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Trennbankensystem: Will Donald Trump Großbanken zerschlagen?

FrankfurtMain/München, 04.05.2017 13:14 Uhr (Klaus Stopp)

Folgt für die US-amerikanische Bankenwelt nun ein Zurück in die Zukunft der 30er Jahre? Donald Trump liebäugelt nämlich neuerdings damit, Großbanken zerschlagen zu wollen.

Wie der US-Präsident sagte, wolle er dies prüfen lassen. Trump bezieht sich damit auf ein Gesetz aus den 30er Jahren, das unter dem Namen „Glass-Stegall-Act“ bekannt geworden ist. Es diente dazu, Banken durch Trennung von solidem Privatkundengeschäft und risikobehaftetem Investmentbanking vor der Pleite zu bewahren. Erst 1999 wurde das Gesetz unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton wieder abgeschafft, nachdem die Wall Street Banken kräftig Druck gemacht hatten. Kritiker sehen darin zumindest eine Ursache der Finanzkrise 2008. Unter anderem macht sich der linksliberale Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz dafür stark, es wieder einzuführen.

Umso erstaunlicher ist es nun, dass ausgerechnet der Republikaner Trump zusammen mit seinem Wirtschaftsberater Gary Cohn, der aktives Vorstandsmitglied von Goldman Sachs ist, das Trennbankensystem ins Gespräch bringt. Denn auch die Regierung Trump hat ein Interesse daran, dass Banken nicht noch einmal mit Steuergeldern saniert werden müssen. Und das Trennbankensystem gilt nun einmal als eine Vorsichtsmaßnahme, die zum Schutz der Steuerzahler beitragen soll.

Doch die Wiedereinführung des Trennbankensystems könnte nur die eine Seite der Medaille sein. Denn nachdem Trump vornehmlich im Wahlkampf gegen die Wall Street gewettert hat, ist er auf deren Seite geschwenkt und hat einer Deregulierung der Finanzbranche das Wort geredet. So hat er inzwischen versprochen, Barack Obamas Wall-Street-Reform rückgängig machen zu wollen. Diese unter dem Namen Dodd-Frank bekannten Maßnahmen sehen als Reaktion auf die Finanzmarktkrise eine strengere Aufsicht und höhere Eigenkapitalanforderungen vor, was den Wall Street Bankern wie Spitzgras vorkommt. Daher könnte die Annullierung der Dodd-Frank-Regelung, wovon Cohns Arbeitgeber Goldman Sachs am meisten profitieren würde, die andere Seite sein, die von der Wiedereinführung des Trennbankensystems kaschiert werden soll.

Donald Trump Youtube Screen from White House

Viele Ideen von Donald Trump bleiben auf der Strecke

Auch bei den von Trump verteufelten Handelsdeals probt er inzwischen die Rolle rückwärts. Dies gilt für das NAFTA-Abkommen mit Kanada und Mexiko genauso wie für das bilaterale Handelsabkommen mit Südkorea oder das transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen den USA und der EU. Trump hat ein neues Dekret angekündigt, das die Handelsabkommen auf den Prüfstand stellen soll, was Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu veranlasst hat, neue TTIP-Verhandlungen mit den USA für möglich zu halten. Der hochrangige Republikaner Paul Ryan hatte gesagt, dass die US-Regierung Freihandelsabkommen nicht ablehne. Dies gilt als deutliches Zeichen dafür, dass TTIP vor einer Auferstehung stehen soll.

Ebenso könnte die Einführung der gefürchteten US-Importsteuer für deutsche Waren, die Trump angedroht hat, wieder von der Agenda verschwinden. So hat Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries nach eigenen Worten Signale aus den Vereinigten Staaten vernommen, dass die Border Adjustment Tax „wohl nicht kommen wird".

Wenn Trump darüber redet, heißt dies noch lange nicht, dass er eine solche Idee auch umsetzt. Zu oft hat man bei ihm schon eine große Sprunghaftigkeit seiner Aussagen beobachten müssen. Beliebigkeit ist eben Trump(f).

Indessen ist die Gefahr eines so genannten Government Shutdowns fast abgewendet. Republikaner und Demokraten haben sich im Kongress auf einen Haushalt über 1 Bill. USD bis zum 1. Oktober geeinigt. Das Durchwinken bis diesen Freitag um Mitternacht scheint nur noch reine Formsache zu sein. Allerdings dürfte sich Trump darüber nicht besonders freuen, denn dadurch wird kein Geld für sein Lieblingsprojekt, eine Grenzmauer zu Mexiko, zur Verfügung gestellt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.

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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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