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Anleihen: Neuemissionen von Fresenius und der Deutschen Bank

FrankfurtMain/München, 19.01.2017 12:54 Uhr (Klaus Stopp)

In seinem Anleihencheck stellt Klaus Stopp von der Baader Bank die Neuemissionen von Fresenius auch für Privatanleger vor. Zudem tätigt die Deutsche Bank eine 5-jährige Euro-Emission.

Die Emissionstätigkeit der Unternehmen fiel im Vergleich zum Jahresstart in der vergangenen Woche verhaltener aus. Dennoch zeigte sich mit dem Gesundheitskonzern Fresenius ein Unternehmen am Kapitalmarkt aktiv, das nicht nur private und institutionelle Anleger ansprechen möchte, sondern durch die Anpassung der Emissionsbedingungen seine Bonds auch für das QE-Programm der EZB aufhübschte. Somit konnten mittels vier 4 Bonds spielend 2,6 Mrd. € am Markt refinanziert werden.

Bei der ersten Gattung handelt es sich um eine 5-jährige 700 Mio. € schwere Anleihe (A19B3F) mit Laufzeitende am 31.01.2022. Die Investoren erhalten eine jährliche Verzinsung von 0,875%. Der Emissionspreis betrug 99,732% (+85 bps über Mid Swap). Bei der zweiten Tranche handelt es sich um einen 7-jährigen Bond (A19B3G) mit identischem Emissionsvolumen und einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,5% bis zur Fälligkeit am 30.01.2024. Ausgegeben wurde das Papier bei 99,875% und somit +120 bps über Mid Swap. Die dritte Anleihe (A19B3H) ist eine 10-jährige, 700 Mio. € große Benchmark Anleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 2,125%. Fällig wird das Papier am 02.01.2027. Das Preising erfolgte mit +152 bps über Mid Swap. Folglich errechnete sich der Reoffer bei 99,359%. Das Quartett komplettiert eine 15-jährige Anleihe (A19B3J), welche mit einem Volumen von 500 Mio. € sowie mit 3% jährlicher Verzinsung und einer Fälligkeit am 30.01.2032 ausgestattet ist. Dieser Bond wurde zu 99,275% emittiert und somit +253,9 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gepreist.

Fresenius entschied sich bei allen hier genannten Anleihen zur Aufnahme eines optionalen Sonderkündigungsrechts zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option), aber auch für eine Mindeststückelung von 1.000 €.

Nicht ganz so schwergewichtig, aber dennoch mit einer neuen Anleihe im Volumen von 1 Mrd. € kam Linde an den Markt. Das 5-jährige Papier (A19BT2) ist mit einem Kupon in Höhe von 0,25% jährlich bis zur Endfälligkeit am 18.01.2022 ausgestattet. Emittiert wurde das Papier zu 99,713% und damit + 22 bps über Mid Swap. Auch diese Anleihe wurde mit einer kleinsten handelbaren Einheit von 1.000 € begeben.

Anleihen Neuemissionen Fresenius

Deutsche Bank will zur Tagesordnung übergehen - auch bei Anleihen

In den vergangenen Tagen ist der Deutschen Bank einiges gelungen, was man Vergangenheitsbewältigung nennen kann. Gut, die Reputation des größten deutschen Geldhauses ist nach wie vor nicht die Beste. Aber man kann den Eindruck gewinnen, dass der seit Juli 2015 amtierende Vorstandschef John Cryan seinem Ziel, das Bankhaus wieder auf Vordermann zu bringen, Schritt für Schritt näher kommt.

Dies gelingt zum einen durch die Milliarden-Einigung mit den US-Behörden, die nun in trockenen Tüchern ist. Hiermit wurde ein unrühmliches und teures Kapitel in der Geschichte der Bank endlich geschlossen. Im Streit mit dem US-Justizministerium um dubiose Hypothekengeschäfte zahlt das Frankfurter Geldhaus die bereits im Dezember angekündigte Vergleichssumme über insgesamt 7,2 Mrd. US-Dollar (6,7 Mrd. €). Diese setzt sich aus 3,1 Mrd. US-Dollar Bußgeld und zusätzlichen 4,1 Mrd. US-Dollar als Wiedergutmachung für geschädigte Hausbesitzer, Kreditnehmer und Gemeinden zusammen. Der Deutschen Bank war vorgeworfen worden, mit windigen Hypothekengeschäften Anleger getäuscht und auf diese Weise zum Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts 2008 und damit zur Finanzkrise beigetragen zu haben. Ursprünglich hatte eine Strafe von 14 Mrd. US-Dollar gedroht.

Zum anderen gilt die Kappung von Bonuszahlungen für außertariflich bezahlte Mitarbeiter als beschlossene Sache. Etwa 90 Prozent der Bonuszahlungen werden dieser Personengruppe laut „Spiegel Online“ gestrichen. Dies trifft in großem Ausmaß auch Investmentbanker in London und New York. Allerdings sind Ausgleichspakete vorgesehen, um die Auswirkungen zu begrenzen und eine Massenabwanderung von Mitarbeitern zu verhindern. Dabei geht es vor allem um Führungskräfte, die wichtige Kundenkontakte haben. Diese sollen weiter Boni erhalten, die aber entweder erst ab 2021 ausgezahlt oder in Aktien mit Sperrfrist gewährt werden. In diesem Zusammenhang wurde gestern bekanntgegeben, dass auch der Vorstand auf seine variable Vergütung für das Jahr 2016 verzichtet und dadurch mit gutem Beispiel vorangehen will. Ob damit eine von Cryan versprochene neue Unternehmenskultur umgesetzt werden kann, muss sich noch zeigen.

Darüber hinaus ist in dieser Woche der Deutschen Bank die Rückkehr an den Kapitalmarkt gelungen. Erstmals seit März 2016 hat das Geldhaus wieder eine Anleihe begeben, nachdem Investoren im vergangenen Jahr - mit Blick auf die drohende Strafe in den USA - Bedenken wegen der Bedienung der Anleihen geäußert hatten.

Somit emittierte die Deutsche Bank am Montag eine 5-jährige Euro-Emission (WKN: DL19TA) mit einem Kupon von 1,50% (+150 bps über Mid Swap). Das Papier im Volumen von 1,5 Mrd. € ist im Januar 2022 endfällig und richtet sich mit einer Mindeststückelung von 100.000 € insbesondere an institutionelle Investoren. Bei einem aktuellen Kurs von ca. 99,85% rentiert der Titel mit ca. 1,53%. Für CEO Cryan dürfte die Emission ein weiterer Schritt in Richtung Normalisierung sein.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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