Steen Jakobsen stellt den Finanzmarktausblick der Saxo Bank Ökonomen für das erste Quartal 2016 vor. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
12.01.2016 12:00 Uhr
GLOBALE FINANZMÄRKTE

Chefökonom Steen Jakobsen | Finanzmarktprognose für Q1 2016

Kopenhagen, 12.01.2016 12:00 Uhr (Gastautor)

Mit der Anhe­bung des Leit­zinses durch die US-Noten­bank im Dezember 2015, der ersten Zins­er­hö­hung seit über neun Jahren, fand ein Para­dig­men­wechsel statt. Steen Jakobsen von der Saxo Bank unter­sucht im Finanz­mark­t­aus­blick für Q1, wie die verschie­denen Anla­ge­formen netto auf Ände­rungen während des Zins­zy­klus reagieren.

Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank, erklärt: „Der Start ins neue Jahr gestaltet sich schwierig. Das erste Quartal ist von Unsicherheit, erhöhter Volatilität und Rätselraten im Hinblick auf das weitere Vorgehen der Fed geprägt. Mit Blick auf die größeren Zusammenhänge lässt sich jedoch feststellen, dass wir uns im Übergang auf ein Modell befinden, das sich an den Grenzkosten für Kapital orientiert. Das ist zu begrüßen.“

„Die Zinserhöhungen der Fed sind nicht etwa ein Zeichen der Schwäche, sondern dafür, dass es wieder aufwärtsgeht. Im Zuge der Marktanpassung wird das Jahr 2016 Investoren, die von der Wachstumsentwicklung profitieren möchten, außerordentlich attraktive Gelegenheiten bieten.“

Vor diesem Hintergrund lauten die Prognosen der Saxo Bank für Q1 2016 im Hinblick auf die wichtigsten Anlageformen wie folgt:

Rohstoffe

Q1 könnte sich für den Ölpreis im Zyklusverlauf durchaus als das schwierigste Quartal erweisen. Die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran könnte indes die Exporte ankurbeln: zunächst durch Freigabe der Erdölvorräte in schwimmenden Lagern und dann, indem das im Markt bereits bestehende Überangebot pro Tag um 500.000 Barrel ausgeweitet wird. In den USA steigen die Lagervorräte tendenziell in den ersten vier Monaten des Jahres. Das könnte den Druck auf Cushing erhöhen, den Ort im US-Bundesstaat Oklahoma, an dem physisches US-Leichtöl formal gegen WTI Rohöl-Futures angeboten wird.

Nicht zuletzt wird das erste Quartal auch für Edelmetalle schwierig werden. Investoren dürften die höheren Zinsen in den USA sowie die anhaltende quantitative Lockerung in Europa und China als Kaufgelegenheit für den Dollar nutzen.

Devisen

Die Fed dreht nunmehr wieder an der Zinsschraube. Damit hängen die Aussichten für die globalen Märkte sowie Währungen, unabhängig von ihrem Stellenwert, davon ab, ob und inwieweit die Fed weitere Zinserhöhungen umsetzt und wie der Markt im Vorgriff auf diese Zinsschritte reagiert. Eine weitere Dollar-Stärke ist daher naheliegend. Die Fed führt derzeit das Feld an, was die Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik in den Jahren seit der globalen Finanzkrise betrifft.

Anleihen

Beim Start ins neue Jahr wird ein Thema beherrschend sein und die Anlegerschaft weltweit in Atem halten: der Kreditfaktor. Der Abschied von der Nullzinspolitik bedeutet zwangsläufig, dass die Kreditkosten die Wertentwicklung national und international als auch auf Unternehmensebene prägen werden. Sollte sich die Konjunktur im ersten Quartal überraschend positiv entwickeln, macht es Sinn im Portfoliokontext eine Short-Position in Bundesanleihen beizumischen.

Aktien

Sofern die Aktienmärkte von den Ausstrahlungseffekten der Energiemärkte sowie der Kreditklemme im Bergbau verschont bleiben – und darauf basiert unser Szenario –, dann dürfte 2016 ein gutes Jahr werden: Faktoren wie die Abflachung der USD-Renditekurve, negative Zinsen auf europäische Staatsanleihen bei Laufzeiten von bis zu fünf Jahren und kurz laufende japanische Staatsanleihen werden das Investmentumfeld bestimmen.

Makro

Zwar dürfte die Weltwirtschaft die erste US-Zinserhöhung seit einer Dekade verkraften, doch werden perspektivisch wohl eher die entwickelten Volkswirtschaften als die Emerging Markets profitieren. Bis auf Weiteres sollten sich die steigenden Kapitalkosten nicht nur negativ auswirken; das Weltwirtschaftswachstum dürfte jedenfalls eine höhere Dynamik entwickeln.

Europa

Polen galt bislang als solide, rezessionsresistente und gut entwickelte Volkswirtschaft. Andererseits stellt der Anstieg der Kapitalkosten, vor allem im Hinblick auf den Energiesektor, weiterhin ein Risiko dar. Wir gehen davon aus, dass die polnische Wachstumsdynamik 2016 wohl zurückgehen wird.

Asien-Pazifik

Mit dem chinesischen Neujahr in Q1 beginnt das Jahr des roten Feueraffen. Damit könnte das Jahr im Zeichen von Unruhe, Ambition und gesteigerter Volatilität stehen. Verwerfungen und Fragmentierungen werden 2016 noch ausgeprägter sein. Hier machen sich in einem bereits schwierigen Umfeld insbesondere geopolitische Risiken bemerkbar. Potenziell könnte die Weltwirtschaft an Schwung verlieren.

(Quelle: Saxo Bank)

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