Finanzen Markt & Meinungen Startseite

 

Baader Markets: Finanzmärkte warten auf Ergebnisse des Banken Stresstests

FrankfurtMain/München, 28.07.2016 13:04 Uhr (Gastautor)

Am morgigen 29. Juli gibt die EU-Bankenbehörde EBA die Ergebnisse des jüngsten Stresstests für die europäische Finanzbranche bekannt. Die EU-Bankenbehörde EBA will ihre Zeugnisse an diesem Tag erst um 22 Uhr veröffentlichen, also dann, wenn auch die US-Börsen geschlossen sind.

Damit haben Investoren genügend Zeit, die Ergebnisse bis zur Öffnung der Märkte am kommenden Montag richtig einzuschätzen.

Angesichts der faulen Kredite, welche die italienischen Banken in den Büchern haben, sind die Finanzmärkte auf die Zensuren gespannt. Aber auch die beiden größten deutschen Banken, Deutsche Bank und Commerzbank, stehen im Fokus des Interesses. Nachdem klar geworden ist, dass die Commerzbank in diesem Jahr um ihren Milliardengewinn bangen muss, schrumpft die Kapitaldecke des Instituts. Und auch die Deutsche Bank steckt im Schlamassel, sieht sie sich doch in den USA mit einer neuen Klage wegen undurchsichtiger Hypothekengeschäfte konfrontiert. Dabei gehört das Geldhaus mit einer Kernkapitalquote von 10,7% schon jetzt nicht gerade zu den stärksten der Branche.

Doch es sind insbesondere die italienischen Geldhäuser, die durch den Stresstest unter Druck stehen. Sie tragen faule Kredite von 360 Mrd. € mit sich herum und werden wohl mit besonders schlechten Zensuren zu rechnen haben. Nicht umsonst hat EZB-Chef Mario Draghi bereits eine rasche Lösung der Probleme angemahnt – whatever that means. Es könnte nämlich sein, dass man die Stresstest-Ergebnisse heranzieht, um einen Grund zu haben, die italienischen Banken staatlich zu stützen. Nach einer derartigen Lösung sucht ja seit Wochen Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, der den Regeln der Europäischen Bankenunion die Schuld für das eigene Dilemma zuschiebt. Nach seiner Lesart war es alleine die Brexit-Entscheidung der Briten, welche die Probleme der italienischen Banken verursacht hat. Und daher müsse man auch den Weg durch die Hintertür der staatlichen Hilfen gehen, den die Bankenunion erlaubt, wenn das gesamte Bankensystem in der EU bedroht sei. Dass die italienischen Geldhäuser schon viel länger riskante Kredite mit sich herumtragen, wird dabei elegant verschwiegen.

Bankenstresstest - Rettung wie immer?

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny will hingegen die Lage der italienischen Banken indessen „nicht überdramatisieren", gesteht aber zu, dass es bei der drittgrößten italienischen Bank, Monte dei Paschi di Siena, „ein aktuelles Problem“ gebe. Daher sei es notwendig, „in sehr rascher Zeit eine konkrete Lösung zu finden". Bei den anderen Instituten schätzt er die faulen Kredite als „ein lösbares Problem“ ein - etwa mit dem bewährten Modell einer Bad Bank.

Statista Staatsverschuldung Italien bis 2016

Sollte es aber tatsächlich zu einem staatlichen Eingriff zur Rettung der italienischen Banken kommen, dürfte Rom alleine dazu schwerlich in der Lage sein. Immerhin ist das Land schon jetzt in Höhe von 137% des BIPs verschuldet. Das sind zwar noch keine griechischen Verhältnisse (175%), aber man wäre auf einem guten Weg dorthin.

Auch in Portugal kämpfen wichtige Banken zunehmend mit Problemen. So braucht etwa die größte Bank des Landes, die Novo Banco, mehrere Milliarden an zusätzlichem Geld. Die Großbank Barclays geht davon aus, dass portugiesische Geldhäuser insgesamt bis zu 7,5 Mrd. € an Kapitalhilfen benötigen.

Die Branche ist also in vielen europäischen Ländern im Krisenmodus, weshalb eine Rückkehr der Bankenkrise zu befürchten ist. So kommt auch auf kleinere Institute in Deutschland ein neuer Branchencheck zu. Diesmal ist es die Bundesbank, die überprüfen will, wie kleine und mittlere Banken im Land mit den rekordniedrigen Zinsen zurechtkommen. Ein wichtiger Aspekt, der beim Stresstest für die großen Banken ausgeklammert wurde.

Zu allem Überfluss hat sich dann zum Thema Banken auch noch Boris Johnson, der neue Außenminister von Großbritannien, zu Wort gemeldet und vollmundig erklärt, dass die britischen Banken auch nach dem Brexit ihren EU-Pass behalten dürften. Eine Sichtweise, die sich nicht jedem Beobachter erschließt und für die er nur Erstaunen geerntet hat.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

 

» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen