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Roundup IKB-Bank: Die frischen Bilanzzahlen liegen vor

Dokument: Düsseldorf, 12.02.2008 10:11 Uhr (redaktion)

Die fehlgeschlagenen Engagements am US-Hypothekenmarkt haben bei der Mittelstandsbank IKB tiefe Löcher in die Bilanz gerissen.

29.04.2008
Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr (per Ende September) des abgelaufenen Geschäftsjahres 2007/08 ein Verlust von knapp einer Milliarde Euro, wie das Düsseldorfer Geldhaus am Dienstag bei der Vorlage der testierten Zahlen erläuterte. Ein Jahr zuvor hatte noch ein Gewinn von 89 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Das Neugeschäftsvolumen im Segment Firmenkunden stieg zwar auf 2,6 (Vorjahreszeitraum: 2,1) Milliarden Euro. Allerdings rutschte die IKB in der Sparte wegen Wertberichtigungen auf Kredite für Private-Equity-Investoren in die roten Zahlen.

Infolge der Finanzkrise rechnet das Institut mit weiteren Belastungen. Das im April begonnene Geschäftsjahr 2008/09 werde durch die Einschränkung des Neugeschäfts seit vergangenem August sowie die gestiegenen Refinanzierungskosten erheblich beeinträchtigt, hieß es in dem Halbjahresbericht. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass die andauernden Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu weiteren Wertberichtigungen und Ergebnisbelastungen führen. Der Fortbestand der IKB sei deshalb nach wie vor nur durch die bereits beschlossene Kapitalerhöhung gewährleistet. Die Hauptaktionärin KfW hatte der IKB zugesagt, sich an einer Kapitalerhöhung mit bis zu 1,25 Milliarden Euro zu beteiligen. Es wird damit gerechnet, dass der IKB das Geld im Sommer zufließt. Die KfW hat für die Rettung der IKB schon mehrere Milliarden Euro ausgegeben.

Der derzeitige Verkaufsprozess läuft nach Angaben der IKB planmäßig. Es gebe ein "substanzielles" Bieterinteresse für die Bank. Bis Mitte Mai müssen verbindliche Offerten abgegeben werden. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat bereit signalisiert, dass die IKB "nicht für jeden schlechten Preis" verkauft werde.

23.04.2008
Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB erwartet für das Geschäftsjahr 2007/08 im IKB-Konzern einen deutlich niedrigeren operativen Verlust als bislang. Der Vorstand gehe jetzt nach IFRS-Regeln von einem Verlust in Höhe von 200 Millionen Euro nach bisher 800 Millionen Euro aus, teilte die Bank am Dienstagabend mit. Diese Verringerung habe sich im Rahmen der noch laufenden Arbeiten zur Erstellung des Konzernjahresabschlusses per 31. März 2008 ergeben.

Die Abweichung zur bisherigen Prognose erkläre sich zum einen aus um 250 Millionen Euro erhöhten positiven Bewertungseffekten der Passiva in Höhe von jetzt 1,5 Mrd. Euro nach passiven latenten Steuern. Zum anderen sei ein positiver Bewertungseffekt der Besserungsabreden von 350 Millionen Euro in der bisherigen Prognose nicht enthalten gewesen. Die Besserungsabreden sind ein Element der Kapitalverstärkung durch die KfW, die im Februar und März 2008 in Höhe von insgesamt 1,050 Milliarden Euro gewährt wurde. Die IKB kündigte an, ihre testierten Sechs-Monatszahlen 2007/08 am 29. April 2008 vorzulegen.

Die IKB musste nach Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt mit Milliardenhilfen des Staates und der Kreditwirtschaft vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Insgesamt gab es drei Rettungsaktionen im Gesamtumfang von rund 8,5 Milliarden Euro

28.03.2008
99 Prozent des bei der Hauptversammlung anwesenden Kapitals hätten sich für die Anhebung des Kapitals um 1,5 Milliarden Euro ausgesprochen, sagte ein Sprecher der IKB-Großaktionärin KfW. Das Instituts hatte sich mit Ramschhypotheken in den USA verspekuliert und stand im Sommer 2007 kurz vor der Pleite. Der Bund, die staatliche Förderbank KfW und andere Banken mussten bis jetzt rund 8,5 Milliarden Euro zuschießen. Ob noch weitere Risiken in den Büchern der IKB schlummern, ist nicht klar.

Die Aktionäre stimmten auch dem Antrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf eine Sonderprüfung zu. Dadurch soll die Schuld des Aufsichtsrats und des Vorstand der IKB an dem Desaster der Bank gehört werden. Vor Abschluss der Untersuchung sollen beide Gremien nicht entlastet werden. Der Aufsichtsrat hatte bei dem Aktionärstreffen jegliche Schuld von sich gewiesen.

27.03.2008
"Wir hatten keine Chance, das Risiko zu erkennen und die Existenzkrise abzuwenden", sagte Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Düsseldorf. Die Krise der Bank sei für das Kontrollgremium ebenso überraschend gekommen wie für die Aktionäre, betonte der ehemalige Veba-Chef vor mehreren hundert aufgebrachten Investoren.

Hartmann wies die Schuld an der Krise dem inzwischen fast vollständig entlassenen damaligen Vorstand zu. Er schlug vor, die Entlastung der Vorstände und Aufsichtsräte zu vertagen, bis das Ergebnis einer vom Bund gewünschten Sonderprüfung vorliege. Er sei davon überzeugt, dass das Gutachten zeigen werde, dass das Kontrollgremium unzureichend vom Vorstand informiert worden sei. Dieser habe das US-Engagement stets als "unternehmerisch vertretbar" bezeichnet und betont, wie "risikoarm" das Geschäft dort sei. Tatsache sei, dass das Risikomanagement der IKB nicht funktioniert habe.

