Stefan Breintner, stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG ist der Meinung, das der Markt für Rohstoffe weiterhin Chancen bietet. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
29.05.2018 14:28 Uhr
DER MARKT FÜR ROHSTOFFE

DJE Kapital AG Aktien Rohstoffe | Metall und Energie Top Gold eher Flop

Pullach bei München, 29.05.2018 14:28 Uhr (Stefan Breintner)

Der Markt für Rohstoffe hat sich in den letzten zwölf Monaten insge­samt gut entwickelt. Über­zeugen konnten vor allem die Aktien von diver­si­fi­zierten Minen­kon­zernen bzw. Metall­pro­du­zenten. Der Einfluss der Elek­tro­mo­bi­lität auf den Rohstoff­sektor könnte massiv unter­schätzt werden.

Informationen zum Autor:
Stefan Breintner
Stefan Breintner ist Erstanalyst für die Sektoren Rohstoffe, Chemie und Öl & Gas bei der DJE Kapital AG.

Autor ist Stefan Breintner, stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement sowie Erstanalyst für die Sektoren Rohstoffe, Chemie und Öl & Gas bei der DJE Kapital AG.

Die Aussichten für diversifizierte Minenkonzerne und Metallproduzenten bleiben weiter gut. Die Vorstandsvorsitzenden der weltweit größten Rohstoffkonzerne wie z.B. Anglo American, BHP Billiton, Glencore oder Rio Tinto zeigten sich zuletzt auf einer der führenden Branchenkonferenzen von Bank of America Merrill Lynch relativ zuversichtlich hinsichtlich der erwarteten Nachfrageentwicklung des global größten Rohstoffkonsumenten China. Dies gilt auch für die Nachfrageentwicklung im Rest der Welt. Titel, der diesjährigen Metals, Mining & Steel Konferenz war: „Value over volume: Delivered. Pivot to growth?“. Die Frage, ob der Sektor vor einer neuen, investitonsgetrieben Wachstumsphase steht, wurde von den meisten Unternehmensvertretern mit Nein beantwortet. So gut wie kein Unternehmen plant einen neuen Investitionszyklus und damit ein Hochfahren bzw. Erschließen neuer Projekte. Die Pipeline hinsichtlich neuer Minenprojekte ist damit weitgehend leer. Demzufolge könnten die Preise für Eisenerz, Kohle und Buntmetalle länger als erwartet auf hohen Niveaus bleiben. Dies würde die Gewinn- und die freie Cash-Flow-Entwicklung der Produzenten begünstigen und sollte daher auch positiv auf die Aktienkurse abstrahlen.

DJE Kapital AG Banner Marktanalyse Rohstoffe

Nickel: Der Place to be?

Besonders interessant erscheinen mittel- bis längerfristig die Perspektiven für Nickel. Bereits heute befindet sich der weltweite Nickelmarkt in einer sogenannten Defizitsituation. Das heißt, dass das jährliche Angebot aus laufender Produktion geringer als die Nachfrage ist. Aktuell gibt es keine großen neuen Nickelprojekte. Die Pipeline ist praktisch leer. In den kommenden Jahren könnte sich die Angebotssituation noch weiter verschärfen. Aktuell gehen konservative Marktschätzungen davon aus, dass das Angebotsdefizit bei Nickel von ca. 90.000 Tonnen im Jahr 2017 bis 2025 auf ca. 500.000 Tonnen ansteigen könnte.

Grund ist das erwartet hohe Nachfragewachstum der Batterieindustrie. Nickel wird heute noch überwiegend von der Edelstahlindustrie nachgefragt. Die Nachfrage der Batterieindustrie ist aktuell noch relativ gering, könnte sich aber bis 2025 mehr als vervierfachen. Weltweit führende Nickelproduzenten wie die russische Norilsk Nickel, der brasilianische Vale-Konzern oder Glencore mit Sitz in schweizerischem Zug rechnen damit, dass unter der Annahme, binnen der nächsten 10 Jahren entfallen ca. 30 Prozent am globalen PKW-Produktionsmix auf rein elektrisch betriebene Fahrzeuge, ca. 1,1-1,4 Mio. Tonnen pro Jahr an zusätzlicher Nickelnachfrage hinzukommen könnten.

Da 1,1 Mio. Tonnen ca. 46 Prozent der gesamten 2017er-Angebots-Kapazität von 2,4 Mio. Tonnen entsprechen, müsste eigentlich massiv in neue Projekte investiert werden, um diese erwartete Nachfrage zu decken. Vale prognostizierte auf der Metals, Mining & Steel Konferenz, dass mindestens 70 Mrd. US-Dollar zeitnah in neue Nickel-Projekte investiert werden müssten, um zukünftig nicht in ein massives Angebotsdefizit zu rutschen.

Niedrige Investitionen trotz Fantasie durch Elektromobilität?

Wie bei Nickel gibt es auch bei Kupfer praktisch keine neuen großen Green-Field Projekte. Unter Greenfield versteht man die Errichtung einer Mineninfrastruktur an einem komplett neu zu erschließenden Standort, das heißt, man muss auch Straßen, Unterkünfte fürs Personal, eine Strom- und Wasserversorgung, etc. errichten. Solche Projekte „auf der grünen Wiese“ sind teuer und zeitintensiv. Ein komplett neues Greenfield-Projekt dauert oftmals 7-10 Jahre. Zur Erfüllung einer Produktionsquote von 30 Prozent Elektroautos am globalen Produktionsmix bis 2030 werden wie bereits erwähnt vor allem immense Mengen an Nickel, Kobalt und Kupfer benötigt.

