Finanzen Markt & Meinungen Startseite

 

Baader Anleihen News: Unternehmensanleihen mit negativer Emissionsrendite

FrankfurtMain/München, 08.09.2016 11:05 Uhr (Klaus Stopp)

Pünktlich zum Ende der Sommerferien und der Urlaubszeit kehren verschiedene Akteure an den Primärmarkt zurück. Das aktuell günstige Renditelevel sicherte sich neben Henkel auch Sanofi durch die Emission diverser Anleihen.

Erstmals wurden Bonds der beiden Emittenten mit negativer Rendite am Primärmarkt für Corporates platziert, was allerdings der Nachfrage seitens der Investoren keinen Abbruch tat.

Der Konsumgüterhersteller Henkel refinanzierte insgesamt 1,2 Mrd. € als Dualtranche. Bei der ersten Anleihe (XS1488370740) handelt es sich um einen 2-jährigen Zerobond im Volumen von 500 Mio. € mit Laufzeitende am 13.09.2018. Das Pricing erfolgte zu 100,10% (Rendite -0,05%) und damit bei +18,9 bps über Mid Swap.

Das zweite Papier (XS1488418960) wurde als 5-jährige Nullkuponanleihe im Umfang von 700 Mio. € und einer Fälligkeit am 13.09.2021 emittiert. Der Ausgabepreis von 100% entsprach einem Emissionsspread von +16,6 bps über Mid Swap. Henkel entschied sich bei beiden Anleihen ebenfalls für die „Privatanleger-freundliche“ Mindestanlagesumme von 1.000 €, aber gleichzeitig auch zur Festschreibung eines optionalen Kündigungsrechts zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Das in der Pharmazeutika Herstellung tätige Unternehmen Sanofi refinanzierte insgesamt 3 Mrd. € verteilt auf drei Anleihen. Der erste Tranche, ein etwas mehr als 3-jähriger Bond (FR0013201613) hat ein Volumen von 1 Mrd. € und wurde als Zerobond begeben. Das Laufzeitende ist am 13.01.2020. Der Ausgabepreis lag bei 100,167% (Rendite -0,05%) und somit bei +16,8 bps über Mid Swap. Die zweite Anleihe (FR0013201621) im Volumen von 850 Mio. € ist am 13.09.2022 endfällig und wurde ebenfalls als Nullkupon begeben. Das Pricing erfolgte bei +17 bps über Mid Swap und folglich betrug der Ausgabepreis 99,539%. Bei der dritten Anleihe (FR0013201639) im Bunde handelt es sich um ein etwas mehr als 10-jähriges, 1,15 Mrd. € schweres Papier, welches den Investoren eine nominale Verzinsung in Höhe von 0,5% p.a. bis zum Laufzeitende am 13.01.2027 bietet. Der Reoffer lag bei 99,449% und somit bei +27 bps über Mid Swap.

Sanofi entschied sich bei allen Anleihen für die Mindeststückelung von 100.000 € und ließ auch die sogenannte Make-Whole-Option in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Baader Bonds Neuemissonen Corporate Bonds
Baader Bonds Neuemissonen Corporate Bonds

Der Roll-Over ermöglicht uns optisch einen billigen Einstieg

Viermal im Kalenderjahr steht ein Roll-Over bei den Zins-Futures an und heute ist es wieder soweit. Also nicht wundern, wenn der September-Kontrakt nicht mehr updatet, denn ab heute spielt die Musik im Dezember-Kontrakt. Beim ersten Blick wird sich mancher Investor verwundert die Augen reiben, da jetzt wieder Kurse von ca. 165,50% angezeigt werden. Das bisherige Kontrakthoch lag am D-Day (Draghi-Day) bei 168,86%, allerdings im Juni-Kontrakt. Die Rendite der 10-jährigen Anleihe belief sich damals auf -0,19% und heute bei 165,55% auf -0,122%. Also sind die preislichen Unterschiede lediglich der Finanzmathematik geschuldet und bedeuten nicht den von vielen Investoren herbeigesehnten Kursrutsch.

Die Preisunterschiede infolge des Kontraktwechsels belaufen sich beim Euro-Buxl-Future auf ca. -1,72 Prozentpunkte (PP), beim Euro-Bund-Future auf ca. -2,75 PP und beim Euro-Bobl-Future auf ca. 2,05 PP. Lediglich der Euro-Schatz-Future hat sein Niveau beibehalten. Da die teilweise großen preislichen Anpassungen jedoch ein verfälschtes Bild aufzeigen können, sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass der bereits Mitte des vergangenen Jahres entstandene Rendite-Abwärtstrend bei der 10-jährigen Benchmark-Anleihe der Bundesrepublik Deutschland weiterhin intakt ist.

