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Anleihen: Bayer, Volkswagen und K+S im Fokus

FrankfurtMain/München, 28.10.2016 12:47 Uhr (Klaus Stopp)

Vor der anstehenden Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto hat die Bayer AG ihre Gewinnerwartungen erhöht. So rechnet der Chemie-Konzern für den bereinigten Gewinn je Aktie inzwischen mit einem Plus im oberen einstelligen Prozentbereich.

Vor diesem Hintergrund rückten neben den Aktien auch die Unternehmensanleihen der Leverkusener in den Fokus der Anleger. Gesucht war in dieser Woche unter anderem ein bis 1/2021 laufender Titel (A1YC3K), der bei einem Kurs von ca. 107,10% mit rund 0,20% rentiert. Ebenso notiert ein weiterer Bond von Bayer (A1ZSAC), der am 13.11.2023 endfällig wird, mit ca. 105,50% und einer Rendite von rund 0,45%.

Ins Visier der Anleger gerieten allerdings auch die Anleihen von Volkswagen, nachdem das Bundesbezirksgericht San Francisco den milliardenschweren Vergleich des Konzerns über rund 15 Mrd. US-Dollar mit den VW-Besitzern in den USA endgültig abgesegnet hat. Doch für VW sind damit noch längst nicht alle Schlachten geschlagen. Zu viele Unwägbarkeiten lasten weiterhin auf dem Wolfsburger Unternehmen. Dennoch blieben die Bonds trotz dieser Risiken standhaft, wie beispielsweise ein Titel von Volkswagen Financial Services (780516) verdeutlicht. Der Bond, der 10/2021 fällig wird, notiert aktuell bei ca. 101,25%, was einer Rendite von ca. 0,49% entspricht.

Beim Dünger- und Salzkonzern K+S knickten die Kurse der Anleihen nach der Herabsetzung der Kreditwürdigkeit ein. Die Ratingagentur S & P verkündete ein Downgrade von „BBB-„ auf „BB+“, das auch als „Ramschniveau“ bezeichnet wird und begründete den Schritt mit anhaltend niedrigen Kalipreisen, Produktionseinschränkungen in Deutschland sowie einer erwarteten leichten Verzögerung bei einem Kaliminen-Projekt in Kanada. Nachdem die Bond-Kurse von K+S bereits Mitte August schon einmal abgesackt waren, um nun nach einer zwischenzeitlichen Erholungsphase erneut zu fallen. So notiert ein bis 12/2021 laufender Titel (A1YCR5) bei ca. 112,10% und damit weit von seinem Höchstkurs im Juli 2016 bei 118,48% entfernt.

Baader Anleihen Übersicht Neuemissionen

Euro-Bund-Future ein Heißluftballon?

Nach der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag und einem kurzzeitigen Abtauchen des Rentenbarometers auf 163,24% wurde zum Handelsschluss die Marke von 164% übersprungen, die zum Wochenschluss sogar gehalten werden konnte. Dieses Niveau wurde zum Auftakt in die neue Handelswoche und in Kenntnis der Kapitalmarkt-Rahmenbedingungen als nachvollziehbar eingestuft, aber gemäß dem Motto „unverhofft, kommt oft“ kam doch alles anders.

Hervorgerufen durch eine wahre Flut von Neuemissionen hatten die Investoren die Qual der Wahl, jedoch nicht den entsprechenden Anlagebedarf. Seit vielen Jahren kann man den Euro-Bund-Future mit einem Heißluftballon vergleichen, der immer höher und höher steigt. Daran hat sich mancher Marktteilnehmer gewöhnt und hat sich daher in den vergangenen Tagen gefühlt, als wäre er in ein „Luftloch“ geflogen. Die Gefahr unvorhergesehener Marktverwerfungen wird in den kommenden Handelswochen eher höher als geringer werden. Denn diverse Notenbankentscheidungen, Roll-Over-Aktivitäten bei den Futures-Kontrakten und der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl wird die Zeit bis zum Jahresultimo kurzweilig gestalten.

Mit dem gestrigen „Absturz“ auf 162,89% wurde charttechnisch die untere Begrenzungslinie des kurzfristigen Aufwärtstrends seit Mitte September getestet. Ein nachhaltiges Abgleiten unter die Marke von 162,90% würde eine Reaktion auf 162,20% ermöglichen. Nach oben ist der Weg sehr steinig geworden, denn aktuell verläuft die obere Leitplanke des Abwärtstrendkanals bei 164,20% und reduziert sich täglich nur um 0,10 Prozentpunkte. Somit ergibt sich für die kommenden Tage vorerst eine Handelsrange zwischen 162,90% und 164,10%. Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 163,10%.

Baader Anleihen Marktentwicklung

Währungen - Zinsphantasie beflügelt Greenback

Die europäische Gemeinschaftswährung hat ihre seit einigen Wochen anhaltende Talfahrt weiter fortgesetzt. Seit Anfang Oktober befindet sich der Euro somit fast gänzlich auf der Verliererseite. So kam es, dass die Einheitswährung in dieser Woche bis auf 1,0851 USD absackte und damit ein neues Sieben-Monats-Tief markierte. Die momentane Robustheit des US-Dollar ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember durch die US-Notenbank Fed fast täglich zunimmt. Dies beflügelt den Greenback und bringt die Währung Eurolands zunehmend unter Druck.

Nach den herben Verlusten konnte die Gemeinschaftswährung allerdings im gestrigen Handelsverlauf wieder etwas Boden gut machen und die Marke von 1,09 USD nachhaltig überwinden, mit 1,0946 US-Dollar war sogar ein neues Wochenhoch erreicht. Die Erholung des Euros war unter anderem in Gewinnmitnahmen begründet. Heute Morgen handelt das Devisenpaar EUR/USD bei 1,0905 USD.

Ähnlich der Entwicklung zum Greenback präsentiert sich der Euro auch zu weiteren Dollarwährungen sehr anfällig. Zum australischen Dollar fiel der Euro innerhalb der vergangenen Berichtswoche zeitweise bis auf 1,41284 AUD zurück und kostete damit so wenig wie zuletzt im Mai 2015. Im Vergleich zum Kiwi-Dollar verlor die Einheitswährung gleichermaßen und rutschte bis auf 1,5071 NZD ab, nachdem sie zu Monatsbeginn noch um die Marke von 1,58 NZD handelte.

So waren verstärkt Aktivitäten in den verschiedenen Dollarwährungen zu beobachten. Darüber hinaus waren Währungsanleihen lautend auf brasilianische Real, türkische Lira und auch norwegische Kronen auf den Kauflisten zu finden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
Baader Bank AG
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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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