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Robert Halver: Erholung der Emerging Markets und Sorgen um China?

Düsseldorf, 14.08.2017 13:09 Uhr (Robert Halver)

Ist die Erholung der Schwellenländer, man spricht bereits von Re-Emerging Markets, gefährdet? UND: Für Irritationen sorgen zwischenzeitlich chinesische Konjunkturnachrichten.

Durch die Dollar-Abwertung gegenüber den Währungen der Schwellenländer gerieten die Aktienmärkte der Schwellenländer im typischen Gegenlauf wieder in den Anlegerfokus. Zunächst verbilligt sich der Schuldendienst der Emerging Markets, in denen Kredite mehrheitlich auf US-Dollar-Basis aufgenommen werden. Zudem nimmt die Dollar-Schwäche der Kapitalflucht aus den Schwellenländern nach Amerika den Reiz. Im Gegenteil, über Währungsgewinne kommt es sogar zu spürbaren Kapitalzuflüssen mit Aktienkursgewinnen an den Aktienmärkten Asiens und Südamerikas. Mit Kursgewinnen von knapp 23 Prozent seit Jahresbeginn befindet sich der MSCI Emerging Markets Index im Bullenmarkt.

Robert Halver Chart Emerging Markets

Da sich Trends an den Devisenmärkten oft hartnäckig halten, dürfte die Unterstützung durch die US-Dollar-Schwäche noch anhalten. Diese Entwicklung begünstigen die abgeschwächten Zinserhöhungsphantasien der Fed. Die Finanzmärkte beziffern die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Leitzinserhöhung bis Jahresende mit deutlich unter 40 Prozent.

Signal eines gestärkten Vertrauens in die Schwellenländer ist ebenso die Erholung der zwischen 2014 und 2016 deutlich geschrumpften Devisenreserven. Der Druck, Buchgewinne auf ausländische Wertpapiere zu realisieren, um sie zur Stützung der Währung und damit der Binnenkonjunkturen einzusetzen, hat sich abgeschwächt.

Die abnehmende Risikoaversion gegenüber Schwellenländern zeigt sich nicht zuletzt in sinkenden bzw. verhaltenen Renditen für Staatsanleihen der Schwellenländer. Trotz latenter Regierungskrise sticht hier vor allem Brasilien positiv hervor.

Muss man sich um China Sorgen machen?

Für Irritationen sorgen zwischenzeitlich chinesische Konjunkturnachrichten. Chinas Exportstimmung zeigt sich in der Tat volatil. Auch das tatsächliche Exportwachstum gab zuletzt nach. Von einer spürbaren Exporteintrübung geht man in China jedoch nicht aus. Zum einen hat sich die Weltkonjunktur stabilisiert. Und zum anderen hat der US-Handelsprotektionismus an Drohpotenzial verloren, weil Trumps eigene republikanische Partei diesem kritisch gegenübersteht.

Wie in westlichen Industrieländern setzt im Übrigen auch China auf lockere Geldpolitik. Sie soll Probleme aus der Transformation vom Schwellen- zum Industrieland, der Immobilienblase und der Überschuldung von Unternehmen und Banken entschärfen. Und Peking dient sie als willkommener Finanzierer stattlicher Ausgabenprogramme.

Betrachtet man den ökonomischen Überraschungsindex der Citigroup für China - er misst positive bzw. negative Abweichungen der tatsächlich berichteten Konjunkturdaten von den zuvor getroffenen Analysteneinschätzungen - zeigt sich im Trend eine Stabilisierung, der auch mit dem privaten, staatlich nicht geschönten Einkaufsmanagerindex harmonisiert.

Das gilt im Übrigen auch für die Geldpolitik anderer großer Schwellenländer. Im Gegensatz zu Fed und EZB ist dort der Zinssenkungszyklus noch intakt und stützt Konjunktur und Aktienmärkte, ohne die Währung allerdings zu schwächen.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:
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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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