Der belgische Warenkreditversicherer Credendo sieht für die Destination Kenia ein moderates Risiko für Wirtschaftsgeschäfte. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
30.12.2017 11:15 Uhr
RISIKEN FÜR DIE AUSSENWIRTSCHAFT

Credendo Destination Ausblick Kenia: Notwendige Wirtschaftsreformen

Wiesbaden/Düsseldorf, 30.12.2017 11:15 Uhr (Gastautor)

Markt­kom­mentar zur Desti­na­tion Kenia vom belgi­schen Kredit­ver­si­cherer Credendo: Poli­ti­sche Turbu­lenzen könnten notwen­dige Wirt­schafts­re­formen behin­dern. UND: Starkes BIP-Wachstum beruht vorrangig auf Auslands­kre­diten.

Die politische Situation in Kenia ist derzeit turbulent. Im August waren die Präsidentschaftswahlen überraschend für ungültig erklärt worden. Die Opposition verweigerte jedoch ihre Teilnahme an den Neuwahlen, da sie mit den gleichen Missständen rechnete wie bei den Wahlen zuvor. Zwar ist derzeit nicht zu erwarten, dass die Situation wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führt, wie es etwa bei den Wahlen 2007 der Fall war, allerdings untergraben die politischen Unruhen die Glaubwürdigkeit von Präsident Uhuru Kenyatta. „Dies könnte die Fähigkeit und Bereitschaft der Regierung, die dringend notwendigen Wirtschaftsreformen und Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung durchzusetzen, erheblich beeinträchtigen“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credendo.

Credendo Destination Aussenwirtschaft Kenia

Wirtschaftswachstum beruht auf fremdfinanzierten Infrastrukturprojekten

Seit einigen Jahren weist Kenia ein starkes Wirtschaftswachstum auf, im Schnitt lag es zwischen 2007 und 2016 bei 4,9 Prozent. Grund dafür sind die umfangreichen Infrastrukturprojekte, in die Kenia erhebliche Beträge investiert. „Diese Projekte bilden das Kernstück der Wirtschaftspolitik der aktuellen Regierung“, erklärt Witte. So weihte die kenianische Regierung im Mai die 3,8 Milliarden US-Dollar teure Eisenbahnstrecke von Mombasa nach Nairobi ein, gleichzeitig erweitert sie die Hafenkapazitäten in Lamu und Mombasa, baut mehrere große Kraftwerke und modernisiert die kenianischen Flughäfen. Diese Projekte fußen auf der Entwicklungsstrategie „Vision 2030“, welche die Regierung 2008 auf den Weg brachte und das Ziel verfolgt, dass sich das Land bis 2030 zu einem Industriestaat mit mittlerem Einkommen entwickelt. Allerdings führen die hohen Infrastrukturinvestitionen zu einem steigenden Zwillingsdefizit, da das Leistungsbilanzdefizit überwiegend durch Auslandskredite finanziert wurde und auch das Haushaltsdefizit durch das umfangreiche öffentliche Investitionsprogramm deutlich angestiegen ist.

Zwar ist das Leistungsbilanzdefizit aufgrund niedriger Ölpreise sowie niedrigerer investitionsbezogener Importe zwischen 2014 und 2016 von 10,4 Prozent auf 5,4 Prozent zurückgegangen, in den kommenden Jahren dürfte es durch einen wahrscheinlichen Anstieg der Importe jedoch wieder steigen. Zudem könnten die Kosten für die Neuwahlen sowie die Auswirkungen der darauffolgenden Spannungen im Land einen Aufschub der dringend notwendigen Haushaltskonsolidierung bewirken. Darüber hinaus hat das umfangreiche Haushaltsdefizit, welches 2016 bei 8,7 Prozent des BIP lag, zu einem starken Anstieg der Staatsverschuldung geführt – von 43,9 Prozent des BIP 2012 auf 52,6 Prozent Ende 2016. Gleichzeitig nimmt auch die Bruttoauslandsverschuldung zu. So ist diese Ende 2016 auf über 40 Prozent des BIP angestiegen. Bei etwa 60 Prozent der Auslandsverschuldung handelt es sich um Staatsschulden. „Noch besorgniserregender ist aber, dass das Verhältnis der Auslandsschulden zu den Leistungsbilanzeinnahmen im vergangenen Jahr auf nahezu 220 Prozent angeschwollen ist“, so Witte. „Dies zeigt das Kernproblem des kenianischen Wachstums. Das starke BIP-Wachstum beruht vorrangig auf Auslandskrediten und konnte bisher kein gleichermaßen starkes Wachstum der Exporteinnahmen bewirken. Angesichts der Tatsache, dass die Auslandsschulden in ausländischer Währung zurückzuzahlen sind, stellt sich die Frage, wie das Land diese Kosten aufbringen wird.“

Credendo Kenia Risikobewertung

Credendo schätzt das kurzfristige politische Risiko für Kenia als moderat bis hoch ein (4 auf einer Skala von 1 bis 7). Das Geschäftsrisiko wird weiterhin als hoch bewertet (C auf einer Skala von A bis C).

(Quelle: Credendo ist auf dem gesamten europäischen Kontinent in allen Bereichen der Kreditversicherung tätig und bietet mit ihren Produkten weltweiten Versicherungsschutz: belgische Exportkreditagentur-Leistungen, Warenkreditversicherung zur Deckung von europäischen und außereuropäischen Risiken, Einzelrisiken, Excess of loss, Top up, Bürgschaften sowie Rückversicherung. Im Jahr 2016 versicherte Credendo Handelstransaktionen im Wert von 80 Milliarden Euro und fakturierte Prämien in Höhe von 370 Millionen Euro. Credendo ist die viertgrößte Kreditversicherungsgruppe in Europa.)

 

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