Die Finanzmärkte schauen heute gebannt auf die Ergebnisse der EZB. Wie reagiert der Anleihenmarkt auf die neue Zinspolitik? Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
10.03.2016 10:39 Uhr
MARKTDATEN ANLEIHEN

Baader Bank Anleihenexperte | Euro-Bund-Future Händler vor der EZB Entscheidung

Frankfurt am Main, 10.03.2016 10:39 Uhr (Klaus Stopp)

Nun ist es endlich soweit. Super-Mario wird heute liefern und die Euro-Bund-Future Händler werden versu­chen auf der sich daraus erge­benden Welle zu surfen. Wie hoch die Wellen schlagen werden, hängt insbe­son­dere von der Wort­wahl des EZB-Präsi­denten ab

Informationen zum Autor:
Klaus Stopp
Klaus Stopp ist Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.

Doch eines kann man vorhersagen: Das durch den Rollover entstandene Gap von über 2,5 Prozentpunkten wird nicht geschlossen werden. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Börsianer mit ihren sehr hohen Erwartungen an die Ergebnisse der Sitzung enttäuscht werden und es zu Gewinnmitnahmen kommen wird. Denn immer nur auf die Kaufkraft der EZB zu setzen und jeden Hinweis auf zusätzliche Liquidität mit einem Anstieg des Rentenbarometers zu koppeln, wird sich früher oder später als Trugschluss erweisen.

Infolge des Kontraktwechsels ist es angebracht, die Chartanalyse zu bemühen. Hierbei ergibt sich eine erste Unterstützungslinie bei 162,11 Prozent (Tiefs Ende Februar und Anfang März) und eine zweite im Bereich von 161,23 Prozent (Tiefs Anfang/Mitte Februar). Nach oben bildet die Marke von 164,00 Prozent nicht nur eine psychologische Hürde, sondern stellt auch mit dem Hoch vom 29. Februar einen echten Widerstand dar.

Coca Cola löscht Durst

In der Hoffnung, dass viele Investoren - entsprechend der Werbung - mit Coca Cola den Moment genießen, hat sich der US-amerikanischen Hersteller von Erfrischungsgetränken entschlossen, eine Unternehmensanleihe am Kapitalmarkt zu begeben.

So wurde ein 8 1/2-jähriger 600 Mio. Euro schwerer Bond (A18YV1) mit Fälligkeit am 11.11.2024 und einer jährlichen Zinszahlung von 1,875% aufgelegt. Der Emissionspreis (99,671%) entsprach einem Spread von +150 bps über Mid Swap. Coca Cola entschied sich bei dieser Anleihe für eine 100.000er Mindeststückelung und zielt somit verstärkt auf institutionelle Kunden ab.

Aber es gab auch einen Emittenten, der sich bei seinen Anleihen für die „privatanleger-freundliche“ Stückelung von 1.000 € entschied. So stillte der deutsche Kunststoffhersteller Covestro seinen Kapitaldurst mit einem Dreierpack an neuen Anleihen zu jeweils 500 Mio. €. Zuerst wurde ein 2-jähriger Floater (A169MF) zu pari begeben. Gezahlt wird bis zum Laufzeitende am 10.03.2018 ein vierteljährlicher Kupon in Höhe des 3-Monats-Euribor +60 bps. Der zweite Bond wurde als 5 1/2-jährige Anleihe (A169MG) mit Fälligkeit am 07.10.2021 und einem jährlichen Kupon von 1% aufgelegt. Der Emissionspreis von 99,586% entsprach einem Spread von +146,6 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe. Das Tripple komplettiert eine 8 1/2-jährige Anleihe (A169MH) mit Fälligkeit am 25.09.2024. Der Bond wurde mit 99,736% emittiert und mit einem jährlichen Zins i.H.v. 1,75% ausgestattet. Dies entsprach einem Aufschlag von +182 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe. Die beiden zuletzt genannten Anleihen verfügen über ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Athen zahlt für 91 Tage 2,7 Prozent p.a

