Das Beratungsprotokoll für die Anlageberatung soll nun abgeschafft werden. Was denken Anleger über die Regulierungen von Finanzprodukten? Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
10.03.2016 10:05 Uhr
STRUKTURIERTE FINANZPRODUKTE

Derivatekolumne Lars Brandau | Regulierung von Finanzprodukten

Frankfurt/Main, 10.03.2016 10:05 Uhr (Lars Brandau)

Die Finanz­markt­krise war für das gesamte Wert­pa­pier­ge­schäft ein herber Einschlag. Das galt nicht nur für die Märkte selbst, auch der Rechts­rahmen änderte sich in der Folge gravie­rend.

Informationen zum Autor:
Lars Brandau
Lars Brandau ist Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes.

Ganz oben auf der Agenda stand und steht der Schutz des Anlegers und Verbrauchers. Daraus ist mitunter eine fast schon falsch verstandene staatliche Fürsorgepflicht geworden. Die Anlageberatung wurde festgezurrt und standardisiert. Die Aufseher waren sich damals wohl sicher, dass ein Mehr an Regulierung auch ein Mehr an Anlegerschutz bedeutet. Der Investor sollte an die Hand genommen werden und nur das kaufen, was er wirklich versteht und braucht. Ein Produktinformationsblatt sollte Verbrauchern die Orientierung im Finanzdschungel erleichtern, der sogenannte "Beipackzettel" für Finanzprodukte.

Hintergrund war auch, dass den Finanzdienstleistern in der Vergangenheit oftmals der Vorwurf gemacht wurde, mehr an das eigene Wohl, als an die Kundenbedürfnisse zu denken. Kurze Zeit später wurden die Finanzinstitute aufgefordert, die Produktinformationsblätter nachzubessern. Die Anleger sollten verständliche Informationen bekommen, um darauf aufbauend Finanzprodukte auch vergleichen zu können. Das bedeutete einen immensen, mit hohen Kosten verbundenen regulatorischen Aufwand für die Banken.

Heute weiß jeder, dass auch die beste Produktinformation eine wie auch immer geartete Falsch- oder Schlechtberatung nicht gänzlich abwenden kann. Dokumente sind eben nur Puzzleteile im Gesamtsystem des Beratungsgeschäfts.

Derivate Verband Umfrage Finanzprodukte Regulierung

Der Deutsche Derivate Verband ging dem Informationsgehalt einzelner Dokumente auf den Grund. Und die Ergebnisse der monatlichen Online-Trend-Umfrage sind eindeutig. Annähernd die Hälfte der Privatanleger in Deutschland vertritt die Ansicht, dass die verschiedenen zur Verfügung gestellten Dokumente zur Erklärung von Finanzprodukten letztlich kaum den gewünschten Mehrwert liefern. Immerhin 30 Prozent sprechen sich für das Produktinformationsblatt als geeignetste Wissensquelle zu einem Finanzprodukt aus. 16 Prozent erkennen im Prospekt das für sie beste Dokument. Lediglich 5 Prozent sprechen sich in diesem Zusammenhang für das Beratungsprotokoll aus.

Wenige Jahre nach seiner Einführung soll nun das Beratungsprotokoll bei Geldanlagen abgeschafft und durch die Geeignetheitserklärung ersetzt werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich das neue Dokument in der Praxis besser bewährt. Sicher ist hingegen, dass dem Investoren nicht gedient ist, wenn aus regulatorischen Gründen das mögliche Anlageuniversum derart eingeschränkt wird, sodass viele kapitalmarktnahe Produkte nicht mehr in Frage kommen. Um dem Anlageberater auf Augenhöhe zu begegnen und die Altersvorsorgeproblematik anzugehen, ist für jeden Anleger eine fundierte Finanzbildung erforderlich. Diese sollte idealerweise bereits in der Schule beginnen und über das Grundlagenwissen einzelner Geldanlageformen hinausgehen. Nur so wird Sicherheit und Vertrauen gefördert. Eine Papierflut ist dagegen nur bedingt hilfreich.

Disclaimer
Veröffentlichungen und Mitteilungen über Finanzprodukte und Kapitalmarktanalysen dienen der Informationsgebung, entweder durch Dritte oder durch eigene Beschreibungen. Die hier aufgeführten Äußerungen, Analysen und Produktbewertungen sind ausschließlich Meinungen und Ansichten des Herausgebers bzw. Produktgebers. FMM-Magazin.de führt keine Finanzberatung durch, ruft nicht zum Erwerb oder zum Verkauf von Anlageprodukten oder Wertpapieren auf. Interessierte Anleger sollten sich grundsätzlich Emissions-/Produktprospekte genau anschauen. Die Aufsichtsbehörde für das Versicherungs- und Finanzwesen ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn.

 

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