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Robert Halver Market News: Wie viel Aktien-Rallye ist noch drin?

Düsseldorf, 20.02.2017 15:16 Uhr (Robert Halver)

Wird das Polit-Chaos in den USA zu einem Handicap für Aktien? Fährt eine restriktive US-Geldpolitik den Trumponomics nachhaltig in die Parade? Eine Einschätzung vom Börsenprofi Robert Halver.

Inwieweit können deutsche Industrieaktien von der US-Wirtschaftsvision profitieren? Wirken pro-amerikanische Steueränderungen auf deutsche Exportunternehmen kontraproduktiv? Und kann die Europa GmbH auch vor dem Hintergrund des Super-Polit-Jahrs 2017 gegen die America Corporation bestehen?

Die Fundamentalargumente für US-Aktien gewinnen an Kraft

Die US-Administration ist holprig gestartet. Man darf getrost von Chaos sprechen. Dennoch wird US-Präsident Trump seine wirtschaftsstützenden Versprechen zügig angehen. Für deren Verwirklichung hat er ohnehin nur knapp zwei Jahre Zeit. Bei der nächsten Kongresswahl 2018 könnte seine republikanische Mehrheit, die er für ein Durchregieren benötigt, an die Demokraten verloren gehen. Auch die politische Lichtgestalt Ronald Reagan sah sich einer demokratischen Opposition gegenüber.

Die Trump-Administration kennt die Bedeutung der Unternehmensbesteuerung für die Attraktivität des US-Standorts. So sind zunächst Unternehmenssteuersenkungen von 35 auf mindestens 20 Prozent angepeilt. Doch es ist auch mit einer strukturellen Steueränderung für importierte Güter zu rechnen. So könnten die im Ausland anfallenden Herstellungskosten für z.B. japanische oder deutsche Autos in den USA nicht mehr steuerlich abzugsfähig sein, was die Steuerlast ausländischer Firmen und damit ihre Kostensituation dramatisch zugunsten inländischer Unternehmen verschlechtern würde.

Robert Halver Aktienmarkt USA

Daneben stehen umfangreiche Infrastrukturinvestitionen, Entbürokratisierung und eine Wieder-Deregulierung der Finanzindustrie auf der Agenda. In die Konjunkturoffensive wird zusätzlich eine weitere dramatische Schuldenaufnahme eingebunden. Eine diesem Zweck im Weg stehende restriktive Geldpolitik will Trump mit Neubesetzungen in der Fed begegnen, die seiner Wirtschaftsdoktrin folgen. Bei entsprechender Umsetzung all dieser Maßnahmen werden sich zwangsweise Verbesserungen der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit und steigende Unternehmensgewinne ergeben. Tatsächlich ist eine spürbare Stimmungsaufhellung in der US-Industrie mit Ausstrahlung auf die US-Aktienmärkte unverkennbar.

Der US-Dollar soll die weichste Hartwährung der Welt werden

Eine Reindustrialisierung Amerikas, die auch exportseitige Früchte tragen soll, verträgt keine für die USA bislang so typische Strong-Dollar-Policy. Grundsätzlich ist die Dollar-Stärke bereits durch die – wenn auch überschaubaren – zukünftigen Zinserhöhungen der Fed gegeben. Diese erhalten durch den deutlichen US-Inflationsanstieg im Januar noch Rechtfertigung. Allerdings hat die zuletzt wieder schwächere Entwicklung der durchschnittlichen Stundenlöhne an preistreibender Bedeutung verloren. Zudem haben die Inflationserwartungen seit zwei Monaten nicht weiter zugenommen. Offensichtlich laufen die inflationstreibenden Basiseffekte der Rohstofferholung aufgrund der Baisse im letzten Jahr allmählich aus. Damit gewinnt die Fed an Spielraum, zinspolitisch weniger kontraproduktiv zu sein.

Wird aus der Federal Reserve Bank Trumps Reservebank?

Ohnehin dürfte Trump der amtierenden US-Notenbankpräsidentin Yellen ab 2018 keine zweite Amtszeit gewähren und sie durch einen geldpolitisch noch freizügigeren Kandidaten ersetzen. Das gleiche Schicksal gilt für den Fed-Vizepräsidenten Fisher. Schon jetzt könnte Trump drei Positionen des siebenköpfigen Fed-Spitzengremiums neu besetzen. Geldpolitische Entscheidungen könnten zukünftig Trump-gefälliger ausfallen und seinen Trumponomics weniger im Wege stehen.

Nicht zuletzt will die US-Regierung dem Aufwertungsdruck des Dollars durch umfangreiche Rückführungen von Auslandskapital von US-Firmen geldpolitisch entgegenwirken, die in den Genuss der geplanten Unternehmenssteuersenkungen kommen wollen. Tatsächlich halten Unternehmen wie Apple, Microsoft oder Coca-Cola rund 90 Prozent ihrer Barbestände im Ausland. Eine begrenzte Dollar-Aufwertung ist im Übrigen im Interesse der Weltkonjunktur, da sie eine schädliche Kapitalflucht aus den Schwellenländern nach Amerika verhindert.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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