In dieser Handelswoche hat sich Griechenland am Geldmarkt für 91 Tage neue finanzielle Mittel besorgt. Hierbei konnten 1,3 Mrd. € zu einer Rendite von 2,7% aufgenommen werden. In den übrigen Euroländern stockten sowohl Deutschland als auch Österreich zwei Anleihen (A0GL3F / 2021 ; A18X6P / 2026) auf. Österreich vereinnahmte damit insgesamt 1 Mrd. € und Deutschland erhöhte planmäßig das Emissionsvolumen der 10-jährigen inflationsindexierten Anleihe (103056) um 500 Mio. € auf insgesamt 6,5 Mrd. €. Die Zuteilung der deutlich überzeichneten Emission erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,72%. Die am gestrigen Mittwoch um 4 Mrd. € auf 9 Mrd. € aufgestockte 2-jährige Bundesschatzanweisung (110463) wurde bei einer Durchschnittsrendite von -0,55% abgerechnet. Den Schlusspunkt setzt am Freitag Italien mit einer Begebung einer neuen 7-jährigen Anleihe. In Anbetracht der Tatsache, dass Italien auch in diesem Jahr die Defizitregeln nicht einhalten wird, wartet man gespannt auf die Reaktion der Investoren.

In den USA hingegen konnten Kapitalsammelstellen in dieser Woche unter Wertpapieren mit diversen Laufzeiten auswählen. So wurden 60 Mrd. USD als 4-Wochen-, 37 Mrd. USD als 3-Monat- und 30 Mrd. USD als 6-Monat-T-Bill aufgelegt. Für an längeren Laufzeiten interessierten Anlegern waren allerdings auch 24 Mrd. USD als 3-jährige- sowie 20 Mrd. USD als 10-jährige-T-Note und 12 Mrd. USD als 30-jährigen-T-Bond im Angebot.

Euro im Bann der EZB

In der vergangenen Berichtswoche hatte die europäische Gemeinschaftswährung ihrem amerikanischen Pendant wenig entgegenzusetzen und stand klar auf der Verliererseite. Der Start in die neue Handelswoche jedoch verlief für die Einheitswährung Europas deutlich freundlicher. Der Euro war aufgrund der Verunsicherung um die Wirtschaft Chinas als sicherer Hafen gesucht. So stieg der Eurokurs in der Spitze bis auf 1,1057 USD, nachdem er die Woche zuvor noch um die Marke von 1,0850 USD gehandelt wurde. Im Vorfeld der heutigen EZB-Ratssitzung halten sich die Anleger etwas bedeckt und harren der Dinge, die da noch kommen werden. Aktuell notiert der Euro bei 1,0980 USD.

Aus Sorge um China standen gegenüber dem Greenback insbesondere Währungen unter Druck, die wirtschaftlich eng mit dem Reich der Mitte verbunden sind. So verlor beispielsweise der australische Dollar im Vergleich zum Greenback erheblich an Wert und notierte sogar bei 0,7527 AUD, einem Niveau das zuletzt Anfang Juli vergangenen Jahres erreicht wurde. Aber zur Freude Australiens gibt es noch Euroland. Gegenüber dem Euro konnte der Aussie-Dollar kräftig zulegen und markierte mit 1,4591 AUD sogar ein neues Jahreshoch.

In der Gunst der Privatanleger standen in dieser Handelswoche Währungsanleihen lautend auf australische Dollar, brasilianische Real sowie norwegische Kronen. Die Palette der ebenfalls stark nachgefragten US-Dollar-Anleihen wurde am gestrigen Mittwoch um 7 Anleihen von Berkshire Hathaway erweitert, wovon ab heute bereits 5 Anleihen von uns gepreist werden. Die Emissionen im Gesamtvolumen von 9 Mrd. USD waren 3-fach überzeichnet.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten. Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich. Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber: Baader Bank AG Weihenstephaner Str. 4 85716 Unterschleißheim Deutschland www.baaderbank.de

Redaktion: Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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