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Baader Anleihemarkt: Rege Emissionstätigkeit - Euro Bund Future fällt

Düsseldorf, 07.10.2016 10:23 Uhr (Klaus Stopp)

Wie bereits in der vergangenen Woche angekündigt, setzte sich die Emissionstätigkeit der Unternehmen in dieser Berichtswoche munter fort. Neben den avisierten Neuemissionen von EnBW, Lanxess und Veolia reihte sich auch die Total Gruppe ein und refinanzierte 2,5 Mrd. Euro am Kapitalmarkt.

Das ölproduzierende Unternehmen Total brachte direkt zwei nachrangige Anleihen mit unendlicher Laufzeit an den Markt. Die erste Tranche (A1869J) mit einem Emissionsvolumen von 1,5 Mrd. € zahlt dem Investor einen jährlichen Fixkupon von 3,369% bis Oktober 2026. Die anschließende variable Verzinsung richtet sich nach dem 5-Jahres-Swapsatz: Von Oktober 2026 bis Oktober 2046 zahlt das Unternehmen einen Aufschlag von 335 Basispunkten über dem dann geltenden 5-Jahres-Swapsatz, ab Oktober 2046 steigt der Aufschlag auf 410 Basispunkte. Der Ausgabepreis lag bei pari, was einem Emissionsspread von +310 bps über Mid Swap gleichkam. Ab dem 06.10.2026 hat sich der Emittent ein jährliches Kündigungsrecht in den Anleihebedingungen festschreiben lassen. Der zweite „fix-to-float“ Bond (A1869H) ist 1 Mrd. € schwer und ebenfalls jährlich seitens Total ab dem 05.05.2023 kündbar. Bis zu diesem Datum zahlt das Unternehmen einen festen Kupon von jährlich 2,708%. In der Folge wird die Anleihe variabel verzinst, der Kupon richtet sich ebenfalls jeweils nach dem 5-Jahres-Swapsatz: Bis zum 05.05.2028 beträgt der Aufschlag 275 bps, bis zum 05.05.2043 +300 bps und danach +375 bps. Beide Anleihen haben eine Mindeststückelung von 100.000 € und richten sich daher vornehmlich an institutionelle Investoren.

Baader Anleihemarkt Neuemissionen

Ebenfalls mit einem Doppelpack wagten sich Veolia und Lanxess an den Kapitalmarkt. Der Versorger Veolia platzierte insgesamt 1,1 Mrd. €. Der erste Bond (A1866J) mit einer Laufzeit bis zum 04.10.2023 und einem jährlichen Kupon von 0,314% wurde zum Preis von 100% emittiert, was einem Emissionsspread von +82,3 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entspricht. Die zweite Tranche (A1866K) mit Fälligkeit am 04.01.2029 zahlt den Investoren jährlich 0,927% Zinsen und wurde ebenfalls zu pari (+50 bps über Mid Swap) begeben. Veolia ließ bei beiden Anleihen ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen aufnehmen und legte die Mindeststückelung auf 100.000 € fest.

Baader Bank Anleihen Handelsraum

Lanxess hingegen stattet seine beiden Anleihen mit der privatanleger-freundlichen Stückelung von 1.000 € aus, räumte sich aber ebenfalls ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) ein. Beide Bonds sind je 500 Mio. € schwer und laufen bis zum 07.10.2021 (A2BN7N) bzw. bis zum 07.10.2026 (A2BN7P). Die 5-jährige Anleihe zahlt den Investoren einen Kupon in Höhe von 0,25% pro Jahr und wurde zu 99,53% begeben. Dies entspricht einem Emissionsspread von +92,2 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe. Die 10-jährige weist einen 1%-Kupon aus, der jährlich gezahlt wird. Der Reoffer-Preis lag bei 98,889% (+123,6 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe).

Ebenfalls mit 1.000 € Mindeststückelung emittierte der Stromerzeuger EnBW einen 725 Mio. € schweren hybriden Bond (A2BPFD). Zunächst erhalten die Anleger eine jährliche feste Verzinsung in Höhe von 3,375%. Ab dem 05.04.2022 richtet sich der Zins dann nach dem 5-Jahres-Swapsatz und einem nach Laufzeit gestaffelten Aufschlag. Demnach werden bis zum Jahr 2027 +362,9 bps, bis 2042 +387,9 bps und im Anschluss dann +462,9 bps hinzu gerechnet. EnBW ließ sich ab dem 05.04.2022 ein jährliches Kündigungsrecht zum Kurs von 100% einräumen.

Euro-Bund-Future mit fallenden Notierungen

War in der vergangenen Handelswoche in Deutschland noch größtenteils eitler Sonnenschein angesagt, so hat sich zum Wochenende der Sommer wohl endgültig verabschiedet und dem nasskalten Herbst das Feld überlassen. Der damit verbundene Temperatursturz hat sich im übertragenen Sinne auch beim Euro-Bund-Future in Form von fallenden Notierungen eingestellt. Von vielen Marktbeobachtern ist diese Reaktion bereits seit vielen Wochen erwartet und somit als überfällig bezeichnet worden.

Baader Anleihemarkt Rentenbarometer

Zum Wochenschluss wurde mit 166,36% zwar noch ein neues Hoch im Dezember-Kontrakt erreicht, das allerdings nicht verteidigt werden konnte. Innerhalb von 3 Handelstagen wurden sogar über 2 Punkte abgebaut. So notierte das Rentenbarometer am gestrigen Mittwoch im Tief bei 164,14%, wodurch die Rendite der aktuellen 10-jährigen Bundesanleihe, welche an diesem Handelstag um 4 Mrd. € auf ein Gesamtvolumen von 19 Mrd. € aufgestockt wurde, auf einen nur noch geringfügig negativen Wert (-0,01%) abschmolz. Aktuell handelt der Euro-Bund-Future bei 164,28%.

Charttechnisch betrachtet, ist durch die starke Kurskorrektur ein sehr steiler Abwärtstrend entstanden und die erste ernstzunehmende Unterstützungslinie verläuft aktuell bei ca. 163,27%. Ob es sich bei dieser Marktreaktion nur um eine technische Gegenbewegung oder um eine Trendwende handelt, kann zu diesem Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Denn auch ein Test der Widerstandslinie bei ca. 164,80% kann nicht ausgeschlossen werden, zumal solch extreme Handelsmuster oftmals der Auftakt zu heftigen Turbulenzen sind.

Grundsätzlich ist es an den Börsen allerdings wie beim Wetter: „Auf Regen folgt Sonnenschein, nur niemand weiß, wann genau der Umschwung kommen wird und wie lange er anhält!“

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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