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Robert Halver Börsenkommentar: Trendwende - wann kommt der Aktieneinbruch?

Düsseldorf, 04.04.2017 15:28 Uhr (Robert Halver)

Im mittlerweile neunten Jahr des Aktienaufschwungs fragen sich Marktteilnehmer, wann denn endlich die große Trendwende kommt. Risiken gibt es vermeintlich genug.

Ein ergebnisoffener Brexit-Verhandlungsmarathon, Angst vor „falschen“ Wahlergebnissen in Frankreich, ein aktuell (wirtschafts-)politisch angeschlagener Trump, Inflationsgefahren und Notenbanken, die doch nur auf ihren restriktiven Einsatz warten. Oder haben die Risiken nachhaltig an Drohpotenzial verloren?

US-Kongress betont Bedeutung des Exports

Handelsprotektionismus unter Donald Trump bleibt zwar eine Gefahr. Doch schon bei der gescheiterten Rückabwicklung von Obamacare zeigte sich, dass das republikanisch dominierte Parlament durchaus ein politisches Eigenleben führt. Das nährt die Erwartung, dass drohende Handelsbeschränkungen im Kongress abgemildert werden, zumal republikanische Wirtschaftsexperten die Bedeutung des Exports für die US-Volkswirtschaft betonen. Die von Amerika angestrebte starke Position in der Digitalisierung soll weltweit Wohlfahrtsimpulse generieren.

Als handelsentspannendes „Abfallprodukt“ könnten gleichzeitig deutsche Exportunternehmen profitieren. Tatsächlich sind die Befürchtungen hinsichtlich weltweiter Handelsschranken bei deutschen Unternehmen geringer ausgeprägt als in Politik und Medien. Investieren sie in Amerika, kommen sie längerfristig auch in den Genuss der Trumponomics. Laut ifo Exporterwartungen berichten Unternehmen aus den deutschen Kernbranchen Maschinenbau und Elektrotechnik weiterhin von guten Geschäftsaussichten in den USA. Aber auch die sich stabilisierenden Wirtschaftsprozesse in den Emerging Markets werden positiv erwähnt. Insgesamt wird nach zwei Jahren Stagnation wieder stärkerer Importsog aus den Schwellenländern vermeldet.

ifo Grafik Export Erwartungen

Die Konjunkturzuversicht der deutschen Industrie schlägt sich folgerichtig in einem aufwärtsgerichteten DAX nieder.

Schließlich signalisierten in der Vergangenheit verbesserte ifo Geschäftserwartungen mit einer zeitlichen Verzögerung von sechs Monaten im Trend immer eine Erholung deutscher Unternehmensgewinne. Diese Wiedergewinnung fundamentaler Stärke entspannt nicht zuletzt die aktuell sportlichen Aktienbewertungen.

Marktstimmung - Acht Jahre Hausse und kein bisschen leise, dafür weise

Überdies wirkt die weiterhin üppige Geldpolitik hohen Aktienschwankungen entgegen. Die EZB hat ein willkommenes Alibi für „Weiter so“ erhalten. So ist die deutsche Preissteigerung im März stärker als erwartet um 0,6 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent gefallen. Verantwortlich hierfür ist der auslaufende Basiseffekt durch nicht weiter steigende Preise. Eine ähnliche Bremswirkung ist auch für die Inflationsrate der Eurozone insgesamt zu erwarten, die sich bis zum Jahresende fortsetzt.

Im Übrigen müssen die Notenbanken mögliche Finanzrisiken aus der Brexit-Debatte einkalkulieren. Sie werden kein Risiko eingehen. Attraktivere Anlagezinsen sind insofern nicht zu erwarten. Ungleich höhere Dividendenrenditen behalten die Nase vorn. Geldpolitisch spricht wenig für ein Ende der mittlerweile achtjährigen Aktienhausse. Es sei daran erinnert, dass Aktieneinbrüche in den letzten Jahrzehnten immer von restriktiver Geldpolitik eingeleitet wurden.

Entspannung kommt nicht zuletzt von den Sentimentindikatoren. Der Aktienmarkt der Eurozone hat die Panik- Richtung neutrale Zone verlassen. Die geringere politische Risikowahrnehmung in Europa und die politische Angeschlagenheit Donald Trumps machen es möglich.

Aktienkurse Prognose Robert Halver
Quelle: Baader Bank / Robert Halver

Charttechnik DAX - Auf dem Weg zum Allzeithoch

Charttechnisch setzt sich die Konsolidierung auf hohem Niveau fort, wenn die Unterstützung bei 12.219 Punkten unterschritten wird. Darunter geben dann die Marken bei 12.159 und 12.083 Halt, bevor der DAX bei 12.010 auf eine weitere Unterstützung trifft. Setzt der Index seinen intakten langfristigen Aufwärtstrend fort und überwindet dabei nachhaltig den Widerstand am bisherigen Allzeithoch bei 12.391 Punkten, ist der Weg zu neuen Höchstständen frei.

Der Wochenausblick für die KW 14 - Was steht im Fed-Sitzungsprotokoll?

Während in China der vom Finanznachrichtendienst Caixin veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende auf eine stabile konjunkturelle Seitenlage hindeutet, signalisiert auch in Japan der Tankan Index der Großindustrie eine konjunkturelle Verbesserung im I. Quartal.

In den USA ist eine Stabilisierung des ISM Index für die Industrie sowie der Auftragseingänge zu erwarten. Auch die quantitative Erholung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Im Sitzungsprotokoll der Fed werden sich weiter Argumente gegen eine rasche Fortsetzung der Zinswende finden.

In Deutschland unterstreicht der positive Dreiklang aus Auftragseingängen, Industrieproduktion sowie Exporten im Februar die sich festigende Wirtschaftslage.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
Baader Bank AG
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www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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