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Robert Halver Kolumne: Wirtschaftliche Perspektiven - USA und Großbritannien

Düsseldorf, 25.01.2017 11:15 Uhr (Robert Halver)

Bei der britischen Neuausrichtung der Wirtschaft kommt der Renaissance britisch-amerikanischer Handelsbeziehungen ein hoher Stellenwert zu. Der neue US-Präsident Trump wird Großbritannien hoch attraktive Handelsbedingungen mit den USA gewähren.

Diese amerikanische Unterstützung wird auch ein Druckmittel sein, die britische Position bei Verhandlungen über zukünftige Wirtschaftsbeziehungen mit der EU zu stärken. Im Übrigen wird es unter der Ägide Trump ein allgemeines Handelsabkommen zwischen den USA und der EU definitiv nicht geben. Denn es würde die EU gegenüber Amerika stärken.

Vor diesem Hintergrund bekommen deutsche Exportunternehmen einen kälteren handelspolitischen Wind aus Washington zu spüren. Die Trumpsche Rhetorik von potenziellen Importzöllen von 35 Prozent für nicht im amerikanischen Inland produzierte Autos gibt bereits die Marschrichtung vor. Aufgrund der Bedeutung des amerikanischen Absatzmarktes - auch für andere Branchen neben der Autoindustrie - werden deutsche Exporteure Gegenstrategien entwickeln. Diese werden vor allem darin bestehen, Investitionen in den USA auszuweiten, die dem Primärziel der Wirtschaftspolitik von Trump entsprechen, nämlich dort Arbeitsplätze aufzubauen. Mit dem Grundsatz „Leistung und Gegenleistung“ will man dem handelspolitischen Bann der USA entgehen.

Der Hard Brexit kommt

Premierministerin May will zukünftig die britischen Bindungen an die EU konsequent kappen. Selbst eine Orientierung an den bestehenden Handelsverträgen zwischen EU und Norwegen bzw. der Schweiz kommt für sie nicht in Frage.

Negative Reaktionen an den britischen Finanzmärkten halten sich trotz absehbarer Konjunktureinbußen und angesichts einer Abwanderung von britischen (Finanz-)Unternehmen in die Rest-EU in Grenzen. Das britische Pfund - gewichtet gegenüber den bedeutendsten Handelswährungen - scheint nach der rasanten Abwertung in Folge des Brexit-Votums einen Boden gefunden zu haben. Und die Volatilität britischer Aktien liegt sogar unter dem niedrigen Niveau von vor dem Brexit-Referendum im Juni.

Aktienindex FTSE britisches Pfund

Eine aktienstützende Rolle scheint jedoch auch Mays Zukunftsvision eines Global Britain zu spielen. Muss man das Regelwerk der EU nach einem harten Ausstieg nicht mehr befolgen, lässt sich eine autonome, von der EU zustimmungsbefreite britische Wirtschaftspolitik betreiben. Genau diese ist dringend geboten, um der britischen Bevölkerung nach der anfänglichen Durststrecke des Brexit eine wirtschaftliche Alternativperspektive zu bieten. So wird die britische Regierung eine power economy anstreben, die eine 180°-Wende der Politik Margaret Thatchers seit den 80er Jahren bedeutet.

Großbritannien soll nach einseitiger Förderung des Dienstleistungs- und Finanzsektors wieder eine ordentliche Industrienation werden. Nach Austritt wird man die britischen Unternehmenssteuern auf das geringstmögliche Niveau setzen und gleichzeitig die Arbeits- bzw. Sozialkosten senken. Wie die Beispiele anderer Länder zeigen, sind dies die entscheidenden Kriterien für nachhaltige Investitionen und damit Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und Konsum. Nicht zuletzt will Großbritannien in Konkurrenz zum deutschen Industriestandort treten.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
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www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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