Dem Aufsichtsrat der IKB, dem prominente Vertreter wie der Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium Jörg Asmussen angehören, wird Versagen bei der Kontrolle der Bank vorgeworfen. Er ist anders als der Vorstand noch im Amt. Investoren machten ihrem Ärger auf der Hauptversammlung gehörig Luft. "Die Aktionäre sind erschüttert bis ins Mark. Wir stehen fassungslos vor einem Scherbenhaufen namens IKB", sagte Hans Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Es sei nicht vorstellbar, wie sich eine Bank so verzocken könne und keiner etwas gemerkt haben wolle. Norbert Vowinckel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) griff den Aufsichtsrat an: "Man ist nicht nur für das verantwortlich für das, was man tut sondern auch für das, was man nicht tut."

Die eigentlich auf das grundsolide Geschäft mit deutschen Mittelständlern ausgerichtete Bank hatte sich in großem Stil mit US-Ramschhypotheken verspekuliert und stand im Juli vor dem Aus. Nur durch milliardenschwere Rettungsaktionen der Hauptaktionärin KfW, des Bundes und anderer Banken konnte das Institut gerettet werden. Noch immer ist unklar, welche weiteren Risiken in den Büchern der Bank schlummern. Neben der Sonderprüfung müssen die Aktionäre am Donnerstag auch über eine geplante Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro abstimmen, die zum größten Teil von der KfW getragen werden soll.

Hartmann betonte, der Vorstand der IKB habe den Aufsichtsrat erst am 27. Juli 2007 über das Risiko der Portfolio-Investments informiert, die die Krise ausgelöst hatten. Die IKB hatte eine Woche vorher noch mitgeteilt, dass das US-Engagement der Bank keine negativen Auswirkungen habe. Hartmann sagte, es habe zuvor mehrfach Untersuchungen der Finanzaufsicht BaFin, der Bundesbank und der Luxemburger Bankenaufsicht gegeben. Sie alle hätten aber keine Risiken festgestellt. Aber auch von diesen Überprüfungen habe der Aufsichtsrat erst durch ein Sondergutachten erfahren, das Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) nach dem Bekanntwerden der Probleme erstellt hatten, sagte Hartmann.

Quelle: reuters; Patricia Nann

27.03.2008
Bundesfinanzministerium und die staatliche Förderbank KfW streiten nach einem Zeitungsbericht um das Auffangen neuer Finanzlücken bei der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB.

KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier sperre sich gegen weitere Zahlungen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Reserven der KfW seien ihren Angaben nach erschöpft und die Fördertätigkeit werde bedroht. Dagegen wolle Finanzminister Peer Steinbrück, dass die KfW weitere Finanzlücken schließe. Sowohl KfW wie Ministerium erwarteten weitere Verluste. Vom Ministerium war am Mittwochabend zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Zeitung berichtete weiter, dem Vernehmen nach seien die bisherigen Hilfezusagen für die IKB voll in Anspruch genommen worden. Womöglich werde es aber in den kommenden Tagen einen weiteren Finanzierungsbedarf geben, da zu jedem Monatsende der Wertpapierbestand neu bewertet werden müsse.

Einen Tag vor der für Donnerstag einberaumten Hauptversammlung hat die Bundesregierung eine aktienrechtliche Sonderprüfung bei der IKB in die Wege geleitet. Damit dürfte sich die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat der IKB bis zur Vorlage des Prüfungsergebnisses verschieben, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Berlin.

Die KfW ist mit 43 Prozent größter Aktionär der IKB, die durch Spekulationsgeschäfte mit US-Ramschhypotheken in massive Probleme gerutscht war. Mit mehreren Hilfspaketen unter Beteiligung von KfW, Bund und Banken über mehr als 8,5 Milliarden Euro musste die Bank daraufhin vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Erst in der vergangenen Woche war eine neue Finanzlücke bei der IKB bekannt geworden.
(reuters)

26.03.2008
Die Regierung habe die staatliche Förderbank KfW habe
in einer Telefonkonferenz des Präsidialausschusses um den Antrag auf die Prüfung gebeten. Dem neu geschaffenen Gremium gehören unter anderem als amtierender KfW-Verwaltungsratschef Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und als dessen Stellvertreter Finanzminister Peer Steinbrück an.

Die KfW ist mit 43 Prozent größter Aktionär der IKB, die durch Spekulationsgeschäfte mit US-Ramschhypotheken in massive Probleme gerutscht war. Mit mehreren Hilfspaketen unter Beteiligung von KfW, Bund und Banken über mehr als 8,5 Milliarden Euro musste die Bank daraufhin vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Erst in der vergangenen Woche war eine neue Finanzlücke bei der IKB bekannt geworden.

Die Oppositionsparteien FDP und Grüne begrüßten die Initiative. Die FDP behielt sich aber vor, im Bundestag einen Untersuchungsausschusses zu beantragen. "Das bleibt für uns aktuell", sagte FDP-Finanzexperte Frank Schäffler zu Reuters. Die Regierung habe viele Fragen noch nicht beantwortet. Dagegen ist für die Grünen nach Worten ihres Abgeordneten Gerhard Schick ein Untersuchungsausschuss derzeit nicht aktuell. Die von der Regierung vorgeschlagene Sonderprüfung bei der IKB, die deren Großaktionärin KfW auf der Hauptversammlung des Düsseldorfer Instituts am Donnerstag beantragen soll, nannten Schäffler wie Schick sinnvoll und richtig. Auch eine Verzögerung des Verkaufs der IKB dadurch sei akzeptabel, sagte Schick.

Schäffler schlug vor, die risikoreichen Kreditengagements der IKB in eine sogenannte "Bad Bank" auszugliedern und die derart bereinigte Rest-Bank zu verkaufen. Anders sei der Verkaufsprozess ziemlich aussichtslos. Sollten weitere Hilfen für die IKB notwendig werden, sollte eine Insolvenz nicht ausgeschlossen werden, sagte er. "Das ist für mich eine Variante, die man ernsthaft prüfen sollte." Dies sei für das deutsche Finanzsystem nicht bedrohlich. Schick betonte dagegen, die Risiken einer IKB-Pleite seien nicht absehbar.

