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Robert Halver zum Brexit: Notenbanken werden neue Finanzkrisen nicht zulassen

FrankfurtMain/München, 05.07.2016 10:50 Uhr (Robert Halver)

Bis sich die grundsätzliche Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der Brexit-Frage lichtet, sollten Anleger allerdings einen großen Bogen um die ohnehin angeschlagenen Banken- und Finanztitel machen.

Das Schicksal des Londoner Finanzplatzes als Hauptsitz vieler Banken für ihr Europa-Geschäft ist unklar, so dass Analysten bereits die Gewinnerwartungen für große Investmenthäuser gesenkt haben. Die gestiegene Risikowahrnehmung gegenüber europäischen Banken kommt in einer seither sprunghaften Ausweitung des Risikoaufschlags fünfjähriger Euro-Bankanleihen mit A-Bonität zu deutschen Staatstiteln zum Ausdruck. Spiegelbildlich werden europäische Banken an den Aktienmärkten abgestraft, was in einer spürbaren Underperformance des Stoxx 600 Europe Banks Index gegenüber dem Leitindex Stoxx 600 Europe zum Ausdruck kommt.

Eine europäische Banken-Krise mit dann massiven Negativeffekten für die ohnehin angeschlagene Realwirtschaft wird die (Geld-)Politik allerdings nicht zulassen. So hat die Bank of England bereits 3,1 Mrd. Pfund Sonderliquidität in den britischen Bankensektor gepumpt. Unterdessen hat sich EZB-Chef Draghi für eine Koordination der internationalen Geldpolitik ausgesprochen.

Robert Halver Chart Staatsanleihen

Notenbanken verteilen Beruhigungspillen

Die zwischenzeitliche Flucht in Sicherheit hat inzwischen die Rendite deutscher Staatsanleihen sogar bis einschließlich der Laufzeit von 15 Jahren auf Negativniveau gedrückt. Und da die EZB weiterhin im Rahmen der „technischen“ Durchführung ihres monatlichen Aufkaufprogramms gezwungen ist, deutsche Staatstitel aufzukaufen, müssen sich Anleger auch zukünftig an dieses „New Interest Normal“ gewöhnen.

Aber die Beruhigungspille der Notenbanken wirkt auch an den anderen Staatsanleihemärkten der Eurozone. Der Ansteckungseffekt ist zumindest aktuell erfolgreich bekämpft.

Deutliche Entspannung zeigt sich auch an den Aktienmärkten. Nach den Kursverlusten vom „Black Brexit Friday“ kehrt bereits ein Stück weit Normalität zurück. Die Aktienanleger sehen, dass die Notenbanken die unmittelbaren Risiken im Griff haben und wägen die Risiken eines Brexit und seine Kollateralschäden gegen die Chancen eines zumindest indirekten Verbleibs gegeneinander ab. Das typische Schwarzsehen bleibt aus. Es überwiegen die Grautöne. In diesem Zusammenhang verblüfft die Robustheit des britischen Aktienmarkts.

Der Wochenausblick für die KW 27 - The days after Brexit-Referendum

In der Eurozone spiegelt sich das Austritts-Votum der Briten laut Finanzdatenanbieter Sentix in einem angeschlagenen Investorenvertrauen wider. Unterdessen zeichnen in Deutschland Auftragseingänge in der Industrie, Industrieproduktion und Exporte für Mai ein grundsätzliches stabiles Konjunkturbild.

In China beruhigt die Stabilisierung des Devisenbestandes die hard landing-Ängste.

In den USA zeichnen rückläufige Auftragseingänge kein stabiles Konjunkturbild der US-Industrie, während die Stimmung im Dienstleistungssektor gemäß ISM Index ihren Abwärtstrend zumindest stoppt. Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich laut Stellenaufbau weiterhin angeschlagen. Entsprechend genau dürften Anleger das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank bezüglich eines Endes der Leitzinswende lesen.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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