen.

So unter anderem auch Southern Power. Der US-amerikanische Versorger debütierte in Euro und emittierte gleich einen Anleihen-Doppelpack mit 1,1 Mrd. €. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 6-jährige Anleihe (A1828W) im Gesamtvolumen von 600 Mio. €. Die nominale Verzinsung beträgt 1% p.a. bis zum Laufzeitende am 20.06.2022. Der Ausgabepreis lag bei 99,342% (+105 bps über Mid Swap).

Das zweite Papier (A1828X) ist 500 Mio. € schwer und bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,85% bis zur Fälligkeit am 20.06.2026. Ausgegeben wurde die Anleihe zu 99,855% und somit bei +140 bps über Mid Swap. Bei beiden Anleihen entschied sich das Unternehmen zur Festschreibung der Mindeststückelung auf 100.000 € und eines vorzeitigen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Ebenso aktiv war das amerikanische Bekleidungsunternehmen PVH Corporation und legte eine 8-jährige 350 Mio. € schwere Anleihe (A183EC) mit Laufzeitende am 15.07.2024 auf. Der Investor erhält eine Verzinsung in Höhe von 3,625% jährlich. Die Anleihe wurde zu 100% emittiert (+386 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Auch bei dieser Anleihe wurde die Mindeststückelung von 100.000 € durch den Emittenten gewählt.

Aber nicht nur neue Emittenten nutzen die Gunst der Stunde. Die auch bei vielen Privatanlegern bekannte Otto GmbH & Co KG hat sich ebenfalls zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt entschieden. Hierbei wurde eine am 16.06.2023 fällige Anleihe (A2AAWQ) im Volumen von 250 Mio. € aufgelegt. Die jährliche Verzinsung beläuft sich auf 2,5% und bei einem Ausgabepreis von 99,21% ergab sich ein Emissionsspread von +245 bps über Mid Swap. In diesem Falle wurde neben der inzwischen weit verbreiteten Make-Whole-Option auch die bei Privatanlegern beliebte Mindeststückelung von 1.000 € gewählt.

Minuszins bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen

Es ist vollbracht. Sicherlich hat am Dienstag unser Finanzminister Wolfgang Schäuble in seiner schwäbischen Heimat ein „Viertele“ auf das Erreichen bzw. kurzzeitige Unterschreiten der Nulllinie bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen getrunken. In der Spitze notierte das Sorgenbarometer bei 165,61% und wurde im Zuge der Brexit-Diskussion seiner in der europäischen Finanzkrise verliehenen Bezeichnung gerecht.

Nach Erreichen der in Aussicht gestellten Ziellinie fragen sich allerdings jetzt alle Marktbeobachter: „Und nun?“ Die Beantwortung dieser Frage ist aber nicht eindeutig möglich, da zu viele unbekannte Größen die Lösung der Gleichung verhindern. Das ist in der Mathematik auch nicht anders. Doch ist mit einem kräftigen Anstieg der Zinsen auch in naher Zukunft nicht zu rechnen, da die Notenbanken weiterhin u.a. durch das Ankaufprogramm für eine künstliche Nachfrage sorgen und so die Renditen -aus Sicht der Investoren- im „Würgegriff“ haben. In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf das anstehende EU-Referendum verwiesen, dessen Ausgang zu Verwerfungen führen und massive Interventionen seitens der Notenbanken auf den Plan rufen wird.

Börse Frankfurt Euro Bund Future

In solchen Zeiten bietet die Chartanalyse eine Möglichkeit, neutral den Kursverlauf des Euro-Bund-Future zu bewerten. Hieraus ergibt sich eine erste Unterstützungslinie bei 165,10%. Sollte das Rentenbarometer allerdings unter die psychologisch wichtige Marke von 165% fallen, so ist eine Korrektur bis in den Bereich von 164,20% möglich. Nach oben wird vorerst der bisherige Höchstkurs bei 165,61% das Maß aller Dinge bleiben. Aktuell notiert der September-Kontrakt bei 165,38%.

Eurostaaten stocken 11 Altemissionen auf

In dieser Woche zeigten sich die Eurostaaten Deutschland, Finnland, Frankreich und Italien am Kapitalmarkt präsent und stockten diverse Altemissionen auf. Hierbei ist besonders das Auftreten Finnlands, welches das Volumen der 10-jährigen Anleihe (A18YM5) um 1 Mrd. € zu einer Rendite von 0,311% auf insgesamt 5 Mrd. € erweiterte, zu nennen. Deutschland konnte im gleichen Laufzeitsegment das bisherige Emissionsvolumen um 4 Mrd. € auf insgesamt 26 Mrd. € erhöhen. Hierbei erfolgte die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe (lediglich Gebote für 3,656 Mrd. €) zu einer Durchschnittsrendite von 0,005%.

In den USA wurden in dieser Handelswoche nur Geldmarkttitel den interessierten Investoren zum Kauf angeboten. Das Gesamtvolumen von 102 Mrd. USD ergibt sich durch T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen für 45 Mrd. USD, von 3 Monaten für 31 Mrd. USD und von 6 Monaten für 26 Mrd. USD. In der kommenden Woche dürfen sich Anleger sogar der gesamten Angebotspalette (4 Wochen bis 30 Jahre als TIPS) erfreuen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
Baader Bank AG
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Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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