Schäffler hält es für "völlig unrealistisch", dass beim bereits angelaufenen IKB-Verkaufsprozess der von der Regierung über die KfW angesetzte Erlös von 800 Millionen Euro erzielt werden kann. Der Verkauf könne nur dann einen vernünftigen Preis bringen, wenn zuvor die Risikoengagements abgetrennt würden.

25.03.2008
Laut der Fiancial Times Deutschland (FTD) wird sich der Verkauf der angeschlagenden IKB (Industrie-Kreditbank) bis in den Sommer hinziehen - wenn er denn überhaupt jemals abgewickelt wird.

Um die IKB Interessenten überhaupt schmackhaft zu machen, heißt es, seien zwei Dinge notwendig: die Umsetzung der geplanten Kapitalerhöhung sowie eine weitere Risikoabschirmung. Die IKB hatte sich mit US-Ramschhypotheken verspekuliert und steht am Rande der Insolvenz. Bindende Angebote von Interessenten wird es nicht vor Mai diesen Jahres geben, so weiter.

Die Erhöhung des IKB-Kapitals um mindestens 1,2 Mrd. Euro soll auf der Hauptversammlung der Krisenbank am Donnerstag in Düsseldorf beschlossen werden: Klar ist, dass die staatliche KfW Bankengruppe, die bislang 43,4 Prozent an der IKB hält, die neuen Anteile zeichnen und ihre Beteiligung auf gut 90 Prozent erhöhen wird. Der Anteil der Streubesitzaktionäre wie der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim wird verwässert, Gleiches gilt für den Anteil der ebenfalls verkaufswilligen Stiftung Industrieforschung. (FTD)

20.03.2008
Die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB muss wegen neuer Abschreibungen ein weiteres Mal von der staatlichen Großaktionärin KfW gestützt werden.

Die Förderbank schießt dem Düsseldorfer Institut zusätzliche 450 Millionen Euro zu, um neue Löcher zu stopfen. Damit ist das jüngste Hilfspaket von 2,3 Milliarden Euro praktisch ausgeschöpft. Wie die IKB am Donnerstag mitteilte, ist wegen des Preisverfalls in Folge der Finanzkrise zudem der geplante Verkauf der risikobehafteten Wertpapiere aus dem Portfolio der Bank vorerst gestoppt worden. Damit droht Finanzkreisen zufolge auch eine Verzögerung des gesamten IKB-Verkaufs, was der KfW neue Probleme bereiten könnte.

Für die KfW entwickelt sich ihre rund 43-prozentige Beteiligung an der wegen Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt in Schieflage geratenen IKB damit immer mehr zu einem Fass ohne Boden. An den drei Hilfspaketen für die Bank im Gesamtvolumen von mehr als 8,5 Milliarden Euro trägt die KfW den Löwenanteil. In der Politik kamen angesichts der neuen Löcher bei der IKB umgehend Forderungen nach einem Ende weiterer staatlicher Geldspritzen für die Bank auf. "Es darf keine weiteren Mittel aus dem Bundeshaushalt geben", sagte der Haushaltsexperte der Unions-Fraktion, Steffen Kampeter. Jetzt müsse die KfW selbst für ihr eigenes Missmanagement bei der IKB geradestehen.

Bereits im Februar hatte die Förderbank wegen neuer Abschreibungen auf die IKB-Wertpapiere 600 Millionen Euro zugeschossen. Am kommenden Donnerstag soll auf der Hauptversammlung zudem eine Kapitalerhöhung über 1,5 Milliarden Euro beschlossen werden, von der mindestens 1,2 Milliarden Euro von der KfW getragen werden. Das Geld wird dem Institut direkt vom Bund zugeführt.

Die staatliche Förderbank steht angesichts der neuen Löcher bei der IKB unter Druck, ihre Beteiligung zügig zu verkaufen. Zugleich ist aber fraglich, ob es auch zu einem attraktiven Angebot kommt. Derzeit prüfen mehrere Interessenten die Bücher der Krisenbank. Der Bund rechnet mit einem Verkaufserlös von rund 800 Millionen Euro und hat diese Summe bei der Finanzierung des jüngsten Rettungspakets einkalkuliert. In Kreisen des KfW-Verwaltungsrates wird nun auch eine Verschiebung des Verkaufs ins Gespräch gebracht. Dies könne nötig sein, weil man später möglicherweise einen besseren Preis erziele. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte lediglich, dass man sich in der kommenden Woche vom Vorstand der IKB und der KfW berichten lasse. "Erst wenn wir diese Informationen haben, können wir eine Bewertung vornehmen", betonte sie.

Das riskante Wertpapierportfolio der Mittelstandsbank in Höhe von rund drei Milliarden Euro soll unabhängig vom Kerngeschäft der IKB an Finanzinvestoren wie etwa Lone Star verkauft werden. Für diese Papiere habe es in einer ersten Auktion aber keine attraktiven Gebote gegeben, hieß es in Finanzkreisen. "Die Preise für diesen Giftmüll sind völlig im Keller." Die IKB erklärte dazu: "Die Absicht zur Veräußerung dieser Investments besteht weiter." Mehr als zwei Milliarden Euro davon sind bereits abgeschrieben. Wenn die Bank die riskanten Papiere loswird, erleichtert dies der KfW den Verkauf ihrer Beteiligung. Nun sei eine Verzögerung nicht auszuschließen, hieß es. Ein KfW-Sprecher betonte aber, der Verkaufsprozess laufe planmäßig weiter.