Zugleich ergeben sich folgende charttechnische Marken für den aktuellen Dezember-Kontrakt: Die erste Unterstützung verläuft bei ca. 164,44% (Tief am 5. und 6.9.) und erst beim Durchbrechen richtet sich der Blick auf den Bereich bei ca. 163,67% (Tief am 27.7. und 2.8.). Das bisherige Allzeit-Hoch bei 168,86% ist um die Roll-Over-Differenzen zu bereinigen und somit ergibt sich rechnerisch ein Wert von ca. 166,40%. Der Weg ist also vorgezeichnet und es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Niveau erneut in Angriff genommen wird.

Bundesanleihe technisch unterzeichnet

In der infolge eines US-Feiertages verkürzten Handelswoche wurden in den USA nur T-Bills im Volumen von 114 Mrd. USD mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten emittiert.

Auch in Euroland legte der Primärmarkt für Staatsanleihen eine kleine Verschnaufpause ein. Lediglich Österreich stockte am Dienstag dieser Woche zwei Altemissionen (A1HJL5 / 2023 ; A18X6P / 2026) auf. Am gleichen Tag erhöhte auch die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland das Emissionsvolumen der inflationsindexierten Anleihe (103056) um 500 Mio. € auf insgesamt 8 Mrd. €. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -1,00%. Die am gestrigen Mittwoch ebenfalls im Tenderverfahren angebotene 10-jährige Anleihe (110240) konnte allerdings nicht in dem ursprünglich geplanten Volumen bei Kaufinteressenten platziert werden. Von den angepeilten 5 Mrd. € mussten fast 1,5 Mrd. € in den Eigenbestand des Bundes umgebucht werden. Für ca. 3,5 Mrd. € der aufgegebenen Kaufaufträge von ca. 3,95 Mrd. € erfolgte die Zuteilung trotz der technischen Unterzeichnung bei einer Durchschnittsrendite von -0,11%.

Schwache Daten machen Greenback zu schaffen

Das Handelsgeschehen an den Finanzmärkten war in den vergangenen Wochen durch nahezu gespenstische Ruhe gekennzeichnet. Doch so ganz allmählich erwachen die Märkte aus ihrer Lethargie.

Baader Bonds ausgewählte Fremdwährungsanleihen
Baader Bonds ausgewählte Fremdwährungsanleihen

Am Devisenmarkt zeigte sich das Währungspaar EUR/USD dieser Tage recht schwankungsanfällig. Aufgrund des Feiertags am Montag in den Vereinigten Staaten startete die europäische Gemeinschaftswährung zunächst ziemlich verhalten in die neue Woche und pendelte um die Marke von 1,1150 USD. Im weiteren Handelsverlauf sorgten jedoch überraschend schlechte US-Zahlen aus dem Dienstleistungssektor für einen Schwächeanfall beim Greenback. Unter anderem konnte der Euro davon profitieren und stieg in der Folge bis auf 1,1271 USD. Mit der heute anstehenden EZB-Pressekonferenz könnte die Volatilität beim Devisenpaar Euro/Dollar weiterhin bestehen bleiben. Im Vorfeld der Ratssitzung handelt die Einheitswährung heute Morgen bei 1,1255 USD.

Vor der EZB tagte in dieser Woche bereits die Notenbank Australiens. Nach zwei Zinssenkungen in den vergangenen vier Monaten blieb der Leitzins diesmal unverändert bei 1,50%. Die australische Wirtschaft entwickelt sich nach den jüngsten Zahlen bestens. Das Bruttoinlandsprodukt hat im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,3% zugenommen. Damit bleibt Australien inzwischen seit 25 Jahren von einer Rezession verschont und das drückt sich auch im Währungskurs gegenüber dem Euro aus. Aktuell notiert die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,4625 AUD.

Die Handelsaktivitäten bei den Währungsanleihen bleiben aufgrund der noch vorherrschenden Urlaubszeit überschaubar. Trotzdem verzeichneten Bonds lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie brasilianische Real eine gewisse Umsatztätigkeit.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

 

» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen