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Kreditversicherer Atradius: Unternehmen erwarten schlechteres Zahlungsverhalten

Dokument: Düsseldorf, 11.04.2017 12:14 Uhr (Frank Schulz)

Durch Brexit, einen möglichen US-Protektionismus sowie durch die Abkühlung der chinesischen Konjunktur befürchten deutsche Unternehmen ein schlechteres Zahlungsverhalten im B2B Geschäft. Sie treffen Vorkehrungen zum Schutz ihrer Liquidität.

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Redaktion seit 2007 und Gründer von FMM-Magazin. Erfahrungen in der Finanzindustrie seit 2003 u.a. bei Gruner + Jahr (Financial Times Deutschland) und der OnVista Group.

Angesichts der Unwägbarkeiten intensivieren 23 Prozent der befragten Firmen hierzulande schon heute ihr Kreditmanagement, um ihre Forderungen besser zu schützen (Durchschnitt Westeuropa: 18 Prozent). 27 Prozent der deutschen Studienteilnehmer erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens ihrer Firmenkunden im In- und Ausland; nur 9 Prozent hingegen rechnen mit einer Verbesserung.

Für die aktuelle Ausgabe ihres Zahlungsmoralbarometer für Westeuropa hat der Kreditversicherer Atradius 2.800 Unternehmen in 13 Ländern zu den Zahlungserfahrungen mit ihren Kunden befragt. Genauer betrachtet wurden dabei Trends bei der Durchführung des Forderungsmanagements, wahrgenommene Schwierigkeiten in puncto Rentabilität, die Forderungslaufzeit und nicht zuletzt die Zahlungsmoral, unterteilt nach Branchen und Unternehmensgrößen.

Atradius Kreditversicherer Zahlungsbarometer
Quelle: Atradius

Im Zusammenhang mit dem Brexit gaben 22 Prozent der befragten deutschen Unternehmen an, Forderungen verstärkt durch Kreditversicherungen decken zu wollen; 30 Prozent beabsichtigen die Bonität ihrer Kunden intensiver prüfen. Zum Schutz vor den Folgen eines möglichen US-Protektionismus ziehen 31 Prozent in Betracht, die Bonität ihrer Kunden vermehrt zu kontrollieren, 28 Prozent wollen auch andere Risikofaktoren im weiteren Umfeld der Abnehmer intensiver beobachten. Wegen der Konjunkturabkühlung Chinas gaben 27 Prozent der deutschen Befragten an, die Bonität der Abnehmer intensiver in den Blick zu nehmen, 23 Prozent beabsichtigen, andere Risikofaktoren im weiteren Umfeld genauer zu beobachten.

Zahlungsverzögerungen nehmen zu

Neun von zehn der für das Atradius Zahlungsmoralbarometer Westeuropa befragten Unternehmen berichteten, dass sie im vergangenen Jahr von einem oder mehreren in- oder ausländischen Kunden zu spät bezahlt worden sind (deutsche Studienteilnehmer: 92 Prozent). Umgerechnet 41 Prozent des Gesamtwerts der Außenstände wurden bei den Studienteilnehmern erst nach Ablauf der Zahlungsfrist beglichen (Deutschland: 41 Prozent), in der vergangenen Ausgabe der Publikation lag dieser Wert noch bei 39 Prozent (Deutschland: 40 Prozent). Der Anstieg erklärt sich unter anderem damit, dass Abnehmer derzeit dazu tendieren, sich mehr Zeit zu lassen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. In der Folge reduzierten sich die Geschäfte, bei denen ein Lieferantenkredit gewährt wurde, um 2 Prozent in Europa.

Atradius Zahlungsbarometer Zahlungsfristen
Quelle: Atradius

Laut Befragung stieg die durchschnittliche Forderungslaufzeit (Zeitraum zwischen Rechnungsstellung und Forderungseingang) in Westeuropa bei inländischen Firmenkunden von 54 Tagen im Jahr 2014 auf 59 Tage im Jahr 2016. Bei ausländischen Abnehmern erhöhte sich die durchschnittliche Forderungslaufzeit im selben Zeitraum von 52 auf 53 Tage. Dass insgesamt 43 Prozent der Studienteilnehmer inländischen Kunden Zahlungsziele gewährten – gegenüber 35 Prozent ausländischen – zeigt, dass das Vertrauen in inländische Abnehmer insgesamt höher ist – trotz der zunehmenden Forderungslaufzeit. Als Gründe für Zahlungsverzögerungen nannten 44 Prozent der Studienteilnehmer Liquiditätsengpässe seitens der Kunden, 26 Prozent gaben an, dass ihre Abnehmer offene Rechnungen als Finanzierungsmittel nutzen. 24 Prozent der Befragten teilten zudem mit, dass zu komplizierte Überweisungsverfahren einer zeitigen Rechnungsbezahlung im Wege stünden, was insbesondere im Auslandsgeschäft zutraf.

Andreas Tesch, Chief Market Officer von Atradius, kommentiert: „Da der Zugang zu traditionellen Finanzierungen insgesamt schwieriger geworden ist, nutzen Abnehmer häufiger offene Rechnungen bei ihren Lieferanten und Dienstleistern als alternatives Finanzierungsmittel. Mit steigendem Margen- und Liquiditätsdruck ist ein restriktiveres Gewähren von Zahlungszielen oft die einzige Möglichkeit für Lieferanten und Dienstleister, um ihre eigene Finanzlage stabil zu halten. Zu empfehlen ist dieses Vorgehen, wenn sich die Abnehmerbonität verschlechtert. Sollte das aber nicht der Fall sein, gibt es effektivere Wege, um das eigene Kreditrisiko zu optimieren und neue profitable Geschäftsmöglichkeiten zu verwirklichen, zum Beispiel mithilfe unseres Online-Tools ‚Atradius Insights‘.“


 

„Eines der auffälligsten Ergebnisse der Studie für Westeuropa ist, dass bei vielen Unternehmen insbesondere Inlandsgeschäfte für einen großen Teil der Forderungsausfälle sorgen.


 

Es ist genauso wichtig, sich gegen Forderungsausfälle durch heimische Abnehmer abzusichern wie durch ausländische. Atradius hilft seinen Kunden dabei, ihr Forderungsmanagement intelligenter und effektiver zu gestalten. Das Ergebnis der zunehmenden Nutzung unserer Produkte und Services ist eine höhere Profitabilität von Geschäften mit Lieferantenkrediten“, sagt Andreas Tesch.


(Quelle: Die Atradius Gruppe bietet weltweit Kreditversicherung, Bürgschaften und Inkassodienste an. Mit 160 Büros in mehr als 50 Ländern hat Atradius Zugang zu Bonitätsinformationen von mehr als 240 Millionen Firmen weltweit. Das Produktangebot hilft Unternehmen auf der ganzen Welt, sich vor Forderungsausfällen zu schützen, wenn Kunden gelieferte Waren oder erbrachte Dienstleistungen nicht bezahlen können. Atradius ist Teil der Grupo Catalana Occidente (GCO.MC), die in Spanien zu den größten Versicherern und weltweit zu den größten Kreditversicherern gehört.)

 
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