Angesichts der neuen Abschreibungen erhöhte die IKB auch ihre Verlustprognose für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr. Sie rechnet nun mit einem Fehlbetrag von 800 Millionen Euro, zuletzt hatte sie 550 Millionen Euro vorausgesagt. Zudem seien in den kommenden Geschäftsjahren keine oder nur geringe Überschüsse zu erwarten. Grund hierfür sind die Ansprüche der KfW aus ihren beiden jüngsten Geldspritzen von zusammen 1,05 Milliarden Euro, die als vorrangig zu bedienende Darlehen an die IKB fließen.

IKB-Aktien waren am Donnerstag zeitweise vom Handel ausgesetzt und gaben nach dem Bekanntwerden der neuen Abschreibungen um knapp neun Prozent auf 4,62 Euro nach. Vor gut einem Jahr kostete das im MDax gelistete Papier noch mehr als 30 Euro.

(reuters)

20.03.2008
Die krisengeschüttelte Mittelstandsbank IKB rechnet mit noch schwereren Verlusten als bisher bekannt. Für das Geschäftsjahr 2007/2008, das am 31. März endet, geht das Institut von einem Minus von rund 800 Millionen Euro aus, wie die IKB in Düsseldorf mitteilte.

Zuvor hatte die IKB mit einem Verlust von 550 Millionen Euro gerechnet. Die Bank rechnet damit, in den kommenden Jahren weiter Verluste zu schreiben oder im besten Fall nur geringe Gewinne. Die IKB-Aktie wurde vom Handel an der Frankfurter Börse ausgesetzt.

Die Bank teilte als Begründung für die düsteren Aussichten mit, sie gehe von weiteren Abschreibungen von 450 Millionen Euro für besonders risikoreiche Papiere aus, die verkauft werden sollen. Zudem rechnet die Bank damit, weitere 140 Millionen Euro auf Wertpapiere abschreiben zu müssen, die die Bank in ihrem Besitz behalten will.

Die IKB musste nach Milliardenverlusten durch ihre Fehlspekulationen in mehreren Rettungsaktionen seit dem Sommer vergangenen Jahres vor der Pleite bewahrt werden. Zuletzt hatten Bundesregierung und Privatbanken der IKB im Februar erneut eine Milliardenunterstützung zugesagt.

Die IKB-Aktionäre sollen auf einer Hauptversammlung Ende März nun eine Kapitalerhöhung beschließen. Zudem soll die Bank in das gesunde Mittelstandsgeschäft und eine riskante Wertpapiersparte aufgespalten werden. Danach will die Mehrheitseignerin, die staatliche KfW-Bankengruppe, ihren Anteil an der IKB verkaufen.

(AFP)

20.03.2008
Das Düsseldorfer Institut habe in dieser Woche eine Auktion abgebrochen, bei der Teile des rund drei Milliarden Euro schweren risikoreichen IKB-Wertpapierportfolios verkauft werden sollten, sagten am Donnerstag zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Gebote seien aus Sicht der IKB nicht befriedigend gewesen. Die Preise für solche forderungsbesicherten Papiere sind zuletzt weiter abgestürzt. Weitere Anläufe zum Verkauf der Wertpapiere sollten in den kommenden Wochen folgen, hieß es. Einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge sind nun zusätzliche Abschreibungen wahrscheinlich.

Die IKB-Großaktionärin KfW will ihren 43-prozentigen Anteil an der Mittelstandsbank verkaufen und lässt derzeit Interessenten in die Bücher schauen. Dabei soll das Kerngeschäft losgelöst von dem riskanten Wertpapierportfolio verkauft werden. "Mit der gescheiterten Auktion droht nun eine Verzögerung des Verkaufs", hieß es in Kreisen. Ein KFW-Sprecher betonte indes, dass der Verkaufsprozess planmäßig weiterlaufe. Die IKB lehnte eine Stellungnahme ab. Die IKB-Aktie lag vier Prozent im Minus.
(reuters)

16.03.2008
Die im Auftrag von etwa zwei Dutzend Mandanten - institutionelle Gläubiger und Privatanleger - werde spätestens im Juli eingereicht, sagte Rotter der "Börsen-Zeitung". Die Größenordnung der Schadenersatzforderung bezifferte er auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Die IKB hatte im Juli 2007 erklärt, die Krise an den US-Finanzmärkten habe keine Folgen für die Düsseldorfer Bank. Wenige Tage später musste die IKB wegen Fehlspekulationen in Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanz mit Milliardenhilfen der gesamten Branche vor dem Aus bewahrt werden.

Gestärkt sieht sich Rotter durch ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Informationspflicht von Unternehmen in Ad-hoc-Mitteilungen. Das Gericht habe klargestellt, dass auch erwartete Ereignisse gemeldet werden müssten, deren Eintreten nur "hinreichend wahrscheinlich" sei.

Die Kleinaktionärsvereinigung DSW erwägt, einen "besonderen Vertreter" bei der IKB einzusetzen, der ebenfalls Ansprüche gegen die Bank prüfen soll. (reuters)

11.03.2008
Der Anleiheversicherer Financial Guaranty Insurance Company (FGIC) habe in New York eine Klage auf 1,875 Milliarden Dollar Schadenersatz gegen die Düsseldorfer Mittelstandsbank eingereicht, berichtete die "Financial Times" am Dienstag. FGIC, an der auch der US-Finanzinvestor Blackstone beteiligt ist, werfe der IKB vor, falsch und irreführend über eine ihrer außerbilanziellen Zweckgesellschaften informiert zu haben. FGIC habe dieses Vehikel aufgrund der Informationen gegen einen Verlust von mehreren Milliarden Dollar versichert. Wegen des Engagements habe FGIC nun mit schlechteren Bonitätsnoten und Geschäftsrückgängen zu kämpfen.

