Nach der EZB Nullzinsentscheidung rotieren die Anleger auf den Finanzmärkten. Klaus Stopp von der Baader Bank stellt ausgewählte Player am Anleihenmarkt vor. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
24.03.2016 11:12 Uhr
FINANZMARKTANALYSE ANLEIHEN

Baader Anleihen News | Deutsche Bank unter Beobachtung

Frankfurt am Main, 24.03.2016 11:12 Uhr (Klaus Stopp)

Vor dem Hinter­grund der Verlust­mel­dungen bei der Deut­schen Bank nimmt Moody's die Bonität der Bank unter die Lupe. So hat die US-Ratin­g­agentur dem Institut avisiert, seine Einschät­zung für deren Kredit­wür­dig­keit abzu­senken. Dazu zählten das Lang­fristra­ting (A2) und das Rating für vorrangig unbe­si­cherte Verbind­lich­keiten (Baa1).

Informationen zum Autor:
Klaus Stopp
Klaus Stopp ist Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.

Schon jetzt sehen die Experten Kreditpapiere der Deutschen Bank nur als durchschnittlich gute Anlage an. Eine eventuelle Senkung des Ratings würde laut Moody’s aber nur um eine Stufe erfolgen. Ein Abgleiten in den Bereich der spekulativen Anlagen droht folglich nicht. Dafür müsste Moody's die derzeitige Bonitätsstufe schon um drei Stufen senken.

Als Grund für ihre Überlegungen nennt die Ratingagentur zunehmende Hürden bei den Bemühungen der Deutschen Bank, die Profitabilität in den nächsten drei Jahren zu stärken und zu stabilisieren. Denn Gegenwind bei Erlösen und Ausgaben könnten zu einer Verzögerung bei der angestrebten Verbesserung führen.

Indessen hat das Geldhaus angekündigt, zumindest vorerst keine weiteren Coco-Bonds zu begeben. Diese neuartigen eigenkapitalähnlichen Anleihen seien „aktuell keine attraktive Option“, hatte Finanzvorstand Marcus Schenck der „Börsen-Zeitung" gesagt. Ursprünglich hatte das Institut beabsichtigt, über Coco-Bonds ab 2016 weitere 3 bis 5 Mrd. € aufzunehmen.

Die bereits gehandelten Cocos der Deutschen Bank hatten im Februar vorübergehend stark an Wert verloren, weil viele Anleger sich darum sorgten, ob die Bank nach dem Rekordverlust von 2015 die versprochenen Zinsen auf die 2014 ausgegebenen Papiere zahlen kann.

Weitere Neuigkeiten aus dem Anleihenmarkt

Anheuser-Busch nimmt einen großen Schluck aus der Pulle

Um die Übernahme des zweitgrößten Brauereikonzerns SAB Miller bewerkstelligen zu können, hat sich die US-amerikanische Brauerei Anheuser-Busch der Hilfe der Anleger bedient und insgesamt 13,25 Mrd. € mittels 6 neuer Bonds refinanziert. Die Ausstattung der einzelnen Tranchen richtet sich nach der Laufzeit und stellt sich folgendermaßen dar: A18ZDM / 2020 als Floater (3-Monats-Euribor +75 bps), A18ZDN / 2020 mit 0,625% p.a., A18ZDP / 2022 mit 0,875% p.a., A18ZDQ / 2025 mit einer Zinszahlung von 1,5% p.a., A18ZDR / 2028 als 2%er und nicht zuletzt A18ZDS / 2036 mit einem Kupon von 2,75%. Bei allen Anleihen wurde der für Privatanleger interessante Nominalbetrag von 1.000 € als Mindestanlagesumme festgelegt und mit Ausnahme des Floaters wurde auch immer ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen aufgenommen.

