Düsseldorf/Berlin, 07.06.2012 17:30 Uhr (Frank Schulz)
Im "Social-Media“ liegen gewaltige Chancen. So sind sich Trendforscher und Wirtschaftsexperten einig. Super! Die SCHUFA will nun das "Mit-mach-Netz“ für neue Geschäftsmodelle nutzen. Die Schufa sammelt genau diese Daten der Internetuser.
"Ohne SCHUFA keine Klarheit - Wir schaffen Vertrauen“ - so heißt es auf der Internetseite der SCHUFA Holding AG in Wiesbaden. Das Unternehmen stellt seinen gut 7.000 Vertragspartnern, das sind beispielsweise Banken und Versandhändler, Daten zur Kreditwürdigkeit von Bundesbürgern zur Verfügung. Und verdient damit als Auskunftei Geld. 514 Millionen Datensätze von 66,2 Millionen Bürgern sind in den Datenbanken gespeichert. Im Jahr 2010 setzte das Unternehmen mit 752 Mitarbeitern ca. 108 Millionen Euro um und wies ein Ergebnis in Höhe von ca. 1.8 Millionen aus.
Die SCHUFA will sich neue bzw. weitere Geschäftsfelder erobern. Ziel ist der Vorsprung vor Mitbewerbern anderer Auskunfteien. Das Unternehmen sammelt Daten. Bereitet diese auf und verkauft "angereicherte“ Datensätze weiter. Somit sind Daten und Informationen ein Wirtschaftsgut.
Wie der NDR nun recherchiert hat, gibt es gemeinsam mit dem Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik der Universität Potsdam (HPI) Bestrebungen, zusätzliche Daten aus dem Web pro Bürger zu sammeln. Der NDR spricht von "einer Liste der fast unbegrenzten Möglichkeiten: Nicht nur Daten über Personen - ihre Adresse, ihr Alter, ihr Arbeitgeber oder ihr Beruf - könnten gesammelt werden. Es sei auch die Analyse von Textdaten denkbar, um "ein aktuelles Meinungsbild zu einer Person zu ermitteln". Ebenso könnten die Wissenschaftler herausfinden, wie die Schufa über eigene Facebook-, Xing- oder Twitter-Profile an "Adressen und insbesondere Adressänderungen" anderer Nutzer gelangen könnte - und zwar verdeckt."
Das Sammeln von privaten Daten in Facebook, Xing und LinkedIn geschehe auch aus einer „Gesellschaftlichen Verantwortung“ heraus. So zumindest sagt es die Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der SCHUFA Holding AG gegenüber dem NDR.
In der Pressemitteilung vom 05.06.2012 äußert sich der Leiter des Hasso-Plattner-Institutes, Prof. Dr. Christoph Meinel: "Mit der SCHUFA konnten wir ein renommiertes Unternehmen für ein gemeinsames Forschungsprojekt gewinnen, um gesellschaftlich und wirtschaftlich spannende Entwicklungen im Internet zu untersuchen.“ Die Bürgerdaten sollen in einem Zeitraum von drei Jahren gesammelt werden.
Im Prinzip nutzt die „Grundlagenforschung“ altbewährte Techniken. Jeder Controller in Unternehmen erhält beispielsweise über „Data-Mining“ Systeme exakte Daten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. So macht es auch die SCHUFA. Nur nutzt diese nun auch öffentliche Daten, die wir Internetnutzer über das Prinzip des „Social-Media“ angeben. Das macht jetzt schon so manchem „Profiler“ wie Amazon oder Google glücklich. Wer im Netz unterwegs ist hinterlässt Spuren. Aber wo wird die Grenze in Zukunft sein? Alles offen und frei und transparent?
Datenspeicherung bisher (Quelle: Wikipedia)
„Die Schufa ermittelt die von ihr eingestellten Daten nur teilweise selbst – externe Systeme wie das der ZEK werden mit einbezogen. Im Regelfall liefern Banken und andere Vertragspartner Daten über ihre Kunden an die Schufa. Hierzu ist eine Einwilligung des Kunden erforderlich. Einige Daten beschafft sich die Schufa selbst; zum Beispiel Daten aus öffentlichen Quellen, etwa den Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte. Ob diese Daten ohne Einwilligung des Betroffenen digitalisiert werden dürfen, gilt als umstritten. Einerseits handelt es sich beim Schuldnerverzeichnis um eine öffentliche Datenbank. Andererseits kritisiert der Datenschutz das Einstellen von Daten eines Gerichtes in eine rein privat betriebene Datenbank und deren Digitalisierung. Der Gesetzgeber hatte eine entsprechende Erlaubnis zugunsten der Auskunfteien aus einem Entwurf der EU-Datenschutzrichtlinie wieder entfernt, so dass man die Digitalisierung dieser Daten als unzulässig ansehen kann.“
Die Pressemeldung der SCHUFA im Original.
(Quelle: NDR, SCHUFA Holding,Eigen)
(Foto: Rolf van Melis;pixelio.de)