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EZB Zinsentscheidung: Nullzins weil EU-Mitgliedstaaten Staatsschulden verdaddeln

Frankfurt am Main, 20.10.2016 19:51 Uhr (Klaus Stopp)

EZB Chef Mario Draghi hatte heute keine andere Wahl als nix zu ändern an der Nullzins-Politik. Nach wie vor straucheln einige EU-Mitgliedstaaten an ihren Schulden und nix passiert.

Anspannung kann auch zu einer Normalität werden. EZB Chef Mario Draghi hatte es quasi angekündigt - bei seinem Besuch im Bundestag. Es hilft nix, wenn die Politik ihre Reformen nicht umsetzt.

In Anbetracht der unterschiedlichen Erwartungen der Marktteilnehmer saß Draghi auf einer Rasierklinge. Denn grundsätzlich haben die Mannen um Mario Draghi mit ihren geldpolitischen Maßnahmen den europäischen Politikern Zeit erkauft, um die notwendigen Veränderungen in deren Haushaltspolitik anzugehen. Inzwischen sind die Handlungsspielräume der Banker aber fast erschöpft, ohne dass die Politiker die Probleme gelöst haben.

Siehe einen weiteren Artikel zum Thema in unserem FMM-Specials Magazin.

Die Gesamtverschuldung steigt auch im kommenden Jahr weiter an. Für Mario Draghi bedeutet das, ein weiteres Mal als „Meister der Illusionen“ den Finanzmärkten zugleich die Angst vor einer Änderung der Geldpolitik (Tapering) zu nehmen und die Aussicht auf zusätzliche stimulierende Maßnahmen (Ausweitung QE) zu dämpfen. Es waren also heute nicht die Taten gefragt. Vielmehr war die Wahl seiner Worte ausschlaggebend für die zukünftige Entwicklung an den Kapitalmärkten.

Notenbanken Zinspolitik - es ist nichts so gewiss wie die Ungewissheit!

Die Sitzung der amerikanischen Notenbank (Fed) am 2. November, also noch vor der US-Präsidentschaftswahl, wirft auch ihre Schatten voraus. Zumal die Fed-Präsidentin Janet Yellen zumindest das gleiche Problem wie Mario Draghi hat: Was sage ich wie den Marktteilnehmern?

Solange der bzw. die neue Präsident/-in nicht gewählt ist, wird sich an der Zinspolitik nichts ändern. Dazu wird es erst dann kommen, wenn das Risiko von Finanzmarktverwerfungen geringer geworden sein sollte - weshalb nicht vor Dezember an der Zinsschraube gedreht werden dürfte. Wie groß die Angst der Notenbanker in den USA ist, den rechten Zeitpunkt für eine Zinsanhebung zu verpassen, wird bei jedem Kommentar der Fed-Repräsentanten deutlich. Zuletzt äußerte sich sogar die Chefin in der Art, dass es unter Umständen sinnvoller sein könnte, die US-Wirtschaft eine Zeit lang auf hohen Touren laufen zu lassen und die Zinspolitik locker zu belassen. Ein Statement für eine sich abzeichnende Zinsanhebung in nächster Zeit sieht anders aus.

Spanien und Frankreich refinanzieren sich weiter am Anleihenmarkt

Baader Bank Anleihen Neuemissionen
Baader Bank Staatsanleihen Neuemissionen

Vier Eurostaaten hatten bereits in dieser Woche mit unterschiedlichen Laufzeiten um die Gunst der Investoren gebuhlt. Den Anfang machte die Slowakei mit der Aufstockung von 3 Bonds (A181DY / 2023 ; A1ZUZV / 2027 ; A18W5D / 2031) im Volumen von insgesamt ca. 300 Mio. €. Am gestrigen Mittwoch erhöhte Deutschland das Emissionsvolumen der Bundesanleihe von 2014, die im Jahre 2046 endfällig sein wird, um 1 Mrd. € auf nunmehr 19 Mrd. €. Die Nachfrage kann infolge des Zinsanstiegs der vergangenen Handelstage als gut bezeichnet werden und so erfolgte die Zuteilung bei einer Durchschnittsrendite von 0,64%. Für die Marktpflege wurden lediglich 149 Mio. € zurückbehalten. Den heutigen Schlusspunkt bei der Refinanzierung der Euroländer bilden mit diversen Aufstockungen im Gesamtvolumen von ca. 12 Mrd. € Spanien (A18W6G / 2019 ; A1GNNU / 2026 ; A181RK / 2066) und Frankreich (A180JV / 2021 ; A1GZ7K / 2022 ; A1HGEZ / 2024 ; A1GMH7 / 2027).

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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