Eine Sprecherin der IKB erklärte, der Bank sei über eine solche Klage derzeit nichts bekannt. Von FGIC war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Anleiheversicherer wie FGIC versichern üblicherweise grundsolide kommunale US-Anleihen. Weil sie aber auch im kriselnden US-Hypothekenmarkt engagiert sind, stehen sie derzeit stark unter Druck. Ihnen drohen Bonitäts-Herabstufungen durch Ratingagenturen. FGIC hat das Top-Rating bereits verloren.

Weiterer Ärger für die IKB ist schon vorprogrammiert: Kleinaktionäre wollen dem Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung Ende März ihre Entlastung verweigern. Sie werfen ihm vor, bei der Kontrolle versagt zu haben. Zudem gibt es bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Pläne für die Bestellung eines sogenannten besonderen Vertreters, der Schadensersatzansprüche gegen die IKB prüfen soll, wie DSW-Sprecher Hans Richard Schmitz Reuters sagte. Ein besonderer Vertreter hat gewisse Rechte und kann Informationen von Vorständen einholen oder Dokumente der Bank einsehen.

Der Vorstand der IKB hatte noch am 20. Juli 2007 erklärt, die US-Krise habe keine Folgen für die IKB. Zehn Tage später stand die Bank vor dem Aus und konnte nur mit Garantien in Milliardenhöhe von der Hauptaktionärin KfW und anderen Banken gerettet werden. Medienberichten zufolge ist auch beim Bund umstritten, ob das Kontrollgremium entlastet werden soll.

Eine Nicht-Entlastung hat keine unmittelbaren rechtlichen Konsequenzen, sorgt aber für einen erheblichen Imageschaden des Aufsichtrats. In dem Gremium sitzt mit Jörg Asmussen auch ein Abteilungsleiter des Bundesfinanzministeriums.

Wegen des Verkaufs von Ramschhypotheken an die IKB müssen sich die Deutsche Bank und andere Institute nicht auf Schadenersatzklagen der Bundesregierung einstellen. Die Regierung prüft einem Sprecher zufolge in diesem Zusammenhang keine rechtlichen Schritte gegen Banken. "Der IKB ist es unbenommen, im Rahmen ihrer aktienrechtlichen Verpflichtungen die Interessen der Aktionäre zu wahren", betonte der Sprecher allerdings.

09.03.2008
Ab Montag erhalten ausgewählte Bieter detaillierte Einblicke in die Bücher des Düsseldorfer Instituts, wie ein Sprecher der IKB-Hauptaktionärin KfW am Sonntag entsprechende Informationen von Reuters bestätigte. Dafür habe die KfW bereits am Mittwoch eine Auswahl aus den vorgelegten Offerten getroffen. Die staatseigene KfW will ihren 43-prozentigen Anteil an der IKB veräußern und hat dafür im Januar ein Verkaufsverfahren gestartet. Nach Angaben der Förderbank liegt "eine Reihe" von Geboten aus dem In- und Ausland vor.

Finanzkreisen zufolge haben unter anderem die Finanzinvestoren Lone Star, Cerberus, Ripplewood sowie JC Flowers ihren Hut in den Ring geworfen. Ihnen wird vorwiegend an dem risikobehafteten Wertpapierportfolio Interesse nachgesagt. Als strategische Bieter für das "gesunde" Mittelstandsgeschäft der IKB gelten unter anderem Landesbanken wie die WestLB oder die schwedische Großbank SEB.

Die eigentlich auf das grundsolide deutsche Mittelstandsgeschäft ausgerichtete IKB hatte sich in Amerika mit Ramschhypotheken verspekuliert und musste mehrmals vom Staat, der KfW und anderen Banken mit insgesamt gut acht Milliarden Euro gerettet werden. Den Großteil der Hilfen tragen der Bund und die KfW.

Auf den Markt kommt mehr als die Hälfte der IKB-Aktien, denn neben der Förderbank will sich auch die zweitgrößte Aktionärin, die Stiftung Industrieforschung, von ihrer rund zehnprozentigen Beteiligung trennen. (reuters)

05.03.2008
Die KfW verstärkt ihr Expertenteam für die nächste Phase des Verkaufsprozesses ihrer IKB-Anteile. In Ergänzung der Beratung durch die Investmentbank Merrill Lynch hat der Vorstand der KfW Herrn Jan Kvarnström als Berater in strategischen und operativen Fragen bezüglich des Verkaufsprozesses sowie zu den Portfolioinvestments der IKB engagiert. Ingrid Matthäus-Maier, Sprecherin des Vorstands der KfW, sagte dazu: "Jan Kvarnström ist ein ausgewiesener Experte, vor allem auch für die Restrukturierung von Kreditportfolien. Wir freuen uns, dass wir ihn gewinnen konnten, uns nun in der konkreten Phase des Verkaufs unserer IKB-Anteile beratend zu unterstützen."

Jan Kvarnström war Vorstandsmitglied der Dresdner Bank und CEO der Institutional Restructuring Unit (IRU) der Bank. Erfahrungen bringt Kvarström auch aus seinen Tätigkeiten bei den Private-Equity Firmen 3 i und Bridley Capital Partners mit.

Die KfW hatte am 18. Januar 2008 das Verfahren zu einem strukturierten Verkaufsprozess ihrer Anteile an der IKB Deutsche Industriebank AG (IKB) eröffnet. Potenzielle Bieter konnten auf Basis eines Informationsmemorandums ein indikatives Angebot abgeben. Inzwischen liegen eine Reihe von Angeboten aus dem In- und Ausland vor. Der Verkaufsprozess geht nun planmäßig in die nächste Runde. Es ist beabsichtigt, den Bietern die Prüfung detaillierter Unterlagen bei der IKB (sog. Due Diligence) einzuräumen und die Abgabe eines auf dieser Basis erstellten bindenden Angebots zu ermöglichen. Diese Due Diligence erfolgt in enger Abstimmung mit der IKB.

