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Faule Kredite: EZB erwägt riesige Bad Bank

Dokument: Frankfurt am Main, 04.04.2017 10:46 Uhr (Klaus Stopp)

Zunehmende Sorgen bereiten den Aufsehern der Europäischen Zentralbank (EZB) die faulen Kredite der Finanzinstitute im Euroraum.

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Klaus Stopp
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank und stellt seine Analysen seit 15 Jahren vor.

Die Chefin der europäischen Bankenaufsicht, Danièle Nouy, schätzt das Volumen der ausfallgefährdeten Kredite im Euroraum auf über 900 Mrd. Euro, weshalb nicht zuletzt Investoren sich mit Engagements bei Banken zurückhalten. Umgekehrt kommen Unternehmen deshalb nicht so leicht an Kredite.

Nun hat die EZB neue Richtlinien in Kraft gesetzt, die für eine riesige Bad Bank den Weg ebnen könnten. Diese soll im Falle ihrer Umsetzung Kapital aus EU-Mitgliedsstaaten erhalten, aus denen Institute kommen, die von ihr Gebrauch machen wollen und sich zusätzlich durch eigene Anleihen finanzieren. Dann ist vorgesehen, dass die Bad Bank Kredite nicht zum Marktpreis, sondern zu ihrem realen wirtschaftlichen Wert aufkaufen soll. Der Verkauf wäre für die Finanzinstitute weniger schmerzhaft. Die EZB geht davon aus, die Kredite später zu höheren Marktpreisen wieder veräußern zu können. Sollte dies nicht möglich sein, sollen nicht die Staaten die Verluste übernehmen, die durch die Banken anderer Länder verursacht worden sind.

Der Haken an der Sache aber ist, dass die Marktpreise der faulen Kredite voraussichtlich oft gar nicht steigen werden. Dafür kann die Rechtslage verantwortlich sein. Aber auch der Umstand, dass viele faule Kredite bei Kleinunternehmern vorhanden sind, wo es kaum pfändbare Werte gibt.

Nein, anstatt eine riesige Bad Bank zu etablieren, sollte die EZB die Banken anhalten, ihre Schieflagen schneller anzugehen - und zwar eigenständig. Nur wer Tabula rasa macht, taugt für den Neuanfang.

 
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