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DIW: Deutsche Unternehmen zahlen zu wenig Steuern

Dokument: Berlin, 29.05.2013 11:06 Uhr (Finanzredaktion)

Wenn das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mit seinen Berechungen richtig liegt, dann fließen pro Jahr rund 90 Milliarden Euro mehr Unternehmensgewinne in das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein, als tatsächlich versteuert werden.

Die Steuergestaltungsmöglichkeiten für die Unternehmen sind groß. So könnten etwa drohende Verluste steuerlich sofort über Rückstellungen geltend gemacht werden, Wertzuwächse müssten hingegen erst bei Realisierung versteuert werden. „Sollte die BIP-Schätzung stimmen, zahlen die deutschen Unternehmen im Durchschnitt nur etwa 21 Prozent Steuern auf ihre Gewinne und damit deutlich weniger, als vom Gesetzgeber vorgesehen“, erläutert DIW-Steuerexperte Stefan Bach.

„Wodurch dieser Unterschied zwischen den Unternehmensgewinnen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der Steuerstatistik genau entsteht, lässt sich leider nicht klären, weil zu wenig Daten der Unternehmensbilanzen statistisch erfasst werden“, so der DIW-Wissenschaftler. Auffällig sei jedoch das hohe Niveau an steuerlichen Verlusten und Verlustvorträgen. „Dies deutet auf Steuerbefreiungen, Steuervergünstigungen oder Gestaltungsmöglichkeiten hin, die systematisch zu deutlich reduzierten Besteuerungsgrundlagen führen. Mit Schätzfehlern allein lässt sich eine so große Summe jedenfalls nicht erklären.“

Detail-Klärung
Im Jahr 2008 – für spätere Jahre sind noch keine Daten verfügbar – machten die Unternehmensteuern rund ein Fünftel des gesamten deutschen Steueraufkommens aus. Etwa 111 Milliarden Euro spülte die Besteuerung von Unternehmensgewinnen in die deutsche Staatskasse. Das entsprach etwa 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zählt man auch die Einnahmen aus der Dividendenbesteuerung hinzu, so lag das Unternehmensteueraufkommen bei 122 Milliarden Euro oder 4,9 Prozent des BIP. „Laut volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung, aus der unter anderem die Schätzung des Bruttoinlandsprodukts abgeleitet wird, hätte das Steueraufkommen aber noch deutlich höher sein müssen, denn die dort ausgewiesenen Unternehmensgewinne lagen 2008 um rund 90 Milliarden Euro über den in der Steuerstatistik ausgewiesenen Gewinnen deutscher Unternehmen“, so der DIW-Steuerexperte Bach.

Zwar können die Gewinngrößen nach der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der Steuerbilanz aufgrund der Berechnungsmethoden in einzelnen Perioden erheblich voneinander abweichen, über längere Zeiträume müsste sich das aber ausgleichen. „Wir sind bei unseren Untersuchungen jedoch auf eine dauerhafte Besteuerungslücke gestoßen, die sich durch periodische Faktoren nicht erklären lässt. Vielmehr scheint es so zu sein, dass die Nutzung von Bilanzierungsspielräumen und Steuergestaltungen systematisch zugenommen hat.“

Die Steuergestaltungsmöglichkeiten für die Unternehmen seien weiterhin groß. So könnten etwa drohende Verluste steuerlich sofort über Rückstellungen geltend gemacht werden, Wertzuwächse müssten hingegen erst bei Realisierung versteuert werden. Dadurch entstünden in den Steuerbilanzen stille Reserven, die bei nur teilweiser Besteuerung von Veräußerungsgewinnen steuerschonend realisiert werden könnten.

Ausführliche Informationen auf den Webseiten des DIW.

(Quelle: DIW Berlin)

 
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