03.03.2008
Noch Mitte Januar war von bis zu 40 möglichen Interessenten die Rede gewesen. Auch die Höhe der Gebote dürfte unterhalb der Erwartungen liegen. Bundesfinanzminister Steinbrück (SPD) hatte einen Erlös von rund 800 Millionen Euro kalkuliert. Die IKB war wegen fehlgeschlagener Spekulationen und starker Verluste im Kreditgeschäft in die Schieflage geraten und konnte nur durch Milliardenhilfen über Wasser gehalten werden.

27.02.2008
Die Wettbewerbshüter wollten eingehend untersuchen, ob es sich um staatliche Beihilfen handelt und ob die Zahlungen mit den EU-Vorschriften in Einklang stehen, erklärte die Brüsseler Behörde am Mittwoch. Bei Regelverstößen kann die EU-Kommission eien Rückzahlung der Beihilfe verlangen oder strenge Auflagen verhängen.

Beide Banken waren wegen Verlusten am US-Hypothekenmarkt im Sommer 2007 in Schieflage geraten. Die IKB musste in drei Etappen mit insgesamt 11,5 Milliarden Euro vor der Insolvenz bewahrt werden. Davon schultern die staatliche KfW-Bank und die Bundesregierung zehn Milliarden Euro, den Rest schießen private Banken zu. Der Bund übernimmt 1,2 Milliarden Euro. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte das damit gerechtfertigt, dass eine Insolvenz der IKB dem gesamten Bankensystem in Deutschland schaden würde.

Offen ist, ob die IKB noch weitere Unterstützung benötigt und vom Bund bekommt. "Wir schließen dies nicht aus, wie sollten wir?", antwortete ein Sprecher des Finanzministeriums auf eine entsprechende Frage. Grund für die Beteiligung an der letzten Unterstützung sei gewesen, Risiken für das deutsche Finanzsystem abzuwehren.

"Es kann vorkommen, dass der Staat tätig werden muss, wenn die Stabilität der Finanzmärkte bedroht ist", erklärte auch EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Die Kommission müsse aber dafür sorgen, dass solche Eingriffe den Wettbewerb nicht verzerrten. Sonst sei für die Bürger nicht verständlich, warum sie die Folgen einer Finanzkrise mit Steuergeld für Banken tragen müssten, die zu hohe Risiken eingegangen seien.

Eine Gruppe von Landesbanken und Sparkassen übernahm von der SachsenLB ein mit Risiken behaftetes Anlageportfolio von rund 17 Milliarden Euro. Der Freistaat Sachsen stellte eine Garantie von 2,75 Milliarden Euro für dieses Portfolio. Die SachsenLB ist inzwischen an die Landesbank Baden-Württemberg verkauft. Die Ministerpräsidenten Sachsens und Baden-Württembergs, Georg Milbradt und Günther Oettinger, und LBBW-Chef Siegfried Jaschinski wollten noch am Mittwoch mit Kroes über den Fall sprechen.

Union und SPD segneten das milliardenschwere Rettungspaket für die IKB bei der Klausur der Fraktionsspitzen auf dem Petersberg bei Bonn ab. Mögliche Wertberichtigungen und Verluste müssten die Banken schnell offenlegen, "damit das Misstrauen auf den Finanzmärkten abgebaut und die Vertrauensbasis zurückgewonnen wird", hieß es in einer Erklärung. Zudem sei notwendig, dass sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau von ihrer Beteiligung an der IKB trenne. Handlungsbedarf bestehe zudem bei den Landesbanken.

Die EU-Kommission ergänzte, bei staatlichen Interventionen dieser Größenordnung sei eine eingehende Untersuchung üblich. Das Ergebnis sei offen. Für Beihilfen zur Rettung von Unternehmen gelten nach dem EU-Wettbewerbsrecht strenge Auflagen. Rettungsbeihilfen können als Kredite oder Bürgschaften mit einer Laufzeit von höchstens sechs Monaten gewährt werden. Für den Bankensektor sind allerdings Ausnahmen möglich. Die Beihilfe kann auch länger gewährt werden, wenn ein Plan zur Umstrukturierung des Unternehmens vorgelegt wird.

Die Kommission erklärte, die Stützungsaktion für die IKB sei wahrscheinlich keine Rettungsbeihilfe. Die Landesgarantie für die SachsenLB könnte eine Restrukturierungshilfe sein. Für diese müsste ein Restrukturierungsplan vorgelegt werden, durch den das Unternehmen langfristig überlebensfähig sein müsste. Außerdem dürfte die staatliche Unterstützung nur auf ein Minimum begrenzt sein und den Wettbewerb nicht verzerren.

Die EU-Kommission erwartet außerdem noch eine Anmeldung zur Untersuchung des Falles der WestLB. Die Eigner der Bank - Sparkassen und das Land Nordrein-Westfalen - stellten Garantien über fünf Milliarden Euro bereit. Die Bundesregierung habe zugesagt, die Kommission über alle Schritte zu informieren, bevor diese umgesetzt würden.

15.02.2008
"Es dürfe nicht wegen der IKB zu einer Verschärfung der Bankenkrise kommen," sagte Steinbrück in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag. Nach seinen Angaben steuern die privaten Banken 300 Millionen Euro bei. Die restlichen 200 Millionen Euro aus dem jüngsten Hilfspaket von 1,5 Milliarden Euro würden im Zweifelsfall aus dem laufenden Haushalt eingesammelt. "Sie können sich vorstellen, dass ich über diese Belastung des Bundeshaushalts alles andere als glücklich bin. Auch wenn Sie mich hier mit zusammengebissenen Zähnen stehen sehen, die Entscheidung über eine nochmalige Stützung der IKB ist richtig", unterstrich der Minister.