Aber auch der deutsche Baustoffhersteller HeidelbergCement war am Primärmarkt aktiv und refinanzierte 1 Mrd. € im Rahmen einer 7-jährigen Anleihe (A2AASH) mit einer Mindeststückelung von 1.000 €. Das Unternehmen zahlt dem Investor einen jährlichen Kupon in Höhe von 2,25% bis zum Laufzeitende am 30.03.2023. Das Papier wurde mit 99,616% bzw. einem Emissionsspread von +246,9 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe begeben. Auch diese Anleihe ist mit einem optionalen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) ausgestattet.

Baader Bonds Market Klaus Stopp Monitore

Das Stehaufmännchen

Wer seit Anfang März auf eine nachhaltige Korrektur des Euro-Bund-Future gesetzt hatte, musste inzwischen einsehen, dass das Rentenbarometer als „Stehaufmännchen“ bezeichnet werden kann. Trotz zwischenzeitlicher Schwächephasen tendiert es bereits seit Jahren langfristig nur in eine Richtung: Gen Norden. Noch ist zwar das Hoch vom 29.02. bei 164% etwa einen Prozentpunkt entfernt, aber das sind in Zeiten der „Geldschwemme“ nur Peanuts. Die Anschläge von Brüssel und die Aussicht auf Interventionen der EZB lassen viele Investoren die Scheu verlieren, auf einem Niveau zu investieren, das früher nicht für möglich gehalten wurde.

Wo die Logik aussetzt, kommt die Charttechnik ins Spiel! Im Windschatten der Fed-Entscheidung hat sich der Juni-Kontrakt wieder peu à peu von 161,09% bis auf 163,05% erholt und setzt nun zum Test der bisherigen Höchstmarke bei 164% an. Doch es gibt nicht nur Widerstandslinien, sondern auch Unterstützungslinien. Eine erste verläuft bei 161,80% (mehrere Hochs und Tiefs Ende Januar) und eine zweite bei 160,81% (Tief vom 10.03.).

Die Vermeidung von Strafzinszahlung hat oftmals höchste Priorität und dadurch werfen deutsche Staatstitel bis zu einer Fälligkeit im Jahre 2024 bereits Negativrenditen ab. Dies wird sicherlich so lange so bleiben, bis zum Verkauf anstehendes Material die Nachfrage der EZB und ihrer nationalen Partner übersteigt. Und das kann noch dauern. Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 163,03%.

Bund refinanziert sich für 30 Jahre bei 0,94%

In der Karwoche wurden in Euroland Kapitalmarktemissionen im Volumen von ca. 15 Mrd. € begeben. Den Auftakt machte die Slowakei mit der Aufstockung diverser Altemissionen (A1HLL8 / 2018 ; A1HCKU / 2024 ; A1ZB9Q / 2029) und die Niederlande sammelten mittels einer neuen 10-jährigen Anleihe (A1VNKY) ca. 5,7 Mrd. € ein. Am gestrigen Mittwoch erhöhte auch Portugal das Emissionsvolumen zweier Anleihen (A0DY6V / 2021; A1ZPDR / 2030) und Deutschland stockte die aktuelle 30-jährige Anleihe (110234) um 1 Mrd. € auf 15 Mrd. € auf. Die technisch unterzeichnete Anleihe - es lagen nur Bietungen über nominal 972 Mio. € vor - wurde bei einer Durchschnittsrendite von 0,94% zugeteilt. Trotz der geringen Nachfrage wurden lediglich 190 Mio. € zur Marktpflege zurückbehalten.

In den USA hingegen wurden in dieser ebenfalls verkürzten Handelswoche die üblichen Geldmarkttitel (4 Wochen, 3 und 6 Monate) für insgesamt 117 Mrd. USD und 2-jährige T-Notes als Floater für 13 Mrd. USD aufgelegt. In der kommenden Woche werden neben den T-Bills auch wieder T-Notes mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren emittiert.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten. Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich. Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber: Baader Bank AG Weihenstephaner Str. 4 85716 Unterschleißheim Deutschland www.baaderbank.de

Redaktion: Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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