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Robert Halver Börsenanalyse: Jahresend-Rallye bei deutschen Aktien?

Düsseldorf, 18.10.2016 11:23 Uhr (Robert Halver)

Brexit und die US Wahl bestimmen neben den fundamentalen Daten die Stimmung der Anleger an den Börsen. Robert Halver setzt die Daten in den Kontext zu möglichen Risiken.

In das Bild einer insgesamt verhaltenen Konjunktur passen zum Auftakt der US-Berichtsaison für das abgelaufene III. Quartal 2016 auch die enttäuschenden Gewinnzahlen von Alcoa. Insbesondere ein verhaltenerer Ausblick wegen schwächerer globaler Nachfrage im kurz vor der Ausgliederung stehenden Wachstumsgeschäft mit komplexen Leichtbau-Teilen für die Automobil- und Luftfahrtindustrie - das ab 1. November unter Arconic firmiert - sorgt für Verunsicherung.

Damit sind die konjunkturellen Gründe für eine Zinserhöhung der US-Notenbank weiterhin rar. Diese scheint allerdings für die Fed immer mehr zur Frage der Glaubwürdigkeit zu werden. Laut Protokoll der vergangenen Fed-Sitzung bezeichnet eine Mehrzahl der Fed-Mitglieder die vergangene Entscheidung weiter abzuwarten als „close call“. Und so setzt sich an den Finanzmärkten immer mehr die Ansicht durch, dass am 14. Dezember eine Zinserhöhung stattfindet. Hierfür preisen die Terminmärkte laut Fed Funds Futures aktuell eine Wahrscheinlichkeit von knapp 70 Prozent ein.

Noch ist allerdings nicht abzusehen, welche geopolitischen bzw. weltkonjunkturellen Fakten im Dezember einer Zinserhöhung der Fed im Wege stehen. Schon oft wurde eine fest eingepreiste Zinserhöhung wieder abgesagt. Kommt es zu einer Zinserhöhung, ist dies eher als Signal der Handlungsfähigkeit der Fed zu sehen.

The Observatory of Economic USA

Ohnehin hat die Fed kein Interesse daran, den US-Dollar über dynamische Zinserhöhungen zu sehr zu stärken. Auch Amerika hat längst die volkswirtschaftlichen Freuden des Exports entdeckt. Insgesamt sind große Währungsverwerfungen nicht zu erwarten, so dass die Aufwertung des US-Dollars bei etwa 1,10 zum Euro begrenzt bleiben dürfte.

Die Gefahren, dass Deutschland einerseits seinen marktwirtschaftlichen, reformwilligen und bonitätsstarken Partner Großbritannien verliert - aus der Europäischen Stabilitäts- droht die Schuldenunion zu werden - und dem deutschen Industriestandort zumindest langfristig britische Konkurrenz droht, spielt derzeit am deutschen Aktienmarkt noch keine entscheidende Rolle. Allerdings sind aufgrund der nur verhalten wachsenden Weltwirtschaft und Unternehmensgewinnen die fundamentalen Argumente für deutsche Aktien noch begrenzt. Dennoch, bei einer Wahl von Hillary Clinton als neuer US-Präsidentin stehen die Chancen auf eine Jahresend-Rallye gut. Denn dann bleibt Exportnation Deutschland die im Trump’schen Wahlkampf propagierte, protektionistische Abschottung Amerikas mit Einschränkung des freien Welthandels erspart.

Robert Halver Analyse US Wahl vs Peso

Dieses politische Bild bestätigt auch der zuletzt gegenüber dem US-Dollar wieder aufwertende mexikanische Peso. Als Stimmungsbarometer entwickelt sich sein Außenwert spiegelbildlich zu den einbrechenden Wählerumfragen pro Trump, da die mexikanische Wirtschaft deutlich unter dem von Trump geplanten Protektionismus leiden würde.

Im Übrigen stellt der nachhaltige Ausfall des Zinsvermögens als attraktive Alternativanlageklasse ein epochales Argument für Aktien dar.

Charttechnik DAX - Es geht weiter seitwärts

Charttechnisch liegen im DAX auf dem Weg nach oben erste Widerstände bei 10.490 und 10.535 Punkten. Werden diese durchbrochen, rücken die nächsten Barrieren bei 10.679, 10.743 und knapp darüber bei 10.797 in den Vordergrund. Setzen sich jedoch die aktuellen Kursrücksetzer fort, trifft der Index bei 10.403 Punkten auf eine erste Unterstützung. Werden auch diese unterschritten, findet der DAX zunächst an der Marke bei 10.383 Punkten Halt. Darunter müssen Kursverluste bis zu 10.250 und 10.209 einkalkuliert werden.

Robert Halver Börse DAX Chart

Der Wochenausblick für die KW 42 - Die EZB macht heiße Tapering-Gerüchte kalt

In China signalisieren die BIP-Zahlen für das abgeschlossene III. Quartal zumindest offiziell eine konjunkturelle Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Realistisch betrachtet dürfte das Wachstum deutlich niedriger liegen.

In den USA deutet ein wieder schwächerer Einkaufsmanagerindex der Philadelphia Fed auf ein schwieriges Wirtschaftsumfeld hin. Das bestätigt auch eine im September nahezu stagnierende Industrieproduktion. Auch die gemäß Baubeginnen und -genehmigungen abflachende Erholung auf dem US-Immobilienmarkt liefert keine dynamischen Impulse. Entsprechend verhalten dürfte der Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) ausfallen. Auch die US-Inflationsdaten sind weiterhin zinserhöhungsunkritisch.

In der Eurozone liegt die Inflation weit entfernt von dem Zielwert der EZB. Das dürfte die EZB auf ihrer geldpolitischen Sitzung zum Anlass nehmen, jegliche Gerüchte über eine Einschränkung ihrer Anleiheaufkäufe zu zerstreuen. Gleichzeitig ist eine Verstärkung ihrer Liquiditätsoffensive noch nicht zu erwarten.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
Baader Bank AG
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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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