Es bleibe das Ziel, die IKB verkaufsfähig zu machen und den bereits angelaufenen Verkaufsprozess der Bank weiterzuführen. Geplant sei, das Management in der IKB und der KfW personell zu verstärken.Steinbrück plädierte dafür, den IKB-Verkauf so schnell wie möglich abzuschließen.

Noch lange kein Ende der Finanzkrise
Nach Einschätzung des Finanzministers ist die Bankenkrise noch lange nicht zu Ende. "Wir haben es hier nicht nur mit einer Bank zu tun, die sich in unverantwortlicher Weise verzockt hat." Alle Kreditinstitute, die mit unsicheren US-Immobilienkrediten spekuliert hätten, seien betroffen. Banken hätten "hochkomplexe Produkte mit verpacktem Sprengstoff" außerhalb ihrer Bilanzen geführt. Aufsichtsräte, Wirtschaftsprüfer und die Behörden hätten die Gefahr nicht entdecken können. Steinbrück sagte, die gängigen Regeln zur Bilanzierung seien unzulänglich. Auch müssten die Banken künftig mehr Eigenkapital bilden, um für Krisen besser gewappnet zu sein. (tagesschau)

13.02.2008
Bundesregierung und die Staatsbank KfW haben eine Lösung für die angeschlagene Mittelstandsbank IKB gefunden. Es würden nochmals 1,5 Milliarden Euro für die IKB bereitgestellt, erklärten Wirtschaftsminister Michael Glos und Finanzminister Peer Steinbrück nach einer Krisensitzung mit der KfW. Der Bund beteiligt sich nach ihren Angaben daran mit einer Milliarde. Woher die restlichen 500 Millionen Euro kommen, sei noch nicht bekannt.

13.02.2008
Die privaten Banken sträubten sich allerdings Finanzkreisen zufolge nach wie vor gegen eine Teilnahme an der Rettungsaktion. Von Seiten der Sparkassen und Genossenschaftsbanken hagelte es scharfe Kritik an der Verweigerungshaltung der Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Die Bundesregierung ist offenbar zur Rettung der IKB entschlossen, will die Last aber nicht alleine schultern.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte nach einer Kabinettssitzung, Forderungen nach einer Insolvenz des Düsseldorfer Instituts seien "möglicherweise leichtfertig". Es gelte die Konsequenzen zu bedenken. Ob es bereits am Mittwoch oder erst in den kommenden Tagen eine Lösung gibt, lasse sich noch nicht absehen. Die Bundesregierung gehe aber davon aus, dass sich auch andere an einer Lösung beteiligten. An der Sitzung des KfW-Verwaltungsrats, der am Nachmittag zusammentrat, nahmen Finanzminister Peer Steinbrück und Wirtschaftsminister Michael Glos teil, der seit Anfang 2008 den Vorsitz des Gremiums hat.

Die Hoffnung auf eine Rettung der angeschlagenen IKB trieb an der Börse die Aktie der Mittelstandsbank erneut um mehr als fünf Prozent nach oben. Die IKB hatte sich in großem Stil mit schwach besicherten US-Hypothekendarlehen verspekuliert und musste bereits zwei Mal von der gesamten Kreditwirtschaft gerettet werden. Insgesamt wurden Risiken von über neun Milliarden Euro abgeschirmt, acht Milliarden davon trägt die KfW. Die staatseigene Förderbank, die 38 Prozent an der IKB hält, sei allerdings nicht in der Lage noch mehr Geld in die Bank zu stecken, hieß es in Finanzkreisen. Derzeit wird an einer dritten Hilfsaktion gefeilt. Wie teuer die Rettung des Instituts die Beteiligten zu stehen kommt, ist noch unklar. Das "Handelsblatt" berichtete, es gehe inzwischen um drei Milliarden Euro - bisher war in Finanzkreisen von bis zu zwei Milliarden die Rede.

Nach Ansicht der Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind die privaten Banken am Zuge. "Der Fortbestand der IKB muss durch die Eigentümer und die Sicherungseinrichtung der Privatbanken garantiert werden", sagte der Präsident des genossenschaftlichen Bankenverbands BVR, Christopher Pleister, zu Reuters. Auch er sitzt im KfW-Verwaltungsrat. Sowohl der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) als auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) erklärten, sich nicht mehr an einer weiteren Rettungsaktion beteiligen zu wollen. Der BdB steht bislang für Risiken von einer halben Milliarde Euro gerade, BVR und DSGV teilen sich ebenfalls gut eine halbe Milliarde.

Im Bundestag mehrten sich die Stimmen für eine Rettung mit staatlicher Hilfe. Für die SPD sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann: "Es gibt offenkundig keine Alternative zu weiteren Stützungsmaßnahmen." Sonst drohten Schwierigkeiten auch für die öffentlich-rechtlichen Sparkassen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch, der ebenfalls im KfW-Verwaltungsrat sitzt, forderte eine dauerhafte Lösung. Es komme darauf an, eine Rettung der IKB so zu gestalten, dass nicht in drei Monaten wieder neu verhandelt werden müsse. Ob das Institut Potenzial zum Überleben habe, könne nur der Vorstand oder Aufsichtsrat entscheiden.

Das KfW-Verwaltungsratsmitglied , der FDP-Politiker Jürgen Koppelin, sagte Reuters, er habe zwar ordnungspolitische Bedenken gegen eine IKB-Rettung mit Hilfe des Staates. Wegen der unabsehbaren Folgen einer Insolvenz auf andere Bereiche des Kredit- und Versicherungswesens halte er einen solchen Schritt dennoch für vertretbar, sofern er nicht den Bundeshaushalt belaste. "Wir müssen aufpassen, dass die Krise der IKB nicht zu einer Krise bei der KfW wird." Mithelfen müssten die Banken. Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Steffen Kampeter, warnte vor direkten Bundeshilfen. "Ich glaube, dass das das falsche Signal wäre", sagte er Reuters.

