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Familienbesteuerung: Entlastung beim Familiensplitting für Gutverdiener

Dokument: Berlin, 04.09.2013 10:59 Uhr (Wirtschaftsredaktion)

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) sieht in der von CDU/CSU vorgeschlagenen Reform zur Familienbesteuerung eher Gewinner bei den besserverdienenden Bürgern.

Die Unionsparteien planen ihrem Wahlprogramm zufolge, das in Deutschland bestehende Ehegattensplitting zu erhalten und um ein Familiensplitting zu ergänzen. Dazu soll der Kinderfreibetrag von derzeit 7.008 Euro pro Jahr auf den Freibetrag für Erwachsene von 8.354 Euro pro Jahr angehoben und das Kindergeld um 35 Euro pro Jahr erhöht werden. Den Staat würde das mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr kosten. Die DIW-Experten Richard Ochmann und Katharina Wrohlich haben die Auswirkungen dieses „Familienrealsplittings“ auf die Einkommensverteilung mit Hilfe eines Mikrosimulationsmodells untersucht.

Durchschnittlich würde eine Familie in Deutschland durch die unter dem Stichwort „Familiensplitting“ präsentierte und jährlich mehr als sieben Milliarden Euro teure Reform rund 700 Euro pro Jahr mehr zur Verfügung haben. In den höchsten Einkommensklassen steigt die Entlastung auf bis zu 840 Euro, bei den einkommensschwachen Familien sind es im Durchschnitt 300 Euro. In der untersten Einkommensklasse würden 60 Prozent der Familien gar nicht profitieren: Bei Empfängern von Transferleistungen wie dem Arbeitslosengeld II wird das Kindergeld verrechnet. Eine Erhöhung käme bei ihnen nicht an.

„Dem familienpolitischen Ziel der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie stünde diese Reform entgegen. Angesichts der hohen fiskalischen Kosten sollte erwogen werden, die Mittel lieber in eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung zu investieren“, so das Fazit der DIW-Experten. Auch das vielzitierte französische Modell ist den Forschern zufolge kein Vorbild für die Bundesrepublik: „Das deutsche System aus Kindergeld und Kinderfreibetrag ist heute bereits großzügiger als die Entlastung durch das französische Familiensplitting.“

Mehr zum Thema im DIW-Wochenbericht 36-2013 (Link zur pdf-Datei).

(Quelle: DIW Berlin)
(Artikelfoto: Lars Haberl / pixelio.de)

 
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