Berlin, 04.12.2011 21:48 Uhr (Wirtschaftsredaktion)
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben geht auf die aktuelle Konjunkturumfrage der europäischen Kammerorganisation Eurochambres ein.
An der Erhebung, die in diesem Jahr rund 70.000 Unternehmen in 25 Ländern erfasst, beteiligt sich regelmäßig auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Der rechnet für das Jahr 2012 EU-weit nur noch mit 0,5 Prozent Wachstum.
"Die Schuldenkrise verunsichert die Unternehmen in ganz Europa", so Wansleben. "Während die Staaten der Eurozone insgesamt sogar noch etwas langsamer wachsen dürften, schafft es Deutschland zumindest auf ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent." Stärker falle die Dynamik in den mittel- und osteuropäischen EU-Ländern aus.
"Was den Arbeitsmarkt anbelangt, so dürfte die Beschäftigung europaweit kaum steigen", erwartet der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Zudem leide das Investitionsklima unter der Verunsicherung durch die Politik und in einigen EU-Staaten zusätzlich unter schwierigen Finanzierungsbedingungen. "Investitions- und Beschäftigungsabsichten der europäischen Unternehmen fallen deshalb zurückhaltender aus als im Vorjahr."
Immerhin seien Unternehmenseinschätzungen insgesamt spürbar besser als zu Beginn der Krise 2008/2009, so Wansleben. "Auf ihre eigene Umsatzentwicklung blicken die Unternehmen vergleichsweise zuversichtlich – das macht Hoffnung, dass sich die tiefe Verunsicherung nicht vollständig in der Geschäftsentwicklung 2012 niederschlägt."
Bessere Geschäfte erwarten der Erhebung zufolge die Betriebe nahezu aller Länder beim Export. "Gerade die Unternehmen aus der Eurozone rechnen mit steigenden Ausfuhren", sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Überdurchschnittlich optimistisch zeige sich dabei die Exportwirtschaft in Portugal, Griechenland und Spanien.
Dabei stütze die vergleichsweise günstige Entwicklung der Importe Deutschlands – für mehr als die Hälfte der Euro-Mitglieder wichtigster Handelspartner – die Konjunktur in etlichen Staaten des Euro-Raums. Bei der heimischen Nachfrage sähen die Unternehmen in den meisten Euro-Staaten jedoch kaum Spielraum nach oben, so Wansleben. "Die Kaufkraft leidet vielfach unter der enttäuschenden Beschäftigungsentwicklung und unter steigenden Steuern. Hinzu kommt die Unsicherheit der Verbraucher über den Fortgang der Schuldenkrise."
Neues Vertrauen könne nur entstehen, wenn die Politik mit einem glaubwürdigen Sparkurs an den Ursachen der Schuldenkrise ansetze, mahnte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. "Die Vergemeinschaftung von Schulden durch Euro-Bonds schiebt die Probleme nicht nur auf, sondern vergrößert sie perspektivisch sogar. Auch die EZB darf nicht weiter unter Druck geraten, mit einem Aufkauf von Staatsanleihen die liegen gebliebenen Hausaufgaben der Politik in punkto Wettbewerbsfähigkeit aufzuarbeiten."
(Quelle: DIHK Berlin)