Mit Verbitterung reagierten SPD-Politiker auf Rücktrittsforderungen aus der Union an KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier. "Ich kann nicht feststellen, dass es bisher Versäumnisse bei der Kontrolle der Tochter gegeben hat", sagte Oppermann. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler nannte die Angriffe auf die Sozialdemokratin "unverschämt und verleumderisch". Matthäus-Maier selbst bangt einem Zeitungsbericht zufolge bereits um ihr Amt. Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise, sie habe am Vorabend an die Verlängerung ihres 2009 auslaufenden Vertrages erinnert. Steinbrück und Glos hätten eine Zusage verweigert. Die KfW lehnte jeden Kommentar ab.

13.02.2008
"Es darf nicht sein, dass die Banken in guten Zeiten ihre Gewinne für sich behalten und in dieser Situation ihre Verluste sozialisieren", sagte der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Steffen Kampeter, dem "Handelsblatt" vom Mittwoch. Zunächst sei die Selbsthilfe der Banken gefordert, sagte er mit Blick auf den Sicherungsfonds der privaten Banken. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, der FDP-Politiker Otto Fricke, warnte, durch die IKB-Rettung dürfe die Neuverschuldung des Bundes nicht steigen.

Die Bundesregierung ist offenbar zu Hilfen für die schwer angeschlagene IKB bereit. Zur Rettung des Instituts sei ein Darlehen des Bundes von rund einer Milliarde Euro an den Hauptanteilseigner KfW im Gespräch, hieß es am Dienstag im Umfeld der IKB-Krisengespräche. In diesem Zusammenhang könne sich die staatseigene KfW von Post-Aktien trennen.

Am Dienstagabend fand nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein Krisengipfel zwischen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und der Vorstandssprecherin der KfW, Ingrid Matthäus-Maier, statt. Glos wolle am Mittwoch nach der Verwaltungsratssitzung der KfW eine Lösung vorstellen.

Durch die Krise steigt auch der Druck auf KfW-Chefin Matthäus-Maier. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der Unions-Fraktion, Michael Fuchs, forderte im "Handelsblatt" ihren Rücktritt. Die staatseigene KfW ist mit einem Anteil von fast 38 Prozent größter IKB-Aktionär.

Das Blatt berichtete zudem unter Berufung auf Regierungskreise, durch die Abschreibungen der Geldinstitute müsse mit einem Steuerausfall in Höhe von fünf Milliarden Euro gerechnet werden. Diese Zahl habe Steinbrück am Dienstag bei den Krisengesprächen genannt.

12.02.2008
Dazu könnte die staatliche Förderbank eine Umtauschanleihe auf Post-Aktien begeben, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Über diesen Weg könne die KfW etwa eine Milliarde Euro erlösen und damit rund die Hälfte des von der IKB benötigten Kapitals schultern. Die andere Hälfte müsse dann vom Bundesverband deutscher Banken (BdB) kommen, der in die Verhandlungen zur IKB-Rettung eingebunden sei.

Eine Person im Umfeld der Krisengespräche zwischen Bundesregierung, KfW und Privatbankenverband sagte, es gebe noch keinen Beschluss, ob der Weg über eine Post-Umtauschanleihe gegangen werde. Am Mittwoch berät der KfW-Verwaltungsrat über die IKB-Krise, dort könnten Entscheidungen fallen. Die KfW hält etwa 38 Prozent an der IKB, die sich in großem Stil mit schlecht besicherten Anleihen am US-Immobilienmarkt verspekuliert hatte. Die Förderbank wollte sich am Dienstag nicht äußern.

"Handelsblatt" und "Süddeutsche Zeitung" berichteten vorab aus ihren Dienstagausgaben, die Bundesregierung erwäge eine Beteiligung an einer neuerlichen Rettungsaktion für das Institut. Dessen Lage sei so dramatisch, dass "keine Option tabu" sei, hieß es in der "Süddeutschen Zeitung" unter Berufung auf Verhandlungskreise. So denke die Regierung über einen Kredit an die IKB-Großaktionärin und staatliche Förderbank KfW nach. Eine weitere Option sei ein Verkauf der profitablen Teile der IKB. Denkbar sei auch die Gründung einer sogenannten Bad Bank, die alle Risiken übernimmt, oder ein Verkauf an Finanzinvestoren.

Das Bundesfinanzministerium lehnte am Montagabend eine Stellungnahme dazu ab. "Zu solchen Spekulationen äußern wir uns nicht", sagte ein Ministeriumssprecher.

Laut "Handelsblatt" ist eine Beteiligung des Bundes notwendig, weil die IKB eine kurzfristige Kapitalspritze von rund 500 Millionen Euro braucht. In welchem Umfang sich die Privatbanken und die KfW Bankengruppe an dem Rettungspaket beteiligen, sei dagegen noch nicht klar, hieß es ebenfalls unter Berufung auf Verhandlungskreise.

Den Berichten zufolge hatte BaFin-Chef Jochen Sanio bereits eine Schließung der IKB ins Auge gefasst. Nur auf Drängen von Bundesbankpräsident Axel Weber, der in den Gesprächen vor massiven Auswirkungen auf den gesamten Finanzsektor in Deutschland gewarnt hatte, habe Sanio den Beteiligten zusätzliche Zeit eingeräumt, berichtete das "Handelsblatt".

Finanzkreisen zufolge ist eine neue Kapitalspritze von bis zu zwei Milliarden Euro nötig, um das Überleben der Düsseldorfer Bank zu sichern. Bis zur Verwaltungsratssitzung der KfW am Mittwoch solle eine Lösung gefunden werden. Die IKB hat sich in großem Stil mit amerikanischen Ramsch-Hypotheken verspekuliert und deshalb mit Risiken von insgesamt über elf Milliarden Euro zu kämpfen.

 
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