Es stellt sich die Frage, warum die Bergbaukonzerne angesichts solcher Perspektiven nicht anfangen mehr zu investieren? Dies hat zwei Gründe: Erstens liegen die interessanten, nicht erschlossenen Ressourcen oftmals in geopolitisch riskanteren Ländern wie dem Kongo (Kobalt) oder Kasachstan (Kupfer). Zweitens scheuen die Konzerne die hohen Investitionen. In den letzten 15 Jahren hat der Sektor die Nachfrageentwicklung nach Metallen zu optimistisch eingeschätzt und zu viel investiert. 2003-2015 lagen die gesamten Investitionen des Sektors bei mehr als einer Billion US-Dollar.

Als Folge dieses Investionsbooms kamen die Aktienkurse der Bergbaukonzerne vor allem im Zeitraum 2013-2015 aufgrund einer fehlenden freien Cash-Flow-Generierung und zu hoher Schulden massiv unter Druck. Die Generierung freier Überschussliquidität steht heute aber für viele Konzerne im Fokus. Deshalb wird seit 2016 signifikant weniger investiert. Die Fehler der Vergangenheit sollen sich nicht wiederholen. Als Folge dürfte das Angebot bei Nickel, Kupfer, Kobalt knapp bleiben bzw. bei 30 Prozent Elektroautoquote massiv ins Defizit rutschen. Die längerfristigen Gewinnaussichten der Bergbauindustrie könnten daher unterschätzt werden.

Unser Fazit:

Rohstoffaktien schneiden am Ende eines Konjunkturzyklus oftmals am besten ab. Im Vergleich zur Vergangenheit ist der Sektor aktuell vor allem durch eine sehr hohe Investitionsdisziplin und durch eine sich mehr und mehr leerende Projektpipeline gekennzeichnet. Setzt sich die E-Mobilität durch, dürfte es bei einigen Metallen größere Angebotsdefizite geben. Aktien gut positionierter Bergbaukonzerne erscheinen daher weiter aussichtsreich.

(Quelle: Die DJE Kapital AG ist seit über 40 Jahren als unabhängige Vermögensverwaltung am Kapitalmarkt aktiv. Das Unternehmen aus Pullach bei München verwaltet mit ca. 100 Mitarbeitern (davon rund 20 Fondsmanager und Analysten) aktuell über 12 Milliarden Euro (Stand: 30.04.2018) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds.)

Disclaimer

Veröffentlichungen und Mitteilungen über Finanzprodukte und Kapitalmarktanalysen dienen der Informationsgebung, entweder durch Dritte oder durch eigene Beschreibungen. Die hier aufgeführten Äußerungen, Analysen und Produktbewertungen sind ausschließlich Meinungen und Ansichten des Herausgebers bzw. Produktgebers. FMM-Magazin.de führt keine Finanzberatung durch, ruft nicht zum Erwerb oder zum Verkauf von Anlageprodukten oder Wertpapieren auf und führt keine Rechtsberatung durch. Interessierte Anleger sollten sich grundsätzlich Emissions-/Produktprospekte genau anschauen. Die Aufsichtsbehörde für das Versicherungs- und Finanzwesen ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn.

 

  • Finanzen
  • Rohstoffe
 
Artikel »   Drucken Versenden

 


Kommentar schreiben »



Kommentar:
Bei einer Antwort möchte ich per Email benachrichtigt werden an
      meine Emailadresse: (wird nicht veröffentlicht)

Bitte übertragen Sie die dargestellte Zeichenfolge in das rechte Feld:

* Bitte halten Sie sich an die Netikette und vermeiden persönliche Anschuldigungen, Beleidigungen und Ähnliches. Verbreiten Sie außerdem keine Unwahrheiten, Vermutungen, Gerüchte sowie rufschädigende oder firmeninterne Informationen. Beachten Sie die Rechte Anderer und urheberrechlich geschützter Quellen. Bei rechtlichen Verstößen haften Sie in vollem Umfang. Aus diesem Grund sind wir gezwungen, Ihre IP-Adresse und Ihren Provider zu speichern. Mit dem Speichern Ihres Kommentars erklären Sie sich mit diesen Regelungen einverstanden.

 

Weitere Artikel zum Thema:

nach oben
Schnelleinstieg in die Kategorien ...
LIVE Börsenindizes
Bereitgestellt von Investing.com
Finanzdaten von Sentix
Aktivste Kryptowährungen
Bereitgestellt von Investing.com
Börse - Themen Specials

Privatanleger: Sparplan oder Einmalanlage?

Google Vortrag zum Thema Finanzgeschäfte

Vortrag von Salvatore Pennino, Industry Leader Finance Google Germany. Das Thema "Next Generation Banking." Ein interessanter Einblick, welche Ideen Google hat und spannende Informationen über Hintergründe.

Finanzexperten-Forum auf FMM-Magazin.de
Thema Geldanlage: Wissen zum Trading
Aktuelle Artikel aus der Rubrik Investment
Finanzwissen - Produkte & Handelssysteme
Börse für Privatanleger
Das Xetra-Orderbuch bietet Privatanlegern Transparenz beim An- und Verkauf von Aktien

Erklärung und Handel...
 
Finanzen Markt & Meinungen - Das Praxismagazin für Finanzthemen
Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

Portalsystem 2020 © FSMedienberatung
Contentservice: Javascript Newsticker für Ihre Internetseite RSS Feed XML 0.9
0,287 Sek.