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Nullzinspolitik: Negativzinsen für Privatpersonen

FrankfurtMain/München, 16.06.2017 11:38 Uhr (Klaus Stopp)

Schenkt man dem ehemaligen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber Glauben, dann sollten sich die Sparer in Deutschland von den Zeiten hoher Zinsen verabschieden und sich daran gewöhnen, dass die Zinsen niedrig bleiben werden.

Auch nach der Fed-Entscheidung zur Anhebung des Leitzinses auf eine Spanne von 1,00 Prozent bis 1,25 Prozent, wird nicht unweigerlich die Europäische Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik überdenken. Denn zu unterschiedlich sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den beiden Zuständigkeitsgebieten.

Wie Mario Draghi die Lage einschätzt, hat er am vergangenen Donnerstag bei der EZB-Pressekonferenz mehrmals deutlich zum Ausdruck gebracht. Nach seinen Aussagen ist die EZB gewillt, das aktuelle Zinsniveau noch für lange Zeit beizubehalten und das zwingt natürlich alle Kreditinstitute, die Negativzinsen zukünftig auch an Privatkunden weitergeben zu müssen. Hatte man früher das Gefühl, dass Banken und Sparkassen um Kunden buhlten, so könnte man inzwischen den Eindruck gewinnen, dass man sie abschrecken möchte. Zumeist gilt das nur für größere Geldbeträge.

Aber die Volksbank Reutlingen hat mit ihrem neuen Preisverzeichnis zumindest die Voraussetzungen geschaffen, um Kunden sogar bei auf Guthaben Basis geführten Girokonten bzw. bei Festgeldern von Privatpersonen ab 10.000 Euro einen Strafzins von 0,5 Prozent in Rechnung stellen zu können. Noch betonen die Verantwortlichen, dass es sich hierbei lediglich um einen Vorratsbeschluss handelt und man davon bisher nicht Gebrauch mache. Aber schon bald werden andere Banken diesem Beispiel folgen müssen, um finanziellen Schaden abzuwenden.

Auch wenn der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, noch vor einigen Monaten Negativzinsen für Privatpersonen gänzlich von sich gewiesen hat, so hören sich seine heutigen Kommentare anders an. Heute spricht er nur noch davon, dass Sparkassen einen solchen Schritt nicht wollen und man sich mit der ganzen Kraft dagegen stemmt – auch zu Lasten der eigenen Ertragslage. So ändern sich die Zeiten!

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