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Risiko Betriebsrenten: Geldmarktpolitik schneidet Lücken in Pensionsansprüche

FrankfurtRheinMain, 09.03.2017 12:40 Uhr (Klaus Stopp)

Betriebsrenten als tickende Zeitbomben. Über die sinkenden Renditen am deutschen Kapitalmarkt sind schon viele Abhandlungen verfasst worden. Anlass zur Hoffnung, dass sich an der Zinsfalle, in der Finanzbranche und Anleger sitzen, schon bald etwas ändern wird, besteht allerdings kaum.

Also werden sich Finanzinstitute und Investoren aller Art auch weiterhin mit einer Zins-Magerkost abfinden müssen. Bei Finanzinstituten und Versicherern geht man davon aus, dass sich innerhalb der nächsten zwei bzw. drei Jahre die Zins-Mindereinnahmen noch mit „Altanlagen“ ausgleichen lassen, aber spätestens dann werden sich die Lücken nicht mehr schließen lassen. Es sei denn, die Zinsen steigen generell wieder an.

Das ist aber nur ein Aspekt der Nullzinsphase. Denn auch alle Unternehmen, welche für ihre Belegschaft Vorsorge in Form von Betriebsrenten getroffen haben, leiden massiv unter der von der Europäischen Zentralbank (EZB) verordneten Geldmarktpolitik. Einerseits sind Unternehmen gezwungen, Gelder nicht einfach bei Banken zwischenzuparken und Zinsen zu zahlen. Andererseits muss die Finanzierungslücke bei den Betriebsrenten, die jedes Jahr mit mehr Geld zu schließen ist, in der GuV berücksichtigt werden, womit der Gewinn des Unternehmens geschmälert wird. Denn die zu erwartende Rendite der Rücklagen sinkt von Jahr zu Jahr und erhöht dadurch die Verbindlichkeiten.

Wohin führt die Geldmarktpolitik von EZB Chef Draghi
Wohin führt die Geldmarktpolitik von EZB Chef Draghi?

Nach jüngsten Erhebungen summierten sich zum Jahresende 2016 die Pensionsverpflichtungen alleine bei den DAX-30-Unternehmen auf ca. 420 Mrd. Euro. Und laut der Beratungsgesellschaft Mercer wurde hierfür lediglich etwas über die Hälfte zurückgelegt. In anderen großen Industriestaaten ist die Versorgungslücke zwar kleiner, aber dennoch vorhanden.

Wie sehr das Thema die deutschen Unternehmen beschäftigt, wird am Beispiel der Deutschen Lufthansa deutlich. Nicht von ungefähr wurde seit Jahren um die Pensionsansprüche der „Alt-Piloten“ gestritten und den Nachwuchskräften diese bevorzugte Behandlung verwehrt. Steigende Lebenserwartung und sinkende Zinsen lassen dieses Thema zu einer tickenden Zeitbombe werden. So wurde beispielsweise nach Aussage des Finanzchefs von ThyssenKrupp in den vergangenen drei Jahren das Eigenkapital wegen steigender Rentenverbindlichkeiten um 3 Mrd. Euro geschmälert.

Profitable Unternehmen können hier also noch gegensteuern, aber kleinere bzw. unrentable Gesellschaften haben ein nicht zu unterschätzendes Problem. Zumal Mittelstandsunternehmen aufgrund strengerer Richtlinien die Rentenverbindlichkeiten höher bewerten müssen. Grund zur Panik besteht sicherlich noch nicht, aber die Risiken für die Unternehmen sind nicht zu unterschätzen.

(Quelle: Klaus Stopp, Baader Bank)

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Herausgeber:
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www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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