Finanzen Markt & Meinungen Startseite

 

Anleihen: Neuemissionen von BASF und RCI Bank auch für Privatanleger

FrankfurtMain/München, 10.11.2016 10:44 Uhr (Klaus Stopp)

Die vergangenen Tage waren am Primärmarkt für Unternehmensanleihen von Unsicherheit und abwartender Haltung betreffend dem Wahlausgang in den USA geprägt. Somit waren Neuemissionen eher Mangelware. Jedoch kündigten die BASF und die RCI Bank zum Vorwochenschluss an, sich frisches Kapital bei Investoren zu beschaffen.

So fuhr zum Beispiel die französische Banktochter des Autobauers Renault, die RCI Bank, am Kapitalmarkt vor und refinanzierte 750 Mio. Euro mittels einer 5-jährigen Anleihe (A1883B). Die Anleger erhalten eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,625% bis zur Fälligkeit am 10.11.2021. Gepreist wurde die Anleihe mit +60 bps über Mid Swap und folglich betrug der Ausgabepreis 99,99%.

Gleich im Doppelpack refinanzierte BASF insgesamt 1,5 Mrd. €. Bei der ersten Tranche (A188WV) im Volumen von 1 Mrd. Euro handelt es sich um einen Zerobond mit Endfälligkeit am 10.11.2020. Das Papier wurde den Investoren zu 99,601% zum Kauf angeboten (Mid Swap +15 bps). Die zweite 500 Mio. Euro schwere Anleihe (A188WW) bietet dem Anleger einen jährlichen Kupon von 0,75% bis zur Fälligkeit am 10.11.2026. Die Emission erfolgte mit +33 bps über Mid Swap und somit errechnete sich ein Ausgabepreis von 98,998%.

Alle in diesem Artikel genannten Bonds verfügen über ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten der Emittenten (Make-Whole-Option) sowie einer kleinsten handelbaren Einheit von 1.000 Euro. Zumindest mit der kleinen Stückelung ist man auf die Bedürfnisse der Privatanleger eingegangen, denen oftmals nur noch Emissionen mit einem Mindestanlagebetrag i.H.v. 100.000 Euro offeriert werden.

Quelle: Baader Market Anleihen Neuemissionen
Quelle: Baader Market Anleihen Neuemissionen

USA in der Trump-Woche mit XXL-Refinanzierung

In den USA wurde in dieser Handelswoche dem neuen Präsidenten entsprechend ein XXL-Emissionsprogramm umgesetzt. Nicht nur Geldmarktpapiere im Volumen von 163 Mrd. USD, sondern auch T-Notes mit einer Laufzeit von drei Jahren im Volumen von 24 Mrd. USD und von zehn Jahren für 23 Mrd. USD wurden offeriert. Das dadurch erreichte Volumen von 210 Mrd. USD wird heute durch die Ausgabe von T-Bonds für nominal 15 Mrd. USD nochmals erhöht.

In Euroland werden bekanntlich viel kleinere Brötchen gebacken und so stocken lediglich die Niederlande eine Altemission (A1VNKY / 2026) und Deutschland eine inflationsindexierte Anleihe (103056) um 500 Mio. Euro auf. Die Zuteilung erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,94%. Bevor sich am heutigen Donnerstag und morgigen Freitag Italien noch aktiv zeigt, hat gestern die Bundesrepublik Deutschland eine neue zweijährige Schatzanweisung im Tenderverfahren begeben. Für die geplante Nominale von 5 Mrd. Euro wurden allerdings nur Bietungen für ca. 4,8 Mrd. Euro abgegeben, so dass eine technische Unterzeichnung attestiert werden musste. Die Zuteilung der ca. 3,8 Mrd. Euro erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,64% und der Differenzbetrag wurde zur Marktpflege zurückbehalten. Diese Schatzanweisung (110466) wurde zum wiederholten Male mit einem Kupon von Null ausgestattet.

Devisenhändler mit Schleudertrauma

Der Ausgang der US-Wahl hat sicherlich bei manchem Devisenhändler ein Schleudertrauma hervorgerufen, denn nicht nur die Aktien- und Rentenmärkte zeichneten sich durch eine atemberaubende Performance aus. Auch am Devisenmarkt war eine schon lange nicht mehr gekannte Volatilität zu registrieren.

Wie nicht anders zu erwarten drehte sich alles um den Greenback. Der Euro beispielsweise konnte sich anfangs bis auf 1,1299 USD erholen, um im Laufe des Tages unter sein Vortagesniveau auf 1,0903 USD zu fallen. Der seit langem als „Anti-Trump“-Währung eingestufte mexikanische Peso brach nach dem doch überraschenden Wahlausgang förmlich ein. Ein amerikanischer Dollar notierte zu Beginn noch bei 18,1475 MXN und stieg in der Spitze bis auf 20,77 MXN. Aktuell notiert er bei 19,75 MXN. Ähnliche Bewegungen vollzogen aber auch der japanische Yen und der russische Rubel. Diese Handelsmuster waren nicht zuletzt den Fehleinschätzungen vieler Analysten bezüglich des Wahlergebnisses geschuldet, was in den vergangenen Tagen zum Aufsetzen von Absicherungsstrategien führte.

Quelle: Baader Markets Fremdwährungsanleihen
Quelle: Baader Markets Fremdwährungsanleihen

Somit war es nicht verwunderlich, dass auch Privatanleger die daraus entstandenen Devisenkursveränderungen gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung nutzen wollten. Dabei waren verstärkt Handelsaktivitäten in Fremdwährungsanleihen lautend auf US-Dollar, mexikanische Peso, russische Rubel, neuseeländische Dollar und südafrikanische Rand zu registrieren.

Man darf gespannt sein, ob die Devisenkurse in den kommenden Tagen den „Risk-on“ oder den „Risk-off“ – Modus bevorzugen werden und es sich bei dem gestrigen Schleudertrauma nur eine vorübergehende Erscheinung handelte.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

 

» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen